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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Daran wollen die Oberkonsistorialräte - ohne das sie dies aussprechen - nicht gebunden sein. Sie befürchten, daß daraus Gewissenszwang erwachsen könnte, der zur Heuchelei führte. Auf diesem Hintergrund lehnen sie auch den Vergleich mit dem Richter oder Referenten ab, weil es dabei um Gesinnungsfragen und nicht äußerliche Handlungen ginge. Damit stellen sie allerdings auch eine Konsequenz des preußischen Kollegialsystems in Frage; denn wenn die Lehren der Kirchengesellschaften den Staatsinteressen dienen, sind die Lehrer Staatsdiener, deren private Gesinnung für ihre Aufgabe allenfalls zweitrangig ist. Diese Differenz in ihrem Denken zum Kollegialsystem wird auch daran deutlich, daß sie eine langsame Kur, einen "Heilungsprozeß" für die "Krankheit" wünschen, an dem sie beteiligt sind, während der König aufgrund der ihm übertragenen Gewalt "Subordination" fordert.

Die Unterordnung der Kirchenbehörden in Fragen der Lehre unter die Obrigkeit wird - verbunden mit der Bekämpfung der Aufklärung im RE - als Beleg der Reaktion gewertet. Wie weit das RE und die Ausführung durch die Staatsgewalt reaktionär gewirkt hat, muß die weitere Untersuchung noch genauer zeigen. Es ist jedoch festzuhalten, daß auf der Ebene der Gesetzgebung das RE mit seinen Toleranzaussagen fortschrittlich war und insofern die Verteidiger mit Recht die darin kodifizierte Gewissensfreiheit des einzelnen hervorgehoben haben.

Die Diskussion hatte die Bedeutung der Symbole auf die Bedeutung der in ihnen ausgesagten Grundwahrheiten reduziert, wobei die Verfechter des REs betonen, daß die Aussagen zu Person und Verdienst Christi dazugehören. Damit wird auch deutlicher, welche Neuerungen als gefährlich angesehen werden, nämlich solche die diese Grundwahrheiten bestreiten, und das heißt für die Verfechter des RE"s die Naturalisten, Deisten, Socinianer und ähnliche. Es wäre nun Aufgabe der Oberkonsistorialräte gewesen, zu beurteilen, welche Werke oder Theologien von diesen Irrlehren betroffen sind. Aber am Ende der Diskussion war deutlich, daß die Unterstützung ausbleiben würde. So mußten andere heran, die diese Arbeit leisten würden. Einzig Silberschlag hatte sich hinter das RE gestellt. Von ihm und den drei neuen Oberkonsistorialräten, Hermes, Hillmer und Woltersdorff, die die neue IEK bilden, soll nun die Unterstützung kommen, die ein staatliches regulierendes Eingreifen allererst ermöglichen.

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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