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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


"Da nun aber das Schema, wie ich gezeigt habe, theils einen der wichtigsten Artikel ganz ausläßt, theils willkürliche, auch falsche Zusätze eines Privatschriftstellers enthält: so wird es zu einem neuen eigenem symbolischen Buche der evangelischen Kirche in den königl.Staaten und die Verpflichtung dazu eine neue, Lehrern und Gemeinen aufgelegte, zwingende Vorschrift, wozu am wenigsten ich die Hand, im eigentlichsten Verstande, bieten möchte. (Dieser Schluß bezieht sich darauf, daß ich als älteste Examinator mir auf jenes Versprechen den Handschlag würde haben geben laßen müßen.)"

Als Teller noch einmal am 10.1.1791 bei der Übersendung seiner Schhrift um Dispens von den Prüfungen bat(335), wurde dieses Ersuchen am 12.1.1791 durch v.Woellner scharf zurückgewiesen(336).

Noch am selben Tag nahm Spalding zu dem Schema Stellung (337) und stellte seine Unbrauchbarkeit heraus, weil durch die vorgegebenen Antworten es auch unkundigen Kandidaten leicht gemacht würde, die Prüfung zu bestehen, indem sie die Antworten auswendig lernten, und außerdem der Kandidat gar nicht geprüft würde, ob er die christlichen Inhalte angemessen vermitteln könne. Die Tatsache, daß die Oberkonsistorialräte zu dem Schema nicht einmal befragt wurden, ließ Spalding fragen, ob die geistlichen Räte nicht überflüssig sein, da ja andere ihre Arbeit übernommen hätten.

Die geistlichen Oberkonsistorialräte hoben in ihrem Widerspruch vom 7.2.1791, dem sie Spaldings Stellungnahme beifügten, ebensfalls hervor, daß es aufgrund der Instruktion für das Oberkonsistorium(338) und ihrer Berufungsurkunden zu ihren wesentlichen Aufgaben und Pflichten gehörte, solch ein Examensschema zu entwerfen.(339) Silberschlag hatte diese Eingabe nicht unterschrieben.

In dem wohl von Woellner verfaßten und von ihm unterschriebenen Hofreskript vom 18.2.1791(340) wurde auf die früheren Einwendungen der Oberkonsistorialräte gegen das RE und den Landeskatechismus hingewiesen, so daß solche Reaktionen drohten, zur Gewohnheit zu werden. Dem müßte ein Riegel vorgeschoben werden, notfalls müßten die Oberräte ausgetauscht werden. Darauf reagierten die Oberkonsistorialräte am 26.2.1791 und wiederholten ihre Forderung auf Abhilfe der am Schema bemängelten Punkte.(341) Dabei versäumten sie nicht, auf den Erfolg ihrer Einwände bei der verordneten Einführung des Landeskatechismus hinzuweisen. Auf königlichen Befehl beantwortete v.Woellner dieses Schreiben am 3.3.1791 mit äußerster Schärfe, indem er ihnen vorwarf nur zu kritisieren, aber keinen Beitrag zur Beseitigung der Mißstände zu leisten, wie der noch immer ausstehende Etnwurf eines allgemeinen Katechismus zeigte.(342) Es blieb bei dem Bescheid, "Daß jeder geistliche Ober-Consistorialrath und jeder andere Examinator, der nach diesem schemate nicht examinieren will, ganz unfehlbar ab officio removirt werden wird."

Hierauf wandten sich die Oberkonsistorialräte am 17.3.1791 direkt an den König und beschwerten sich über den Minister und dessen Bewertung ihrer Haltung und ihres Vorgehens als "halsstarrige Widerspenstigkeit".(343) Sie stellten heraus, daß sie vielmehr ihren Aufgaben und Pflichten nachgekommen sind, so wie sie der König beabsichtigt hatte. Um dies zu klären, baten sie den König, eine Untersuchung "durch den gesamten hohen Staatsrath oder auch das hohe Justizdepartement" zu veranlassen. Damit nahmen sie für sich in Anspruch, was seit dem Edikt vom 16.5.1760 jedem Pfarrer zustand, daß nämlich eine Amtsenthebung nur vom Justizdepartement vorgenommen werden durfte.(344) Dies ließ eine Unabhängigkeit des Urteils erwarten, so daß die Oberkonsistorialräte von den aufgeklärten liberalen Juristen ein anderes Urteil über ihre Einsprüche erwarten durften als das von v.Woellner gefällte.(345) Das Dekret des Kammergerichts vom 5.5.1791 bezüglich der Zensur durch Zöllner sollte ihre Erwartung bestätigen.(346)

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Zurück zum Text  335. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 5.Akte; vgl. Philippson, Geschichte I, 324.

Zurück zum Text  336. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 5.Akte; vgl. Philippson, Geschichte I, 324.

Zurück zum Text  337. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 5.Akte; gedruckt bei Sack, Geschichte, 440-43.

Zurück zum Text  338. Mylius, Corpus IV, 291.

Zurück zum Text  339. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4, 1770-93, 5.Akte; gedruckt bei Sack, Geschichte, 439f.

Zurück zum Text  340. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4, 1770-93, 5.Akte; gedruckt bei Sack, Geschichte, 443f.

Zurück zum Text  341. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 72; gedruckt bei Sack, Geschichte, 444-446.

Zurück zum Text  342. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 71; gedruckt bei Sack, Geschichte, 446f.

Zurück zum Text  343. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 5.Akte; gedruckt bei Sack, Geschichte, 447-50.

Zurück zum Text  344. S. zu der sich entwickelnden Unabhängigkeit der Gerichte im 18.Jh. Stölzel, Svarez, 327ff.; Foerster, Enstehung, 56ff.

Zurück zum Text  345. Zum liberalen Justizdepartement und Kammergericht s. Stamm-Kuhlmann, König, 55ff.

Zurück zum Text  346. S. oben 4.2, am Ende.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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