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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


3.2.4 Johann Esajas Silberschlag (1721 - 1791)

Silberschlag, der wenig theologisch arbeitete, da er im großen Umfang als Baumeister tätig war und als Wissenschaftler der Geogonie, Mechanik und des Wasserbaus zur Akademie der Wissenschaft gehörte,(178) hatte sich als einziger von den geistlichen Oberkonsistorialräten hinter das RE gestellt. Dies ist erstaunlich, weil er schon am 21.03.1775 an Freiherr von Hohenthal, den Vizepräsidenten des Oberkonsistoriums in Dresden, schreibt: "Allhier ist Deismus so gut eine alte Farbe geworden als der Edelmann"sche Pantheismus, der Naturalismus wird auch schon schwindsüchtig. Uns gefällt nur das Neue, es mag so närrisch sein als es will. Der Socinianismus veraltet auch schon, vermutlich bebrütet die alte Schlange schon wieder neue Basiliskeneier. Gott aber trete den Satan unter seine Füße, wir sind"s nicht, die solches tun können. Aber Christus." (179) Er hält also die im Religionsedikt genannten Irrlehren für überholt. Andererseits schreibt er dies unter dem Eindruck der zu diesem Zeitpunkt besonders in Berlin auftretenden und schnell wachsenden spiritistisch-okkultistischen Geheimbewegung, insbesondere der Rosenkreuzer.(180) In dieser Bewegung sieht er die akute Gefahr. Aber gerade diese Bewegung war wesentlich v.Woellner getragen, der die Berliner Rosenkreuzerloge gegründet hat, der dann 1781 der Kronprinz Friedrich Wilhelm beigetreten war. Von daher müßte Silberschlag eigentlich dem RE als einem Werk dieser Männer äußerst mißtrauisch gegenüberstehen. Daß dies nicht so ist, macht deutlich, daß der Pietismus, dem Silberschlag nahe stand, seine progressive Kraft zumindet in Preußen verloren hatte, und stärker dazu neigte, überlieferte Positionen der Dogmatik gegen die "Neuerer" zu verteidigen.(181) In dieser Absicht wußte sich Silberschlag in Übereinstimmung mit dem RE und dessen Verfasser. So verbindet das gemeinsame Gegenüber in den 80-ger Jahren pietistische und orthodoxe Positionen. Der Minister v.Woellner galt Silberschlag als Altgläubiger, der besonders den Kampf gegen die Auflösung der Christologie unterstützte. Die Zugehörigkeit v. Woellners zu den Rosenkreuzern trat demgegenüber zurück, obgleich sie faktisch für den Kampf gegen die Aufklärung von großer Bedeutung war.

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Zurück zum Text  178. Doering, Kanzelredner, 435 f.; Birtsch, Christian, 313.

Zurück zum Text  179. Abgedruckt im Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte 9/10, Berlin 1913, 401f.

Zurück zum Text  180. So Nicolai nach Karl Aner, Friedrich Nicolai, Gießen 1912, 133

Zurück zum Text  181. S. dazu Valjavec, Entstehung, 66; Scholder, Grundzüge, 484ff.; Schnabel, Geschichte, Kap. Orthodoxie und Pietismus; Godfroid, Pietismus, 107f.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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