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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Das Wöllnerische Religionsedikt


Teller vergrößerte noch die Distanz zwischen Regierung und Geistlichkeit, indem er die Geistlichen stärker an die Gemeinden band und diesen das vormals landes-herrliche Recht zuordnete, über Rechtlehrigkeit zu entscheiden. Damit wurde die kirchenbildende, d.h. die lokalen Gemeinden verbindende Bedeutung der landes-herrlichen Kirchenpolitik nach ihrer inhaltlichen Seite infrage gestellt.

Besonders deutlich zeigte Semlers Stellung zum RE, aber auch Silberschlags Position in der ganzen Auseinandersetzung und letztlich auch v.Woellners Wirken und Handeln, daß hinter den kirchenpolitischen Haltungen nicht nur theologische Differenzen standen, sondern auch politische. Während die Verteidiger des REs durchweg "konservativ" ausgerichtet waren, gehörten die Gegner zum "liberalen" Lager.(403) Die theologischen Differenzen betrafen die Autorität geschichtlicher Bekenntnisse und die Lehrstücke von der Erlösung und Genugtuung.

Durch die hier untersuchte Auseinandersetzung wurde der Gegensatz zwischen Obrigkeit und Aufklärung stärker konturiert. Da in Deutschland die Aufklärung von Theologie und Kirche getragen wurde, ist es nicht erstaunlich, daß die Differenzierung der Aufklärung zunächst auch in Theologie und Kirche erfolgte. Die Konturen, die Aufklärungstheologie und -kirche in dieser Auseinandersetzung gewannen, waren bestimmt von der Stellung, die ihre Vertreter zwischen konservativer Religionspolitik und theologisch motivierter Kirchenmoderni-sierung einnahmen. Die Staatsgewalt empfand die progressiven Tendenzen als bedrohlich und sah sich veranlaßt, gegen sie einzuschreiten. Die dadurch entstehenden Zusammenstöße führten im Lager der auf Veränderung drängenden Vertreter wiederum zu einem immer stärker empfundenen Gegensatz zum absoluten Staat. Es war ihre Überzeugung, daß staatliche Eingriffe nur dazu dienen sollten, den Prozeß der Lehrbildung offenzuhalten, gerade nicht festzulegen. (Kontroverspredigen)

Es ist deutlich geworden, daß die IEK als Folge des REs die reaktionäre Möglichkeit dieses Ediktes, die zunächst von den Gegnern nur befürchtet war, zur Wirkung brachte. Insofern hat die entsprechende Bewertung des REs in der Forschungsliteratur durchaus ihr Recht. Auf der gesetzgeberischen Ebene war jedoch ein Fortschritt erzielt in Richtung vollkommene Gewissensfreiheit für den Einzelnen, Anerkenntnis von drei Landeskirchen und Tolerierung einiger Sekten,(404)

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Zurück zum Text  403. S. zu diesen Begriffen und ihre Anwendung auf die Bewegungen des ausgehenden 18. Jahrhunderts die Arbeiten von Valjavec, Entstehung, und Epstein, Ursprünge.

Zurück zum Text  404. So urteilt auch Rieker, Stellung, 311ff, der jedoch die Ebene der faktischen Wirkung des REs zu wenig berücksichtigt.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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