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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


In der Verteidigung des RE"s durch Semler tritt deutlich die konservative Konsequenz aus Semlers Unterscheidung von privater und öffentlicher Religion hervor und seine theologische Kritik an der Aufklärungstheologie, die auch schon Ursache für seine Auseinandersetzung mit dem Fragmentisten (1777) und mit Bahrdts Glaubensbekenntnis (1779) war. Henkes und Aners heftige Auseinandersetzung mit Semlers Position ist wohl eher Ausdruck ihrer eigenen Einstellung als angemessene Untersuchung der Texte. So ist Aner selbst widersprüchlich, wenn er einerseits Semler von den Neologen ausschließt (98.102) und als Mann der Mitte bezeichnet (99), aber andererseits nachweist, daß er so radikale Positionen der Bekämpfung des kirchlichen Dogmas vertreten habe, wie sie Bahrdt geäußert hat (103 f.). Wenn nach Aner (Vorwort VI) Kennzeichen für Neologen "ihr materieller Kampf gegen das kirchliche Dogma" ist, dann müßte er Semler allemal dazu zählen.

In der Tat scheint mir weder der Nachweis, daß Semler ebenso radikal die kirchlichen Dogmen ablehnte wie Bahrdt, noch sein Ausschluß von den Neologen von den Quellen her begründet zu sein. Zum einen hat Semler seine Arbeit wie auch Spalding, Teller und Sack nie destruktiv verstanden im Sinne des über-Bord-werfens von Dogmen, sondern immer als Reformation und Weiterentwicklung. In seinem "Versuch einer freiern theologischen Lehrart" vertritt er ganz im Sinne der Neologie die Vorstellung von der Perfektibilität des Christentums.(215) Zum andern hat er wie auch die schon Genannten an den Grundartikeln des Christentums festgehalten und davon die kirchlichen Grundartikel unterschieden. Insbesondere war das Wort Gottes im Unterschied zur Bibel für ihn, dem Bahnbrecher der historischen Bibelkritik immer "außer und über aller Kritik". Im Gegensatz zu einem Spalding, Teller und Sack, war er jedoch für eine allmähliche Veränderung eingetreten und im Grunde von einer konservativen Haltung bei seinen Weiterentwicklungen motiviert.(216)

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Zurück zum Text  215. Semler, Versuch, 105ff.

Zurück zum Text  216. Die Darstellungen Semlers bei Hirsch, Geschichte IV, und Wallmann, Kirchengeschichte, 166 - 169, zeichnen ein ähnliches Bild von Semler. Schollmeier, Spalding, 39 - 55, hat mit Recht auf manche Ungereimtheiten in den theologiegeschichtlichen Darstellungen der Neologie hingewiesen.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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