fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Dr. Rainer Hering: "...daß sie im Gefühle eigener Schuld so reagieren möchten, wie ich es von Ihnen erhoffe."


Aufgrund der für ihn als schwierig empfundenen Situation im Tropeninstitut - Übergehung bei Beförderungen 1942, Disziplinarmaßnahme 1943 (worauf im folgenden noch eingegangen wird) - beantragte Martini im August 1945 seine Pensionierung, zumal er das 65. Lebensjahr vollendet hatte.(18) Seine Lehrtätigkeit als außerplanmäßiger Professor an der Universität wollte er fortsetzen, doch wurde er im Januar 1947 in dieser Funktion entlassen.(19) Im Entnazifizierungsverfahren wurde Martini in der Berufung 1949 von der Kategorie IV ("Mitläufer") in die Kategorie V ("Unbelastete") eingestuft, da er sich "auch politisch stets anständig und zurückhaltend verhalten hat". Auswirkungen auf seinen Einspruch gegen seine Entlassung an der Universität hatte die Entscheidung nicht mehr, da er bereits im 68. Lebensjahr stand und zu diesem Zeitpunkt sowieso entpflichtet worden wäre.(20) Am 5. Dezember 1960 starb Erich Martini durch einen Unfall in Hamburg.

Otto Hecht wurde am 26. April 1900 in Ulm als Sohn des praktischen Arztes Ludwig Hecht (1866-1943) und seiner Frau Rosa, geb. Talmessinger (1870-1943), geboren.(21) Er studierte Zoologie und Chemie in München, wo er 1923 zum Dr. phil. promoviert wurde. Anschließend arbeitete er in einem Agrarversuchslabor in Landsberg, in der Chemischen Industrie in der Tschechoslowakei und bei der Hamburger Firma Tesch und Stabenow Internationale Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung. 1927 übernahm er die Stelle eines wissenschaftlichen Assistenten in der Entomologischen Abteilung des Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg. Ende Juli 1933 wurde er aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 als "Nichtarier" entlassen. Noch im September 1933 wanderte er mit seiner Frau Rose, geb. Caro (1894-1955), und den zwei 1927 und 1929 geborenen Söhnen Rudolph und Fritz nach Palästina aus, wo er bis zum Dezember 1936 an der der "Jewish Agency" gehörenden Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Rechovoth in der Entomologischen Abteilung arbeitete. Aufgrund von Finanzproblemen dieser Einrichtung arbeitete er dort das erste halbe Jahr ohne Gehalt.

Vom Januar 1937 bis zum Juni 1940 war er Forschungsstipendiat in der Abteilung für Experimentelle Pathologie der Hebräischen Universität in Jerusalem. Die finanziellen Schwierigkeiten hörten jedoch nicht auf: Hechts Einkommen in dieser Zeit lag etwa bei der Hälfte seines Gehalts als Assistent in Hamburg. Ein 1939 geplanter Wechsel nach England kam durch den Zweiten Weltkrieg nicht zustande. 1940 erhielt er - vermittelt durch einen Schüler - eine Einladung der Regierung von Venezuela, um dort ab dem 1. Juli als medizinischer Entomologe zu arbeiten. Durch den Kriegseintritt Italiens war die Reise über das Mittelmeer nicht mehr möglich, so daß die Familie mit den beiden Kindern eine monatelange und strapaziöse Reise durch die Syrische Wüste, Bagdad, quer durch Indien, über den pazifischen Ozean und durch die USA zurücklegen mußte und erst Ende Oktober in Caracas eintraf.(22) Trotz der Geldknappheit engagierte sich Otto Hecht sehr, um seinen Kindern möglichst viele Sehenswürdigkeiten auf diesem Weg zu zeigen und landeskundliche Kenntnisse zu vermitteln.

Seite zurück  Eingangsseite  Seite vor

Zurück zum Text  18. StA Hbg, 361-6 Hochschulwesen-Dozenten- und Personalakten, IV 657, Bl. 106, Martini an den Direktor des Tropeninstituts 4.8.1945.

Zurück zum Text  19. StA Hbg, 361-6 Hochschulwesen-Dozenten- und Personalakten, I 286, Schulverwaltung-Hochschulabteilung an Martini 27.1.1947.

Zurück zum Text  20. StA Hbg, 221-11 Staatskommissar für die Entnazifizierung und Kategorisierung, ED 15460, Entscheidung vom 16.2.1949.

Zurück zum Text  21. Die Biographie Hechts beruht auf Angaben und Unterlagen, die mir sein Sohn Rudolph C. Hecht dankenswerterweise zur Verfügung stellte. Als Nachruf erschien: Donald J. Pletsch, Doctor Otto Hecht Talmessinger (1900-1973). In: Mosquito News 34 (1974), S. 241-242. Eine Bibliographie seiner Schriften ist abgedruckt in: Anales de la Escuela Nacional de Ciencias Biológicas 21 (1974), S. V-VII.

Zurück zum Text  22. Eine genauere Beschreibung dieser strapaziösen Reise findet sich im Brief Hechts an die Hamburger Studienrätin Magda Rieper (1891-1983) vom 4.5.1947 (Kopie im Besitz des Verfassers).

 

Seite zurück  Eingangsseite  Seite vor


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de