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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


4.3 Examensschema

Das RE fordert, "daß die Besetzung der Pfarren sowohl, als auch der Lehrstühle der Gottesgelahrtheit auf Unsern Universitäten, nicht minder der Schul-Aemter durch solche Subjecte geschehe, an deren innern Überzeugung von dem, was sie öffentlich lehren sollen, man nicht zu zweifeln Ursach habe" ( 10). Und auch Sack hatte in seinem "Pro Memoria" vom 26.8.1788 als "Therapie" für die eingerissenen Mißstände in Kirche und Gesellschaft vorgeschlagen, neben der Einführung eines allgemeinen Katechismus strenger auf die "Gottes-Furcht und Christliche Sitten" der Kandidaten für ein Predigtamt zu achten (14).

Allerdings war das Interesse an einer Veränderung der theologischen Examina, wie es im RE zum Ausdruck kam, von dem in Sacks Forderung ganz verschieden. Das RE wollte Vertretern einer bestimmten Theologie zur Herrschaft verhelfen, indem es Andersdenkende bei den theologischen Prüfungen aussortierte. Sack wollte demgegenüber ganz allgemein die schlechte Ausbildung der Pfarrer verbessert wissen. War die eine Absicht reaktionär, so war die andere progressiv auf Verbesserung gerichtet.

In der Tat hat es schon lange Klagen über den Zustand der Pfarrerschaft gegeben.(310) Obgleich dieser schlechte Zustand weniger durch die schlechten Prüfungen bedingt war, als vielmehr dadurch, daß immer wieder Kandidaten ganz ohne Examen von einem Patron, der das kirchliche Patronatsrecht besaß, eingestellt wurden, meistens aus Dankbarkeit für jahrelange Dienste als Hauslehrer. Häufig gelangte auch ein Kandidat über eine Hilfspredigertätigkeit, die er ohne Examen bekommen hatte, ins Pfarramt.(311) Deshalb ergingen immer wieder Ermahnungen, daß zum einen die Studenten bald nach dem Verlassen der Universität sich zum ersten Mal und vor Antritt einer Stelle zum zweiten Mal prüfen lassen sollten, und zum anderen niemand einen Kandidaten ohne Predigterlaubnis anstellen dürfte.(312)

Aber auch die Prüfungen selbst wurden zunehmend als problematisch empfunden. Die älteren Kirchenordnungen gaben nur sehr allgemeine Umrisse. Erst sehr allmählich wurden festere Prüfungsordnungen eingeführt.(313) 1753 hatte das neu eingerichtete Oberkonsistorium sich Prüfungsordnungen aus Großbritannien/Kur-Hannover und Dänemark/Norwegen kommen und übersetzen lassen, um dann einen eigenen Entwurf zu erstellen.(314) Eine erste "Instruction" zur Prüfung "pro licentia concionandi" erfolgte am 19.11.1761.(315) Diese Prüfung für die Predigterlaubnis mußte - wie schon früher verordnet, insbesondere auch in der Instruktion für das Oberkonsistorium 13 n:2 von 1750(316) - der Prüfung zum Predigtamt vorausgehen.(317) Die Zulassung zur Prüfung für die Predigterlaubnis setzte ein akademisches Zeugnis, den Nachweis, mindestens zwei Jahre in Preußen studiert zu haben, und ein Führungszeugnis der Universität voraus.(318) Der zuständige Inspektor hatte von den Kandidaten eine Liste zu führen, in der ihr Lebenswandel festgehalten wurde. (319) Um ein Pfarramt zu übernehmen, bedurfte es einer weiteren Prüfung - des Examens pro ministerio.

Der Entwurf einer Prüfungsordnung für das Pfarramt stammte von 1770. (320) Friedrich d.Gr. forderte am 21.10.1784 - auf Bitte Tellers - alle Provinzialkonsistoria auf, ausführlich zu berichten, "wie bey den Examina der Candidaten zum Predigt-Amt ... bisher von Euren Collegio verfahren N_321_">(321) Durch die Antworten(322) läßt sich ein recht genaues Bild der Prüfungen zu diesem Zeitpunkt erstellen. Danach wurde jedem Kandidaten ein Text für eine Predigt und ein damit zusammenhängendes Thema zur schriftlichen Ausarbeitung benannt; Außerdem hatte er einen ausführlichen Lebenslauf mit Angabe seiner Studien und gelesenen Bücher einzureichen und anzugeben, wie er zu dem Ruf auf die Stelle, weswegen er sich prüfen lasse, erhalten habe; Weiterhin mußte er eine Probepredigt vor dem Konsistorialrat halten, der den Predigttext aufgegeben hatte, und vor dem Rat der Kirche, in der diese Predigt gehalten wurde; Das eigentliche Examen erfolgte dann über beliebige Stoffe aus Dogmatik, Exegese, Ethik, Polemik und Pastoraltheologie, wobei dieses Gespräch in der Regel in lateinischer Sprache geführt wurde, es sei denn, dieses fiele dem Kandidaten zu schwer. Von der Prüfung wurde ein gemeinschaftliches Protokoll angefertigt, das dann zur Ordination dem Oberkonsistorium vorgelegt wurde.

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Zurück zum Text  310. S. Krolzik, Geistlichkeit, 514-18; ders., Klerus, 523f.525f.; s. auch Johann Sigismund Baumgartens und August Friedrich Wilhelm Sacks Vorschläge vom 8.11.1758 zum Ausschluß übelbeläumdeter Personen vom Pfarramt durch "Conduitenlisten", die die Inspektoren über die Kandidaten führen sollen und dem Oberkonsistorium mitteilen sollen; GStA Berlin X HA Rep 40 1790, 78-81. S. zu frühen Konduitenlisten Dorn, Bureaucracy II, 92 A90.

Zurück zum Text  311. Ein besonderes Problem bedeutete die Tatsache, daß auf Inspektorenstellen die häufig nach zweifelhaften Gesichtspunkten ausgewählten Feldprediger vorzugsweise berufen wurden; s. dazu weiter unten.

Zurück zum Text  312. S. die Ausführungen von Baumgarten vom 8.11.1758 und von Sack vom 21.11.1758, GStA Berlin X HA Rep 40 1790, 78-81; das Cirkular vom 1.10.1761: Archiv St. Marien Berlin Insp.Gen. A Nr.5; So schon die Instruktion für das Oberkonsistorium 13 n:2, Mylius, Corpus IV, 291; s. auch v.Münchhausens Erinnerung vom 12.3.1767 an das Circular vom 1.10.1761, GStA Berlin X HA Rep 40 1789, 119; eine weitere Erinnerung vom 17.3.1774, GStA Berlin X HA Rep 40 1789, 145; vgl. auch die Meldung eines Verstoßes an den König und den entsprechenden Vorgang, GStA Berlin X HA Rep 40 1789, 137-141.

Zurück zum Text  313. S. Jacobson, Kirchenrecht 1, 342.

Zurück zum Text  314. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 15-23 deutsche Übersetzung der "Königlich Großbrittannische und Chur=Hannoverische Verordnung die Studiosos und Candidatos Theologiae betreffen"; 24-26 deutsche Übersetzung der "Königl. Verordnung die Testimonia betreffend, so die Professores Theologiae auf der Universität zu Copenhagen imgleichen die Bischöfe in ganz Dänemark und Norwegen von der Gelehrsamkeit, Leben und Wandel derjenigen so zu den erledigten Prediger=Stellen wollen befördert werden, jährlich in die dänische Cantzeley einzuschicken haben."

Zurück zum Text  315. Archiv St.Marien Berlin Insp.Gen. A Nr. 5.

Zurück zum Text  316. Mylius, Corpus IV, 291.

Zurück zum Text  317. Vgl. GStA Berlin X HA Rep 1789, 119, dort ein Verweis auf das Circular vom 1.10.1761.

Zurück zum Text  318. Vgl. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 27-30 Entwurf einer "Instruction für die Candidatos Theologiae wenn sie von der Universität abziehen"; GStA Berlin X HA Rep 40 1790, 78-80; GStA Berlin X HA Rep 40 1790, 81; GStA Berlin X HA Rep 40 1774, 131.

Zurück zum Text  319. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 27-30.

Zurück zum Text  320. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 31-35; ein früherer sehr knapper Entwurf stammt vom 14.9.1758, GStA Berlin X HA Rep 40 1790, 77.

Zurück zum Text  321. GStA Berlin X HA Rep 40 1796, 2; Tellers Brief auf Blatt 1.

Zurück zum Text  322. GStA Berlin X HA Rep 40 1796, 3-39.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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