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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


5 Ergebnis

Die neuere Kirchengeschichtsschreibung hat der Regierungszeit Friedrich Wilhelm II. aufgrund ihres negativen Urteils über dessen Person, Werk und Berater wenig Beachtung geschenkt. Das Bild in der neueren Profangeschichtsschreibung ist nicht wesentlich anders, da allgemein die Regierungszeit Friedrich Wilhelm II. für politisch unbedeutend gehalten wird. Die liberale Forschung des 19. Jahrhunderts hatte ein Bild Friedrich des Großen gezeichnet, das Friedrich Wilhelm II., seine Berater und deren Politik zur Karikatur werden ließ.

Diese Untersuchung hat nun gezeigt, daß zum einen die krichenpolitischen Einrichtungen Friedrich Wilhelm II. verzeichnet wurden durch ein idealisiertes Friedrichbild. So konnte an einzelnen Einrichtungen gezeigt werden, daß die Kirchenpolitik Friedrich Wilhelm II. nur Fortsetzung und Bewahrung des Zustandes vor Friedrich d.Gr. war. Da jedoch die geistliche Führungsschicht in einem Prozeß zunehmender Liberalisierung begriffen war, wirkte das Zurücklenken der Obrigkeit auf die frühere Religionspolitik starrer und fester. So gilt für Friedrich Wilhelm II. genau dasselbe, was die neueste Biographie Friedrich Wilhelm III. für alle preußischen Herrscher feststellt: Sie "waren so absolut wie nur irgendwo in Europa." (401)

An diesem Gegenüber und dessem kollegialistischer Staatsauffassung profilierte sich die Haltung der Oberkonsistorialräte. Als Staatsbeamte, die dem geistlichen Ministerium unterstellt waren, sahen sie sich zunehmend in einer Frontstellung zur Religionspolitik des Königs und zuständigen Ministeriums. Die Distanz wurde schließlich so groß, daß König und Minister sich gezwungen sahen, Parallelstrukturen in Gestalt der IEK zu schaffen, um ihre Absichten, die Aufklärung zu widerrufen, durchsetzen zu können. Wie wenig Rückhalt diese konservative Absicht der Regierung bei den Geistlichen fand, die zum großen Teil zum Bildungsbürgertum zählten, zeigt die Wirkungslosigkeit der IEK.

Während geistliches Ministerium und IEK die damaligen staatlichen Instrumente - Edikte und sonstige Verordnung und Aufsicht - nutzten, um ihre Absicht durchzusetzen, stellte die geistliche Führungsschicht auch noch nach ihrer "Entmachtung" eine Öffentlichkeit beim Bildungsbürgertum durch Zeitschriften und kleine Schriften her. So haben die Diakone der Petrikirche in Berlin, Reinbek und Troschel, als ihnen von der IEK unterstellt wurde, daß sie bei der Beichte vor der Ordination unchristliche Auffassungen verbreiteten, und sie mit ihrem Widerspruch, der eine öffentliche Richtigstellung über die Zeitung forderte, kein Gehör fanden, einfach den ganzen Vorgang am 30.4.1794 veröffentlicht. Die kleine Schrift erlebte 2 Auflagen innerhalb von acht Tagen und wurde in Henkes Archiv für die neueste Kirchengeschichte ein drittes Mal abgedruckt.(402)

Außerdem besaß die geistliche Führungsschicht über die Provinzialkonsistorien und die Ausbildung der Pfarrer einen Zugang zu den Gemeinden und konnten so ihre Überzeugungen in die Gesellschaft tragen. Die Auseinandersetzung zwischen reaktionären Überzeugungen und solchen, die auf Veränderung ausgerichtet waren, wurden nicht mehr an den Universitäten ausgetragen, sondern zwischen kirchenleitenden Gruppen und dem König mit seinem Minister. In dieser Auseinandersetzung scheuten die Geistlichen sich nicht, die Gerichte zu bemühen und dies mit häufigem Erfolg. Die Justizbehörden waren von einer Verwaltungsmodernisierung geprägt, die überwiegend von liberal eingestellten Männern des Bildungsbürgertums geprägt war.

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Zurück zum Text  401. Stamm-Kuhlmann, König, 66.

Zurück zum Text  402. S.dazu Preuß, Beurtheilung II, 771-73.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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