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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Erstaunlich ist 10, der die Prüfer ermahnt, "mit den Candidaten, die entweder zu unwissend oder aber der Neologie ergeben sind, Geduld zu haben, ihnen nach jedesmaliger mehr oder minderer Erfordernis der Umstände, Termine zu setzen, in welchen sie zum 2ten, vielleicht zum 3ten und 4ten mal wieder erscheinen sollen; ihnen auch mit Väterlicher Güte, Anweisung zum wahren Studium, und zweckmäßiger Zubereitung auf ein künftiges Lehramt zu geben, um auf diese Art den armen, so sehr versäumten Candidaten so viel immer möglich ist, nüzlich zu werden."(37)

Der 2. Teil der Instruktion beschreibt die Aufgaben, die jedes Kommissionsmitglied gesondert erhält. Während Silberschlag - als ordentliches Mitglied des Oberkonsistoriums und aufgrund der damit und mit seinen weiteren Ämtern verbundenen hohen Arbeitsbelastung - keine besonderen Aufgaben bekommt, soll Hermes zusammen mit Hillmer alle neuen Ausarbeitungen übernehmen, "welche in der Folge nöthig u. erforderlich sein möchten", außerdem soll er die Berliner Kandidaten unterrichten, die Berliner Schulen beaufsichtigen und auf spezielle Anweisung auch in den Provinzen Kirchen- und Schulvisitationen durchführen. Hillmer wird beauftragt, neben der Unterstützung von Hermes bei den Ausarbeitungen, auf besondere Anweisung die Provinzialkommissionen zu besuchen und vor allem die "Moralischen, Zeit- und Gelegenheits-Schriften allein" zu zensieren, die theologischen Bücher, sofern sie in Berlin gedruckt werden sollen, zusammen mit einem oder mehreren seiner Kollegen.(38) Außerdem soll Hillmer auch bei den öffentlichen Examina im Oberkonsistorium dabei sein, auch wenn er - wie alle weltlichen Räte - nicht selbst prüfen darf. Da Woltersdorff - ähnlich wie Silberschlag - schon durch seine Gemeindearbeit sehr in Anspruch genommen ist, soll er nur die Aufgabe übernehmen, die Berliner Kandidaten in seinen kirchlichen Unterricht zu nehmen und die Berliner Kandidatenliste zu führen.

Damit sind Hermes und Hillmer die Mitglieder der Kommission, die an der Umsetzung der IEK besonders engagiert sind, und da die Instruktion festlegt, daß sie jeweils auf besondere Anweisung des Chefs des Geistlichen Departements handeln, werden sie zu Vollzugsbeamten v.Woellners und seiner Absichten gemacht. Allerdings haben sie nicht immer v.Woellners Anweisungen abgewartet - wie noch zu zeigen sein wird -, sondern durchaus Eigeninitiative ergriffen, wenn ihnen v.Woellner zu zögerlich vorging.

Die Instruktion schließt, indem sie die Absicht des ganzen Unternehmens benennt: "damit unter Gottes Segens-Beistande der vorgesezte heilsame Endzweck erreicht, den Irrlehrern aber und Verführern Einhalt gethan, und das Volk nicht mehr, wie bisher vielfältig geschehen, von der reinen alten wahren Religion Jesu abgeführt werde."

Das Verhältnis der IEK zum OK ist auch durch die Instruktion noch nicht vollständig geklärt, wie das Reskript vom 13. März 1792 zeigt, indem nun ausdrücklich festgestellt wird, das die IEK nicht dem OK untersteht, sondern "immediate angestellt ist". (39) Unklar bleibt in der Instruktion auch, was mit den Kandidaten in den Provinzen geschehen soll, solange es keine Unterkommissionen in den Provinzialkonsistorien gibt. Hierauf gibt das Reskript vom 13.März 1792 nur Antwort, insofern es die Prüfungen pro licentia concionandi betrifft. Es bestimmt, daß die Inspektoren nach Anweisungen der IEK diese Prüfung vorzunehmen und das Ergebnis an diese zurückzumelden haben, damit diese die bestandene Prüfung dem Inspektor attestieren, woraufhin die Kandidaten dann beim Oberkonsistorium die Predigterlaubnis erhalten.

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Zurück zum Text  37. GStA Merseburg Rep 76 alt XV Nr.1.

Zurück zum Text  38. Dieser Auftrag an Hillmer macht die IEK noch nicht zu einer allgemeinen Zensurbehörde, wie Hinske, Was, XXXIV meint. Erst später wird der Auftrag ausgeweitet.

Zurück zum Text  39. GStA Merseburg Rep 76 alt XV Nr. 2,15; GStA Merseburg Rep 76 alt XV Nr. 2,32; GStA Berlin X HA Rep 40 1789, 220.222; GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 87; Archiv St.Marien Berlin Insp.Gen. A Nr. 5; NCCPB 9, 877ff.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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