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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Im Gegensatz zum RE ist die Abhandlung nicht an den Bekenntnisschriften, sondern der Bibel orientiert. In der Abhandlung wird die Leugnung der Geheimnisse der christlichen Religion und die Überordnung der Vernunft über die Offenbarung verworfen ( 14 - 17), ebenso im RE ( 7 f.), aber es gibt in der Abhandlung keine Norm, an der gemessen werden kann, was zu einer rechten Lehre gehört. Diese Norm hat Woellner nun für das RE in den Bekenntnisschriften gefunden. Erst diese Norm erlaubt es, seine Vorstellungen als Edikt zu fassen, nach dem beurteilt und verurteilt werden kann. Deshalb wird diese Bindung der Lehre auch zum eigentlichen Streitpunkt. Die Aussagen der Abhandlung hätten im großen und ganzen - zumal der Begriff Neologie und dessen Verurteilung nirgends in der Abhandlung sich findet - die Zustimmung der Oberkonsistorialräte gefunden, denn auch sie verurteilten Entwicklungen der Aufklärungstheologie, insbesondere der westeuropäischen - wie noch gezeigt werden soll. Aber die Bindung an die symbolischen Bücher als ein für alle Male festgesetzte Auslegung der biblischen Wahrheit war für sie unannehmbar. Die Betonung der Geheimnisse des Glaubens und die Infragestellung der Vernunft wären Ausdruck eines schwärmerischen Glaubens geblieben, aber die Festsetzung dieser Geheimnisse und ihre Überordnung über die Vernunft durch die Bindung an die symbolischen Bücher machte Woellners Überzeugung politisch und juristisch handhabbar.

Es bleibt jedoch die Frage, welche Zusammenhänge einen solchen Schub den Bekenntnisschriften in der Regierungspolitik Freidrich Wilhelm II. und seines Ministers gaben. Der Hinweis auf die Diskussion seit den siebziger Jahren reicht nicht, da sich diese Diskussion dann schon in der Abhandlung hätte niederschlagen müssen. Auch die politische und juristische Klugheit kann nicht der einzige Grund für den Rückgriff auf die Bekenntnisse sein, denn auch dies hätte schon für den Prinzenvortrag gegolten. Es bedarf weiterer Untersuchungen, um diese Aufwertung der Symbole durch v.Woellner zwischen 1785 und 1788 zu erklären. Dazu müßte insbesondere auch die Verbindung zu dem Breslauer Heinrich Siegismund Oswald, dem Schwiegersohn von Hermes untersucht werden, da dieser 1786 in seinem Buch "Analogie der leiblichen und geistlichen Geburt" auch auf den Verlust der Bekenntnistreue hinwies und Hermes in seinem Vorwort zu dieser Schrift verheißt, daß "die periodische Torheit der unbefugten Religionsverbesserung bald vorüber gegangen sein wird."(79)

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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