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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Auf den Widerspruch zwischen Prüfungsinhalt und Absicht verwies Teller, der sich mit seinen "Besorgnissen und Bedenklichkeiten" am 6.1.1791 als erster an den Minister v.Woellner wandte.(333) Nachdem er zunächst seine Besorgnisse wegen des Umfangs der Prüfungsfragen und der Möglichkeit, die vorgegebenen Antworten auswendig zu lernen, benannte und seine "geringern Bedenklichkeiten" bezüglich der "Unrichtigkeiten in Gedanken und Ausdrükken oder Unbestimtheiten dieser" vorgetragen hatte(334), stellte er als "größere Bedenklichkeiten heraus", "daß der Wille des Königs nicht genau genug befolgt; und er, gegen die höchste Absicht überschritten worden, und er endlich auch gar der Willkür des Verfaßers unterworfen und durch überspannte Forderungen entehret worden.

1) ist der Wille des Königs nicht genau und völlig befolgt worden. Es sollten doch die Hauptstücke der evangelischen Lehre nach der Augsburgischen Confession und deren Apologie zur Prüfung ausgesezt werden. da fehlt nun aber nach dem loco, de poenitentia et fide der ganze Artikel de justificatione, die Angel, daß ich so sage um welche sich die ganze Reformation herumdreht und welchen die Reformatoren einstimmig und in allen ihren Schriften pręcipuum, primarium nannten. Für mich bin ich gewiß, als ein[nicht lesbar] Theologe, auch der toleranteste. Ich sage also das, was ich hier sage, nur ex hypothesi, nach welcher dere König die symbolische Lehre in seinen Staaten will aufrecht erhalten wißen. So hätte ja dieser Gemein-ort nicht und am wenigsten übergangen werden müßen, ...

2) Das Schema ist gradezu wider den Willen des Königs und gegen die höchste Absicht abgefaßt; denn fast durchaus stößt man auf Privatmeinungen, oder Auslegungen der Verfaßer, worüber ich alle theologische Facultäten urtheilen laße. Und das ist geschehen von einem mit dem königl.Zutrauen begnadigten Schriftsteller, da gleichwohl die ausdrükliche königl.Erklärung ist, daß keine Privatmeinungen dem Volke sollen aufgedrungen werden? ...

3. in der überspanten Forderung, durch welche die Willensmeinung eines gütigen und gerechten Monarchen entehrt wird - de qua re - qui candidatus vere sentiat acque ac secum constituerit satis certi fiat oportet. Es möchte sein, wenn es hieße quid cognoverit et docere valent, ungeachtet auch das schon unendlich schwer ist, weil es auch nur [nicht lesbar] auf den Flug ins Gedächtniß gefastes Erkentniß sein kann. Aber vollends deßen gewiß versichert zu sein, wie er wirklich meine, was er bey sich darüber [nicht lesbar] wer vermag das? Wer wird es von einem Examinator, wenn er ihn auch zum Inquisitor erklärte, verlangen?"

Angesichts dieser Besorgnisse und Bedenklichkeiten bat Teller, von den Prüfungen befreit zu werden, zumal er als ältester Prüfer den Prüfling, der bestanden hatte, fragen müßte: "Ob er nach dieser Erkenntnis die Religion zu lehren verspreche?" Diese Frage gewinnt aber auf dem Hintergrund des Schemas eine ganz andere Bedeutung. Hatte der König, als er befahl, diese Frage zu stellen, damit gemeint, "daß diese Lehre rein symbolisch sei" und insofern diese Frage identisch wäre mit der "ob sie nach dem Inhalt der Bekentnißbücher der evangelischen Kirche lehren wolten?"

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Zurück zum Text  333. GStA Berlin X HA Rep 40 1808, 5-8; Schwartz, Kulturkampf, 192, datiert dieses Schreiben falsch; vgl. Philippson, Geschichte I, 324.

Zurück zum Text  334. Henke, Beurteilung, 458 spricht von "Kapuciner Latein".

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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