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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Wie? Ich soll deshalb, weil ich die gedruckten, geschriebenen und mündlichen Befehle meines Königs und Herrn getreulich ausrichte, als ein angeklagter Verbrecher vor den Gerichtshöfen erscheinen? Ich soll mich als Departements-Chef mit meinen untergeordneten Räthen vor den Staatsrath stellen, um einen Ausdruck in meinen Rescripten zu verantworten, den sie misdeuten? Wie würden Ew.Kön.Majestät wol ein Corps Officiers behandeln, welches sich gegen seinen Regimentschef also aufführte, daß es gegen alle Befehle, die dieser nach seiner ausdrücklichen Instruction geben müsste, nicht nur beständig raisonnirte, sondern ihn am Ende noch fälschlich anklagen und vor Gericht wollte ziehen lassen? Dies ist gerade mein Fall, Allergnädigster König und Herr! und mir gebührt nach dem strengsten Rechte die allergröste Satisfaction, welche ich von Ew.Königl.Majestät Gerechtigkeitsliebe auch gewiß hoffen könnte, wenn ich sie verlangte. Ich will aber meinen Anklägern ein Exempel der Mäßigung und christlichen Sanftmuth dadurch geben, daß ich Allerhöchstdieselben bitte,

die Sache nicht so hoch aufzunehmen, als sie ihrer Natur nach, und dem Verhältniß, in welchem ich mit meinen Anklägern stehe, eigentlich genommen werden müsste; sondern es wird mir genug sein, wenn sie Besserung versprechen." (352)

Der auf diesen Bericht am 31.3.1791 ergehende königliche Bescheid an die Räte, der sie auf die Absicht hinter der von ihnen bemängelten Verordnung verweist und sie zur Unterordnung unter den Minister ermahnt, da er königliche Befehle weitergibt, (353) erscheint wenig überzeugend, da die Räte sich wie schon bei der Einführung des Landeskatechismus der Anordnung erfolgreich widersetzt haben.

Angesichts dieser Situation sehen sich der König und v.Woellner gezwungen, zur Durchsetzung ihrer Maßnahmen, die der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung dienen, und bei den sehr in Veränderungen begriffenen Kirchengesellschaften, in denen jeder etwas anderes bezogen auf die Grundwahrheiten der christlichen Religion lehrt, so daß besonders in den "unteren Volksklassen" fürchterliche Zerrüttungen und Unruhen entstehen, die Räte daran zu erinnern, daß sie "dem Minister subordiniert, keineswegs aber ihm an die Seite gesetzt" sind.(354) Hieran wird noch einmal deutlich, wie wenig der König bereit war, der Kirchenbehörde eine Eigenständigkeit zuzugestehen, so daß die Charakterisierung dieser Zeit als "kirchenloser Zustand" zutrifft.

Da der König und sein Minister nicht damit rechnen können, daß sie ihren Plan - wie der König in seinerm Schreiben vom 31.3.1791 schreibt - mit den Oberkonsistorialräten umsetzen können, beruft er neue Männer, die jegliche theologische Neuerungen ablehnten. So kam es im Mai 1791 zur Einsetzung der IEK und zur Berufung von Silberschlag, Hillmer, Woltersdorff und Hermes in diese Kommission. Da Theologen, die wie diese Männer dachten gefördert, während die neologischen zurückgedrängt werden sollten, mußten die Mitglieder der IEK immer mehr Einfluß auf die Examina erhalten.

Eine erste wichtige Veränderung brachte die Kabinettsorder vom 31.5.1791, die anordnete, daß nunmehr auch die Feldprediger von den Landeskonsistorien zu prüfen seien und nicht mehr vom Feldpropst, der jedoch nach wie vor ordinierte. (355) Damit nahm das Konsistorium, zu dem in Berlin auch die Mitglieder der IEK gehörten, zum ersten Mal Einfluß auf die Besetzung der Feldpredigerstellen.

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Zurück zum Text  352. Hervorhebungen im Original.

Zurück zum Text  353. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, blaue Akte; gedruckt bei Sack, Geschichte, 452f.

Zurück zum Text  354. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, blaue Akte; gedruckt bei Sack, Geschichte, 453.

Zurück zum Text  355. GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 83; diese Regelung wird allerdings vom König am 3.11.1791 in seinem Änderungsvorschlag zum "Project zur Instruktion für sämtliche Consistorias" teilweise zurückgenommen, indem wegen der besonderen militärischen Notwendigkeiten nach der Glaubensprüfung durch die IEK wieder der Feldpropst prüfen soll.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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