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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Sein Schwiegervater und ursprüngliche Verfasser der Schrift, Diterich, stimmte Zöllner zu und nannte den Katechismus ein "elendes Buch", "welches weder seinem Inhalt, noch seiner Form nach, zum gründlichen Unterricht in der christlichen Lehre, selbst nach der Vorstellungsart der lutherischen Kirche, brauchbar" sei.

Auch Spalding und Büsching stimmten Zöllner zu, wobei Büsching mit scharfen Worten zum Widerstand aufrief. Teller stellte noch ergänzend fest, welche Aussagen er im Widerspruch zu den Symbolen sah. Sack, der die Arbeit nicht gelesen hatte und sich eines Urteils enthielt, da es sich um ein Lehrbuch ausschließlich für die lutherischen Gemeinden handelte, schloß sich nach dem Lesen der Gutachten seiner Kollegen deren Auffassung an, daß eine Eingabe gemacht werden müsse, obgleich er grundsätzlich einen allgemeinen Katechismus für sinnvoll hielt. Gedicke urteilte wie seine Kollegen und schlug vor, die spätere Arbeit von Diterich "Anweisung zur Glückseligkeit nach der Lehre Jesu" zu nehmen oder aber mindestens die Freiheit zu lassen, sich statt für den allgemeinen Katechsimus für den von Luther entscheiden zu können. Die drei weltlichen Räte Nagel, v.Lamprecht und v.Irwing forderten schließlich, vor einem solchen Befehl die Stellungnahme des Oberkonsistoriums einzuholen.

So erfuhr diese landesherrliche Entscheidung eine scharfe Zurückweisung durch das Oberkonsistorium. Zöllner bestritt indirekt, daß der König das Recht zu einer solchen Herausgabe habe, Büsching sah darin "einen Ausbruch des Despotismus" und alle forderten, vorher gehört zu werden. Einzig Silberschlag, der als letzter am 18.2.1790 Stellung nahm, schlug den Ton des höchsten Lobes an. (294) Im Gegensatz zu den übrigen Oberkonsistorialräten, die diese Verordnung kritisierten, eine vorherige Anhörung über den Sinn eines solchen Unternehmens forderten und - abgesehen von Sack - einen allgemeinen Katechismus für überflüssig hielten, weil sie jedem Pfarrer die freie Wahl oder den eigenen Entwurf lassen wollten, verteidigten Silberschlag die Bindung des katechetischen Unterrichts an die traditionelle Lehre und hielt nur eine Überprüfung der Orthodoxie der Schrift für notwendig. Er sah in einem allgemeinen Katechismus eine Waffe gegen die Religionszerrüttung und Lästerung, wie sie in den Journalen und den Schriften gegen das RE und die treuen Prediger geübt wurde. Gegen alle Angriffe verteidigte er die Orthodoxie dieser Schrift.(295)

Am 23.2.1790 erhoben die Oberkonsistorialräte bis auf Silberschlag und v.d.Hagen Einspruch gegen den Landeskatechismus beim König und fügten ihre Voten bei. (296) Die Oberkonsistorialräte blieben mit ihrem Einspruch nicht alleine, am 2.3.1790 folgte das halberstädter Domkapitel mit einer scharfen Zurückweisung der befohlenen Einführung des neuen Katechismus.(297) Noch schärfer im Ton war der Widerspruch der halberstädter Stände vom 13.3.1790 ausgefallen.(298)

Im Auftrag des Königs antwortete v.Woellner am 9.3.1790 den Oberkonsistorialräten, indem er den unbedingten Willen des Königs betonte, einen allgemeinen Katechismus einzuführen, um der Willkür beim Unterricht in Kirche und Schule zu wehren. Gleichzeitig teilte er mit, daß das umstrittene Lehrbuch zurückgezogen würde und statt dessen ein Lehrbuch eingeführt werden solle, das "vor beinahe 30 Jahren von denen damaligen rechtschaffenen und gründlich gelehrten Mitgliedern des Ober-Consistorii approbiret, und von des Höchstseel. Königs Maj. privilegieret" wurde.(299) Das Schreiben war in einem äußerst scharfen Ton abgefaßt und voller Drohungen und Warnungen. Die halberstädter Stände mußten sich sogar in dem Antwortschreiben vom 14.4.1790 sagen lassen, daß sie sich von "übel gesinnte(n) Leute(n)" hätten anstacheln lassen und "lauter unverschämte Lügen und Unwahrheiten" vorgetragen hätten.(300) Auch ihnen wurde mitgeteilt, daß nunmehr ein anderes Lehrbuch, "welches bereits vor 27. Jahren von Unserm hiesigen Ober-Consistrio approbirt, und von Unsers Hochseligen Oheims Maj. privilegirt worden, mithin allgemein bekannt, und schon längst in den meisten Provinzen Unsers Landes eingeführt ist. Dagegen also keine weitere Einwürfe statt finden".

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Zurück zum Text  294. Sack, Geschichte, 422ff.

Zurück zum Text  295. Sack, Geschichte, 422f.

Zurück zum Text  296. Sack, Geschichte, 424.

Zurück zum Text  297. Sack, Geschichte, 424f.; Philippson, Geschichte I, 239f.

Zurück zum Text  298. Sack, Geschichte, 424f.; Philippson, Geschichte I, 239f.

Zurück zum Text  299. Text bei Philippson, Geschichte I, 240f.; vgl. Sack, Geschichte, 424. Ein Entwurf dieser Erwiderung von der Hand v.Woellners mit dem Datum 24.2.1790 findet sich GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1170-93, unpagn. nach der 5.Akte als Einzelblatt.

Zurück zum Text  300. Der Text findet sich abgedruckt in Acten 3, 290-93; vgl. Philippson, Geschichte I, 241.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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