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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Am 31.8.1791 erging die Instruktion für die Königliche Examinationskommission(356), die nicht nur aus der Kabinettsorder vom 14.5.1791 wiederholte, daß eine Glaubensprüfung durch die geistlichen Räten der Kommission, jedem "gewöhnl. Tentamine und Examine" vorauszugehen habe (I.6), und wenigstens zwei von den geistlichen Räten an jedem Examen durch das Konsistorium teilnehmen sollten (I.7), sondern ordnete auch an, daß die Kommission zwei Listen zu führen habe: "In der ersten Liste werden alle gute Prediger u.Schullehrer nach ihrer Rechtschaffenheit, Geschiklichkeit, Verdiensten, und vornemlich nach ihrer Orthodoxie und Anhänglichkeit an der alten, reinen christlichen GlaubensLehre aufgeführt, und zwar zu dem Endzweck, daß aus dieser List diejenigen Subjekte erwählet werden, mit welchen wichtigere Lehrstellen in Kirchen und Schulen künftig zu besetzen sind.

In der 2ten Liste kommen vorzüglich alle Neologen, u.die ganze Rotte der sogenannten Aufklärer unter den Predigern und Schullehrern, desgleichen alle diejenigen, deren Lebenswandel anbrüchig und nicht rechter Art ist; um auf die ersteren ein wachsames Auge zu haben, daß sie ihre neologische Irrthümer nicht weiter ausbreiten, die leztern aber in Absicht der Verdorbenheit ihrer Sitten, nach denen in der Consistorial-Ordnung vorgeschriebenen Gradibus admonitionis zu behandeln, und bei nicht erfolgter Besserung dem Weltlichen Arm zur wohlverdienten Strafe und Cassation zu übergeben. Da das Sittenverderbniß unter den Geistlichen itzt leider schon sehr groß ist, so wird die Commission hier das meiste zu thun finden, u.muß also doppelten Fleiß anwenden, um Zucht u. Ordnung wieder herzustellen." (I.4) Für die weitere Entwicklung der Prüfungsordnungen wirkte sich aus, daß die Instruktion Hermes zusammen mit Hillmer beauftragte "alle neuen Bücher, Reglements und Vorschriften, welche in Folge nöthig u. erforderlich sein möchten" auszuarbeiten (II.2.,a,).

Hermes hat sich sogleich mit Hillmer an die Arbeit gemacht und ein "Project zur Instruction für sämtliche Consistorias in den Provinzen" zur Durchführung des REs entworfen(357), in dem in zwölf Paragraphen alles zusammengefaßt war, was zu diesem Zweck bisher verordnet worden war. N_358_">(358) Nachdem der König am 3.11.1791(359) eine Änderung bezogen auf die Prüfung der Feldprediger vorgenommen hatte, so daß diese jetzt nach der Glaubensprüfung wieder wie früher vom Feldpropst geprüft werden sollen, wurde die Instruktion mit nunmehr 14 Paragraphen am 15.11.1791 erlassen.(360) Sie bestimmte bezogen auf die Examina die weitere Gültigkeit der Prüfungsanordnung vom 9.12.1790 (2), die Notwendigkeit der Glaubensprüfung durch die neu einzurichtenden Unterkommissionen der IEK (3), die Nicht-Bevorzugung von Feldgeistlichen bei der Besetzung von Inspektorenstellen etc. (5), die Pflege von "ConduitenListen" der Kandidaten für Pfarr- und Schulamt (6), das Anlegen von Listen über Lebenswandel und Amtsführung der Inspektoren etc. (8), die Klassifikation der Pfarrstellen, um Aufstiegschancen (10), aber auch Bestrafungen (11) aufzuzeigen, die Wahrnehmung der Visitationspflicht (12) und die weitere Gültigkeit der Prüfungsordnung für die Examen pro licentia concionandi (13), wobei diese in Zukunft von den noch bei allen Konsistorien einzurichtenden "Besonderen ExaminationsCommissionen" vorgenommen werden sollten.

In der Folgezeit gab es eine Fülle von immer wieder erneuerten Ermahnungen, die Prüfungsbedingungen und - ordnungen genau einzuhalten. Am 13.3.1792 wurde dann verfügt, daß das tentamen pro licentia concionandi durch die IEK zu erfolgen hätte.(361)

Wie eine Glaubensprüfung vor der IEK aussah, und wie das examen pro ministerio im Sommer 1793 verlief, zeigt ein 1843 nachträglich aufgezeichneter Bericht. (362) Dabei wird deutlich, daß bei der Glaubensprüfung - abgesehen von der sachfremden Beurteilung nach Sympathie und der beredten Eitelkeit des Prüfers Hermes - dem Prüfling die neologischen Irrtümer vorgetragen bzw. durch spöttische Kommentare zu den Antworten des Prüflings - wie: "diese schöne Erklärung haben Sie wohl bei dem Goldmacher Herrn Semler gehört?" - darauf hingewiesen wurden. Kennzeichnend ist die positive Bewertung der Lehre Baumgartens in diesem Examen. Nach den weiteren Prüfungen durch die Mitglieder der IEK, dem Tentamen durch Teller und der Examenspredigt kam das Konstorialexamen unter der Leitung v.Woellners, bei dem besonders die Prüfung über die Erbsündenlehre und die Kirchengeschichte des 16. Jahrhunderts zu bemerken ist. Nach bestandenem Examen wurden die Kandidaten durch Teller "auf die symbolischen Bücher nicht quia, sondern quatenus" vereidigt.

Hier zeigt sich noch einmal, wie Teller sein Amt wahrnahm und die vorgeschriebene Verpflichtung auf die Symbole in seinem Sinne vornahm. Daß dies den Ärger der Mitglieder der IEK erregte, zeigt ein Schreiben vom 8.11.1793 an den König, in dem sie den schlechten Zustand der Prügfungen bemängeln, bei denen nur Nebensächlichkeiten und nicht das Examensschema gefragt werden, und die Prüfer die Fragen so stellen, daß die überkommene Lehre widerlegt erscheint.(363) Unter dem 14.11.1793 ermahnt der König das Oberkonsitorium, sich bei den Prüfungen an das Examensschema zu halten und die dort benannten Prüfungsstoffe zu behandeln. (364)

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Zurück zum Text  356. GStA Merseburg Rep 76 alt XV Nr.1, 2-5; s. zu weiteren Fundstellen und zu Einzelheiten des Inhalts oben Kap.2.

Zurück zum Text  357. Das Übersendungsschreiben an den König datiert vom 5.9.1791 und nennt Hermes und Hillmer als Verfasser, während Silberschlag nur zur Kürze gemahnt habe; GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 23.

Zurück zum Text  358. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 24-27; zum Inhalt s. die folgende Instruktion vom 15.11.1791.

Zurück zum Text  359. Das Schreiben mit dem der König die Abänderung begründet: GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 22; der Text der Abänderung: GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 28f.

Zurück zum Text  360. LHA Magdeburg Rep A 12 Nr. 2840.

Zurück zum Text  361. GStA Merseburg Rep 76 alt XV Nr. 2,15; GStA Merseburg Rep 76 alt XV Nr. 2,32; GStA Berlin X HA Rep 40 1789, 220.222; GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 87; Archiv St.Marien Berlin Insp.Gen. A Nr. 5; NCCPB 9, 877ff.

Zurück zum Text  362. Christliche Welt 15, 1901, 944ff.

Zurück zum Text  363. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 5. Akte; GStA Berlin X HA Rep 40 1791, 89.

Zurück zum Text  364. GStA Merseburg Rep 47 Tit 4 1770-93, 5. Akte.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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