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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Vielleicht erwartete der König ein solches anders lautende Urteil und lehnte jegliches Prozessieren ab. Er forderte vielmehr am 27.3.1791 den Minister auf, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen, damit er dann die Oberkonsistorialräte selbst bescheiden könne.(347) Er teilte dies unter dem gleichen Datum den Oberkonsistorialräten mit.(348)

Ebenfalls unter dem 27.3.1791 erging ein königliches Reskript an das Oberkonsistorium(349), das der Minister gegengezeichnet hatte. Dieses betonte zwar noch einmal, daß die Verfügung vom 9.12.1790 weiterhin gelte, verwies aber auf einer verbesserte Fassung des Examensschemas(350) und gab dem Schema eine neue Deutung: "Insofern inzwischen die Absicht sothaner Vorschrift bloß dahin gerichtet ist, denen Examinatoren einen Fingerzeig zu geben, und die Grundlinien vorzuzeichnen wornach die Prüfung der Candidaten bey dem öffentlichen Examine in Unseren Consistoriis gleichförmig geschehen soll, würde, wenn dagegen es darauf ankäme, dieses Schema wörtlich von Anfang bis zu Ende durchzufragen, solches auf der einen Seite eine sehr armseelige Geschicklichkeit des Examinatoris verrathen, andererseits aber auch den Stupidesten und nur mit einem guten Gedächtniß versehenen Candidaten jederzeit durchhelfen.

Daß dieses die Meinung nicht sey, sondern, Wir einem jeden Examina[Rand weggebrochen] wenn er nur in Ansehung des Gegenstandes nicht von der gegebenen Vorschrift abweicht, die völlige Freiheit laßen, seinem Idéen=Gang und die Einrichtung seiner Fragen, zu ordnen, wie er will, solches versteht sich zwar von selbst, jedoch haben Wir, Uns darüber näher hierm[Rand weggebrochen] zu erklären, und Euch darauf aufmerksam zu machen, gnädigst gut gefunden, und ist zugleich Unser Wille, daß die übrigen theologischen Wißenschaften, worin ein Candidat geprüft zu werden pflegt, von dem Examinatore in dem vorhergehenden Tentamine vorgenommen werden solten."

Damit hatte der Widerstand der Oberkonsistorialräte bewirkt, daß die ursprüngliche Anweisung zur Empfehlung abgemildert wurde. Trotz königlicher Unterstützung mußte v.Woellner erkennen, daß er gegen die Räte nichts in Religionsangelegenheiten bewerkstelligen konnte.

Auf diesem Hintergrund ist auch die Schärfe, mit der v.Woellner am 28.3.1791 zu den Anschuldigungen der Räte Stellung nimmt, durchaus verständlich. (351) Sehr ausführlich schildert v.Woellner wie die Räte sich zuerst gegen das RE, dann gegen den Landeskatechismus und nun schließlich gegen das Examensschema (das Zensuredikt wird nicht erwähnt, weil v.Woellner es nicht aus dem RE ableitet) widersetzten. Nun nach drei Jahren "halsstarriger Widersetzlickeit" habe er ihnen - nicht zuletzt auf königliches Drängen zur Strenge - mit "Remotion" gedroht. Entgegen der Klage der Räte, daß er - v.Woellner - sie einer halsstarrigen Widersetzlichkeit gegen jede gute Sache bezichtigt habe, hält v.Woellner, daß er ihnen dies nur gegenüber den guten Sachen vorgeworfen habe, die zur Abhilfe der aufklärerischen Irrtümer angeordnet waren. Wenn also die Räte sich durch ihn gekränkt und herabgewürdigt fühlen, dann sei das eine Verkehrung der tatsächlichen Verhältnisse, denn vielmehr sei er, der doch nur königliche Befehle ausgerichtet habe, von den Räten beleidigt worden. Dies gelte nicht nur für die falsche Anklage, sondern besonders für das Begehren "die Sache durch den Staatsrath oder das Justizdepartement untersuchen zu lassen.

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Zurück zum Text  347. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, (in der Akte nach der blauen, Blatt 2).

Zurück zum Text  348. Abgedruckt bei Sack, Geschichte, 450.

Zurück zum Text  349. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 74; gedruckt in Acten 3, 345-47; Sack, Geschichte, 454f.

Zurück zum Text  350. Einen Vergleich der verbesserten Ausgabe mit der ursprünglichen liefert teilweise Henke, Beurteilung, 456f.; nach Hoffmann, Hermes, 60 hat Silberschlag den Text überarbeitet.

Zurück zum Text  351. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 5.Akte; gedruckt bei Sack, Geschichte, 450-52.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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