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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Auf dem Hintergrund der Ergebnisse dieser Umfrage hatte Teller am 22.10.1787 - also noch vor dem Erscheinen des RE"s - einen Vorschlag für die Prüfung zum Predigtamt gemacht.(323) Für Teller war die Hauptabsicht eines solchen Tentamens und Examens - wie er ein Jahr später am 17.10.1788 schrieb (324) -, "sich zu versichern, was ein Jeder weis, wie er es weis, ob er und was gemäs Gedächtnis gelernt oder schon durch eigenes Nachdenken sich die zu einer nützlichen Amtsführung nöthigen Einsichten erworben hat, und welche Uebungfähigkeiten er besitzt, sich allenfalls durch eigenen Fleis weiter zu helfen." Teller wollte erforschen, ob der Kandidat theologische Gegenstände "gründlich gefaßt" hätte. Und so wollte er bei seinen Fragen die Antworten des Kandidaten aufnehmen und ihm keinesfalls seine eigene Meinung aufdrängen, "es müßte dann seyn, daß des Candidaten Urtheile ganz unrichtig wäre".

Zöllner legte am 21.4.1789 Entwürfe sowohl für eine allgemeine Verordnung über die Examina pro licentia concionandi als auch pro Ministerio vor, in denen er die Ergebnisse der Umfrage von 1784, ältere Verordnungen und frühere Vorschläge von Mitgliedern des Oberkonsistoriums aufnahm.(325)

Für die reformierten Inspektionen gab v.Dörnberg am 31.3.1790 vier Hauptprüfungsgegenstände für die Examina pro ministerio an: 1. Sprachkenntnisse; 2. Wissenschaftliche Kenntnisse; 3. Gaben und Fähigkeiten; 4. Charakter und Lebenswandel. (326) Wobei er zum letzten Punkt ausführte, daß es nicht um eine "nähere" Prüfung ginge, sondern nur um Bericht über das, was dem Prüfer "glaubwürdig bekannt" geworden war. Am 29.4.1790 verwies v.Dörnberg noch einmal darauf, daß zwei Prüfungen festgelegt seien.(327)

Die verschiedenen Versuche, eine Examensordnung zu entwerfen, die die von vielen beobachteten Mißstände bei der Ausbildung und Zulassung zum Pfarramt beheben könnte, fanden ein abruptes Ende durch die Verordnung eines Examensschema mit Kabinettsorder vom 9.12.1790.(328) Dieses "Schema examinis candidatorum"(329) war mit hoher Wahrscheinlichkeit von Hermes noch in Breslau verfaßt worden.(330)diente - wie die Kabinettsorder ausführte - der Umsetzung des REs 10, indem "alle neu angehende Prediger hauptsächlich geprüft werden, ob sie, ausser den übrigen theologischen Kenntnissen, vornehmlich in der Dogmatik der christlichen Religion fest gegründet sind." Entsprechend enthielt das Schema nur dogmatische Prüfungsinhalte. Es handelte von der Person und dem Werk Christi, von der Sünde und dem Gebrauch, der von dem gemacht werden muß, was unser Erlöser zur Wiederherstellung unseres Heils geleistet hat, in der Buße, dem Glauben und der Heiligung. Mit der Betonung der satisfactio vicaria (II.2.b), die in der Neologie der siebziger Jahre völlig beseitigt war(331), des Wunderglaubens (II.1.b), der Erbsünde (III.2) und poenitentia (IV.b) besaß dieses Examensschema durchaus altprotestantischen Charakter(332), auch wenn ein eigenständiger Abschnitt zur Rechtfertigungslehre und zum Abendmahl fehlte. Die Rechtfertigungslehre war im Abschnitt über die Erlösung und poenitentia mit angesprochen und die Abendmahlslehre wurde weggelassen, da sie nur die interkonfessionelle Polemik beleben würde. Betont sind die Lehrstücke, die für das Gegenüber zur neologischen Theologie von Bedeutung sind. Entsprechend knapp (sanctificatio) oder gar nicht (Unsterblichkeit) sind die Lehrstücke im Examensschema angesprochen, die für die neologische Theologie so bedeutungsvoll waren. Am Schluß heißt es dann: "Satis ex his omnibus intelligi poterit, utrum candidatus sit ad ministerium Sacrum manuum impositione cooptandus, an arcendus ab eodem, donec biblia volvendo meliora sit edoctus."

Es ist jedoch sehr fraglich, ob das Schema genau dies leisten konnte, da bei der Abfragung der vorgegebenen Lehraussagen kaum die Einstellung des Kandidaten deutlich wurde, auch wenn der Prüfer immer wieder aufgefordert wurde, diese zu erfragen.

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Zurück zum Text  323. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 38f.

Zurück zum Text  324. GStA Berlin X HA Rep 40 1808, 1f.; Untersteichungen finden sich im Original.

Zurück zum Text  325. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 47-52.

Zurück zum Text  326. LHA Magdeburg Rep A 12 Gener Nr. 2857, 8.

Zurück zum Text  327. LHA Magd. Rep A12 Gen 2854, 1.

Zurück zum Text  328. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 61; GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 4. Akte; Druck in Acten 3, 342-44, dort fälschlicherweise auf den 19.12.1790 datiert; Sack, Geschichte, 429.

Zurück zum Text  329. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 75-82; Druck: GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 4. Akte; Sack, Geschichte, 430-37; dt. Übersetzung in: Neueste Religionsbegebenheiten 14, 1791, 141f.; Schwartz, Kulturkampf, 190-92, bringt einige kurze Auszüge; Zusammenfassungen des Inhalts in Acten 3, 347-49; Henke, Beurteilung, 458-467; Hoffmann, Hermes, 58-60; Philippson, Geschichte I, 322-24.

Zurück zum Text  330. Gieseler, Kirchengeschichte, 236; Hoffmann, Hermes, 54.60; Grünhagen, Kampf, 19; Henke, Beurteilung, 454 erwägt eine Mitverfasserschaft von Silberschlag, Woltersdorf und Hillmer, die weiteren Mitglieder der späteren IEK, S.455 spricht er sogar von der IEK als Verfasser; dies kann allerdings kaum stimmen, da Hermes noch in Breslau war und es die IEK noch nicht gab.

Zurück zum Text  331. Aner, Theologie, 285-90. 302-4.

Zurück zum Text  332. Gegen Henke, Beurteilung, 462f.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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