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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Alle Oberkosnsistorialräte - einschließlich Silberschlag - forderten am 22.4.1790, daß das neue Lehrbuch, das anstelle des zurückgezogenen eingeführt werden solle, zuvor ihnen zur Begutachtung vorgelegt würde. Die Schrift, die nunmehr v.Woellner auswählte, ist "Die christliche Lehre im Zusammenhang", die Friedrich II. im Jahr 1763 nebst vielen anderen genehmigt hatte. V.Woellner sah sich genötigt, diese Schrift am 27.6.1790 den Oberkonsistorialräten mit dem Zugeständnis zu übersenden, daß sie "Aenderungen in Vorschlag bringen (könnten), sie sollten sich aber nicht unterstehen, in den Grundartikeln der christlichen Glaubenslehre und der lutherischen Kirche nach der augsburgischen Konfession und den symbolischen Büchern wesentliche Punkte auszustreichen."(301)

Die Begutachtung der Schrift durch die Oberkonsistorialräte ergab, daß sie diese für ebenso ungeeignet hielten wie die vorherige und eine grundlegende Überarbeitung notwendig wäre. Obgleich v.Woellner drängte, zog sich diese Überarbeitung hin. Es ist unklar, ob tatsächlich - wie Spalding in seiner Lebensbeschreibung (125) schreibt - eine überarbeitete Fassung im Februar 1791 von den Oberkonsistorialräten vorgelegt wurde, da kein Manuskript nachweisbar ist (302), vielmehr in einer Resolution vom 3.3.1791 angemerkt wurde, daß von den Oberkonsistorialräten ein versprochenes "beßeres Lehrbuch ... noch bis dato" nicht geliefert wurde.(303) Fest steht, daß v.Woellner die drei geistlichen Oberkonsistorialräte der IEK, Hermes, Woltersdorf und Silberschlag beauftragte, eine Überarbeitung vorzunehmen. (304) Dieser Auftrag muß nach dem 14.5.1791, der Berufung der IEK, und vor dem 22.11.1791, dem Tode Silberschlags, erfolgt sein. Dieses neue Buch erschien Anfang 1792 unter dem Titel "Die Christliche Glaubenslehre im Zusammenhange. Auf Allerhöchsten Befehl für die Bedürfnisse der jetzigen Zeit umgearbeitet, und zu einem allgemeinen Lehrbuch in den niedern Schulen der Preuß. Landen eingerichtet" Berlin 1792. Es war nach zeitgenössischem Urteil "eines der armseligsten Bücher in seiner Art", viel zu sehr auf Lernstoff ausgerichtet und mit einem großen Übergewicht der Dogmatik über die Sittenlehre.(305)

Wesentlich einfacher und günstiger verlief die Einführung eines allgemeinen Lehrbuches für den Unterricht in den reformierten Gemeinden.(306) Am 29.1.1790 teilte v.Dörnberg dem König mit, daß das reformierte Kirchendirektorium als Katechismus nach wie vor den Heidelberg benutzen wolle, für die Anfänger solle der Auszug des Breslauer Theologen Hering eingeführt werden. Schon am nächsten Tag erging eine entsprechende Kabinettsorder an v.Dörnberg und am 5.2.1790 fertigte v.Dörnberg diesen Befehl an alle reformierten Prediger aus.(307)

Die Auseinandersetzung um die Einführung des lutherischen Landeskatechismus hatte gezeigt, daß die absolutistische Herrschaftsauffassung in Religionsangelegenheiten nicht mit den dafür zuständigen Behörden und Einrichtungen umgesetzt werden konnte. Diese hatten vielmehr ihre liberalere Haltung dagegengesetzt und die absolutistische Macht beschnitten, wie die Einwände der Oberkonsistorialräte, aber auch die der halberstädter Stände zeigten. Wie sehr sie dabei von einem aufgeklärten liberalen Justizwesen unterstützt wurden, zeigte die Auseinandersetzung um Zöllners Druckerlaubnis für eine Schrift, die eine Einführung eines Landeskatechismus für überflüssig und schädlich erklärte.(308) Im Dekret vom 5.5.1791 erklärte das Kammergericht, daß Zöllner mit Recht die Druckerlaubnis dieser Schrift gegeben habe, da es ihr Ziel sei, eine schlechte Begründung für die Einführung aufzudecken. "Wenn es daher auch richtig wäre, daß die Einführung eines allgemeinen Landeskatechismus von der Regierung beschlossen, und dieser Beschluß dem Censor bekannt gewesen wäre; so könnte doch die Widerlegung falscher und schwacher Gründe, welche dafür streiten sollen, nicht als ein Hinderniß dieses Vorhabens betrachtet werden. Ja, selbst alsdann, wenn Gründe dafür angeführt werden könnten, würde doch die Regierung vernünftiger Weise nichts mehr wünschen müssen, als daß, vor der wirklichen Ausführung ihres Vorhabens, die Gründe für und wider dasselbe in ihrer ganzen Stärke gezeigt werden möchten. Beklagter hätte sogar die der Regierung schuldige Ehrfurcht verletzt, wenn er angenommen hätte, sie wolle lieber den einmal gefaßten Vorsatz blindlings befolgen, als bessrn Gründen Gehör geben. Wenn jemals über Gesetz und öffentliche Anstalten mit Nutzen geschrieben werden kann, so ist es gewiß zu der Zeit, da sie eben entworfen werden."(309)

Es ist also im Zusammenhang der theologischen Aufklärung, daß sich die Überzeugung durchsetzte, daß dem gebildeten Untertan ein Urteil über Gesetzesvorhaben der Regierung zustand. Da diese Überzeugung von den meisten Mitglieder der geistlichen Führungsschicht geteilt wurde, mußte sich v.Woellner mit der IEK ein neues Organ schaffen, um seine Absichten durchzusetzen.

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Zurück zum Text  301. Zitat bei Sack, Geschichte, 425; vgl. Philippson, Geschichte I, 242.

Zurück zum Text  302. S. Sack, Geschichte, 426.

Zurück zum Text  303. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 71.

Zurück zum Text  304. Henke, Beurteilung, 540; Sack, Geschichte, 426; Philippson, Geschichte I, 242f.

Zurück zum Text  305. Henke, Beurteilung, 535.

Zurück zum Text  306. S. Sack, Geschichte, 427; Schwartz, Kulturkampf, 158f.; Philippson, Geschichte I, 242.

Zurück zum Text  307. NCCPB 8, 2883-86.

Zurück zum Text  308. S. zu diesem Streit die Akten im GStA Berlin X HA Rep 40 1926, 72ff.; vgl. Kapp, Aktenstücke, 145f.; Acten 3, 424-451; Henke, Beurteilung, 525-534; Preuß, Beurtheilung, 66f.; Hoffmann, Hermes, 54f.

Zurück zum Text  309. GStA Berlin X HA Rep 40 1926, 87ff.; abgedruckt bei Henke, Beurteilung, 530f.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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