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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


3 Religionsedikt als Anlaß für die Einrichtung

Wie ist es zur Errichtung der IEK gekommen? Die Kabinettsorder und die Instruktionen geben selbst Hinweise: die IEK soll die Einhaltung des RE"s, sofern es "die Aufrechterhaltung der Orthodoxie und reinen christlichen Lehre" betrifft (Instruktion 1), überwachen und entsprechende Vorschriften entwerfen (KO); und sie soll dafür sorgen, daß die Prüfungsordnung befolgt wird (KO), "damit unter Gottes Segens-Beistande der vorgesezte und heilsame Endzweck erreicht, den Irrlehrern aber und Verführern Einhalt gethan, und das Volk nicht mehr, wie bisher vielfältig geschehen, von der reinen alten wahren Religion Jesu abgeführet werde." (Instruktion gegen Ende) Die IEK dient also der Umsetzung des RE"s vom 9. Juli 1788, sofern es die Aufrechterhaltung der Orthodoxie und reinen christlichen Lehre betrifft.

3.1 Religionsedikt

(40)

Das Vorwort des RE"s nennt den Grund für dieses Edikt: Friedrich Wilhelm II. habe schon lange vor seiner Thronbesteigung bemerkt, daß einmal notwendig sein würde, daß "die Christliche Religion der Protestantischen Kirche, in ihrer alten ursprünglichen Reinigkeit und Aechtheit erhalten, und zum Theil wieder hergestellt werde". Sinn des RE"s ist es also, die Lehrfreiheit der protestantischen Geistlichen einzuschränken. (41) Dies stimmt mit der Aufgabenstellung für die IEK, nämlich für die Aufrechterhaltung der Orthodoxie und reinen christlichen Lehre zu sorgen, völlig überein. Aber das RE setzt entsprechend seinem Titel "die Religions-Verfassung in den Preußischen Staaten betreffend" allgemeiner ein: "alle drey Haupt-Confessionen der Christlichen Religion, nehmlich die Reformirte, Lutherische und Römisch-Catholische, [sollen] in ihrer bisherigen Verfassung, nach den von Unsern gottseligen Vorfahren vielfältig erlassenen Edicten und Verordnungen, in Unsern sämtlichen Landen verbleiben, aufrecht erhalten, und geschützt werden". ( 1)

Entgegen der Behauptung, daß 1 die drei Hauptkonfessionen in den preußischen Provinzen gleichstellt(42) oder sich zu deren Parität bekennt(43), kann dem Wortlaut nur entnommen werden, daß die drei Hauptkonfessionen in ihrer bisherigen Verfassung bestätigt, d. h. ihre Güter, Pfarreien und das Recht des öffentlichen oder privaten Gottesdienstes erhalten werden. (44) Die diesbezügliche Rechtslage war in den preußischen Provinzen durchaus unterschiedlich. Im Reichsgebiet galt die Regelung des westfälischen Friedens, also das Instrumentum Pacis Osnabrugense (IPO), wobei in den westlichen Provinzen der Religionsrezeß von 1672 nicht nur die Toleranz beider Konfessionen in einer Provinz garantiert, sondern sogar die freie Wahl des Bekenntnisses zugestand (45) ; in den ehemals polnischen Gebieten galt der Vertrag mit Polen, der den Katholiken Besitzstandswahrung zusicherte; in Ostpreußen galten nur die den Ständen gewährten Rezesse; außerdem galten die Einzelverfügungen wie etwa die Einrichtung einer katholischen Kirche in Berlin oder einer reformierten in Halle. Dies bedeutete, daß die einzelnen Konfessionen in verschiedenen Provinzen durchaus nicht gleichberechtigt waren, sondern unterschiedlich behandelt wurden, so durften etwa die Katholiken in der Mark Brandenburg 1789(46) nicht einfach eine Kirche eröffnen. Mit Recht trägt also das Edikt den Titel "Religions-Verfassung in den Preußischen Staaten" und nicht etwa "Preußische Religionsverfassung"; denn jede Provinz hat ihre eigene Verfassung und darf diese behalten.

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Zurück zum Text  40. Orginal: GStA Merseburg Rep 47 Tit 1 Heft 32; Druck NCCPB 8, 1788, 2175-2184, Nr. XLIX; dieser Druck fotomechanisch wiedergegeben bei Elliger, Kirche, 188-192; weitere Fundstellen: Acten, Urkunden und Nachrichten 1, 461-479; Rabe, Sammlung I/7, 726-733; Lehmann, Preußen 6, Nr.237, 250-257; Handbuch über die Religions-, Kirchen-, geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten 3, 307-316; Hubatsch, Geschichte 3, Nr.16, 254-259.

Zurück zum Text  41. Dazu, wie überhaupt zu den Fragestellungen dieser Arbeit, trägt die jüngste Biographie Friedrich Wilhelm II. von Bissing wenig bei.

Zurück zum Text  42. S. Link, Art.Kirchenrecht/Staatskirchenrecht, 801; Becker, Staat, 387; Masur, Naturrecht, 65; Elliger, Kirche, 33.

Zurück zum Text  43. S. Rieker, Stellung, 311f.; Fürstenau, Grundrecht, 78; Löhr, Landrecht, 16; Jacobson, Kirchenrecht, 126 A1; Weber, Parität, 242; Luxemburger, Religionsgesellschaften, 71.

Zurück zum Text  44. Es soll nicht bestritten werden, daß teilweise hinter den tatsächlichen Verhältnissen in den preußischen Provinzen der Gedanke der Parität und Gleichstellung steht, wie er sich aus dem naturrechtlichen Kirchenbegriff ergibt (vgl. Rieker, Stellung, 242ff.297). Das RE regelt jedoch nicht die Parität und Gleichstellung oder führt sie gar neu ein. Das Allgemeine Landrecht (1794) enthält dann ein zweistufiges "Paritätssystem" in Teil II Titel 11; bei Huber, Staat I, 3ff.; vgl. dazu Rieker, Stellung, 297.314ff.; Theisinger, Irrlehrefrage, 119f.

Zurück zum Text  45. Vgl. Becker, Staat, 384.

Zurück zum Text  46. Zorn, Hohenzollern, 26f.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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