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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Unklar ist auch die Stellung dieser neuen Kommission/en gegenüber dem Oberkonsistorium. Sie wird beim Oberkonsistorium eingerichtet und ihre sämtlichen Mitglieder gehören zum Oberkonsistorium, aber nehmen bis auf Silberschlag eine Sonderstellung ein. Von der Immediatheit dieser Kommission ist hier noch keine Rede. (28)

Unklar ist auch die Zuordnung der Examinationskommission zu den entsprechenden Kommissionen bei den Landeskonsistorien. Die Unklarheiten beseitigt teilweise die "Instruction für die Königliche Examinations-Commission in geistlichen Sachen" vom 31.8.1791(29), die Silberschlag am 2.9. erhält, und aufgrund derer die Kommission am folgenden Montag, also knapp vier Monate nach ihrer Errichtung, ihre Amtsgeschäfte aufnimmt.(30)

Die Instruktion macht deutlich, daß es sich um eine Kommission handelt, der die geistlichen Räte Silberschlag, Hermes und Woltersdorff und der Geheime Rat Hillmer angehören, und die die Amtsgeschäfte "gemeinschaftlich" erledigen. Die "Basis" ihrer Arbeit ist das Religionsedikt vom 9.7.1788. Sie haben dafür zu sorgen, daß dieses "nach seinen Punkten und Clausuln, die die Aufrechterhaltung der Orthodoxie und reinen christlichen Lehre betreffen, allenthalben in Ausübung gebracht werde." ( 1) Dazu sollen sie als erstes eine Instruktion für alle Konsistorien in den preußischen Landen verfassen, damit das RE nicht weiterhin nachlässig oder gar nicht beachtet wird. ( 2) Daran haben sich Hermes und Hillmer sofort gemacht, so daß sie schon 3 Tage später dem König einen Entwurf übersenden können.(31)

4 bezeichnet dann die entsprechenden Examinationskommissionen in den Provinzen als "die Untern Commissionen"(32), die Informationen über die Prediger und Schullehrer an die Berliner Kommission zu liefern haben, damit diese in die Lage versetzt wird, zwei Listen zu führen: eine über die guten, die andere über die schlechten Lehrer und Prediger. Solche "Konduiten-Listen" gab es auch schon unter Friedrich d.Gr.(33) Neu ist jetzt die Bezeichnung der Personen, die auf der zweiten Liste geführt werden sollen: "In der 2ten Liste kommen vorzüglich alle Neologen, u. die ganze Rotte der sogenannten Aufklärer unter den Predigern und Schullehrern, desgleichen alle diejenigen, deren Lebenswandel anbrüchig und nicht rechter Art ist; um auf die ersteren ein wachsames Auge zu haben, daß sie ihre neologische Irrthümer nicht weiter ausbreiten, die leztern aber in Absicht der Verdorbenheit ihrer Sitten, nach denen in der Consistorial-Ordnung vorgeschriebenen Gradibus admonitionis zu behandeln, und bei nicht erfolgter Besserung dem Weltlichen Arm zur wohlverdienten Strafe und Cassation zu übergeben." 6 zitiert die Kabinettsorder vom 14. Mai bezogen auf die Glaubensprüfung und nennt nur die geistlichen Räte als Prüfer in dieser Sache. Die Prüfungen des Konsistoriums sollen immer von mindestens zwei der geistlichen Mitglieder der Examinationskommission auf ihre vorschriftsmäßige Durchführung hin beobachtet werden. ( 7)(34) Besonders auffällig ist, daß auch die Feldprediger der Glaubensprüfung unterzogen werden sollen, wenn sie sich auf eine Pfarrstelle bewerben. ( 8) Schon die Kabinettsorder vom 14. Mai 1791 hatte angeordnet, "daß künftighin alle angehenden Feldprediger nicht mehr, wie bisher, von dem jedesmahligen Feldprobst, sondern bey Unsern Landes-Consistoriis, ... examinirt, darauf aber von dem Feldprobst, ..., ordinirt werden sollen." In einem Schreiben vom 31. Mai 1791 an das OK verweist v.Woellner noch einmal ausdrücklich auf diese Anordnung der Kabinettsorder.(35) Die Instruktion hält nun noch einmal fest, daß die Feldprediger, die sich um eine Pfarrstelle bewerben, wie auch die Kandidaten, die eine Feldpredigerstelle bekommen sollen, nicht anders behandelt werden sollen wie die übrigen Kandidaten für ein Predigt- oder Schulamt. Bisher hatten die Feldprediger einen Sonderstatus eingenommen, und ihre Berufung auf Pfarrstellen lief am Oberkonsistorium und den Landeskonsistorien vorbei. Allerdings hebt Friedrich Wilhelm II. die Gleichstellung der Kandidaten für das Feldpredigeramt mit den übrigen Kandidaten wieder teilweise auf, wenn er am 3.11.1791 den Entwurf der IEK für eine Instruktion für alle Konsistorien dahingehend ändert, daß der Feldpropst die Kandidaten für eine Feldpredigerstelle nach der Glaubensprüfung durch die IEK wie bisher prüft. Der König ist überzeugt, daß nur der Feldpropst im Hinblick auf die besonderen Gegebenheiten dieser Stelle die Leistungen angemessen beurteilen kann. (36)

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Zurück zum Text  28. Schwartz, Kulturkampf, 203 entnimmt einem Konferenzprotokoll vom 6.5.1791, daß die Bezeichnung Immediate Examinations-Commission schon vor dem 14.5. feststand. In den offiziellen Verlautbarungen taucht diese Bezeichnung erst in der Instruktion vom 31.8.1791 durch die Kennzeichnung als "Königliche Examinations-Commission in geistlichen Sachen" auf. Der Begriff Immediat taucht erst in dem Übersendungsschreiben vom 21.2.1792 auf und wird in dem Reskript vom 13.3.1792 erläutert: die Kommission ist nicht dem Oberkonsistorium, sondern direkt dem Geistlichen Departement unterstellt. Die Kommission bezeichnet sich selbst in ihrem Pro memoria vom 11.2.1792 (GStA Berlin X HA Rep 40 1789, 210) als Immediate vom König eingestellt; dies gegen Hoffmann, Hermes, 75, der die Immediatheit erst mit der Verfügung vom 13.3.1792 beginnen läßt; ebenso Sack, Geschichte, 455; hinter dieser Datierung steht wohl, daß am 13.3.1792 ausdrücklich bestimmt wird, was die Immediatheit bedeutet.

Zurück zum Text  29. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4, 1794 - (Original), Abschrift: GStA Merseburg Rep 76 alt XV Nr. 1,2-5; Vollständiger Text mit einigen Fehlern in "Freymüthige Betrachtungen und ehrerbietige Vorstellungen ..., Germanien 1791; vgl. Henke, Beurteilung, 470ff.; ebenfalls abgedruckt in Brunn, Magazin 1, 57-65; teilweise abgedruckt bei Schwartz, Kulturkampf, 209-211; Philippson, Geschichte I, 345-349.

Zurück zum Text  30. GStA Merseburg Rep 76 alt XV Nr. 1, 1.

Zurück zum Text  31. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 23ff.

Zurück zum Text  32. Hoffmann, Hermes, 70 sieht damit ganz neue "Unterkommissionen" bezeichnet, die in der "Errichtungsordre" gar nicht erwähnt sind. Hoffmann ist hier wohl der falschen Textwiedergabe und entsprechenden Kommentierung der Instruktion in den "Freymüthigen Betrachtungen ..." gefolgt, obgleich der von Hoffmann abgedruckte Auszug aus der Instruktion dem Auszug bei Philippson entspricht. Tatsächlich handelt es sich bei den "Untern Commissionen" um die in der Errichtungsorder benannten "bei allen Consistoriis" zu errichtende "besondere Commission".

Zurück zum Text  33. S. Acta Borussica VIII, 129.249.649.663.553.565.713; vgl zu diesen Listen Dorn, Bureaucracy, 92f.

Zurück zum Text  34. Gegen Hoffmann, Hermes, 70 gehörte auch schon im Errichtungsdekret Hillmer zur IEK. Allerdings ist er auch schon dort - wie auch in der Instruktion - von den Glaubens- und theologischen Prüfungen ausgeschlossen, die von den besonderen Kommissionen (Untern Kommissionen) bei den Landeskonsistorien vorgenommen werden. Hillmer gehörte von Anfang an nicht zu der churmärkischen Unterkommission. Gegen Hoffmann, Hermes, 71 sind nicht alle drei geistlichen Räte der IEK von den Sitzungen des OK dispensiert, da Silberschlag als ordentliches Mitglied keinen Dispens erhält, sondern nur die zwei geistlichen Räte Hermes und Woltersdorff und der Geheime Rat Hillmer.

Zurück zum Text  35. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 83; dort auch Zitat aus der Kabinettsorder vom 14.5.1791.

Zurück zum Text  36. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4, 1770-93, 22.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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