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Christian Käselau: Der Kartell-Convent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens als ein Beispiel für jüdische Korporationsverbände im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik


2 Grundlagen

In diesem Kapitel sollen die soziokulturellen Besonderheiten der deutschen Juden im 19. Jahrhundert erörtert und darüberhinaus der Wandel im Umgang der deutschen Mehrheit mit der jüdischen Minorität vom allgemeinen Emanzipationsgedanken hin zum modernen Antisemitismus dargestellt werden.

Das Aufkommen eines allgemeinen Emanzipationsgedanken wird dabei zuerst erörtert werden. Die soziokulturellen Besonderheiten sollen dann als Hinleitung für die Entstehung des Antisemitismus dargestellt werden.

Die Entstehung des modernen Antisemitismus und sein Vordringen in die unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereiche wird dann im zweiten großen Teil dieses Kapitels behandelt werden.

2.1 Die allgemeine Situation der Juden in Deutschland nach der Reichsgründung 1871

2.1.1 Das Aufkommen eines Emanzipationsgedankens

Allgemein läßt sich für das 19. Jahrhundert im Gebiet des späteren Deutschen Reiches eine Entwicklung ausmachen, daß die Position der jüdischen Minderheit in einem positiven, emanzipatorischen Sinne verändert werden sollte.

Die Entwicklung der Judenemanzipation in den deutschen Staaten war jedoch keineswegs einheitlich; es waren immer nur einzelne Staaten, in denen die Emanzipationsfrage aufgeworfen wurde. Die Emanzipation der deutschen Juden begann zum Beispiel in Preußen unter Staatskanzler Karl August Fürst Hardenberg, der 1812 im Rahmen seiner Reformpläne die gesetzliche Gleichstellung der Juden in einem königlichen Edikt veranlaßte. In Baden gab es bereits seit 1809 eine rechtliche Gleichstellung der Juden, während andere Länder weiterhin keinerlei Emanzipation zuließen. Auch in dem Verfassungsentwurf der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche von 1848 war ein Passus enthalten, der die rechtliche Gleichstellung der Juden beinhaltete. (10)

Für den Norddeutschen Bund schließlich erließ Bismarck im Jahre 1869 ein "Gesetz, betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung" (11), das ebenfalls zum Ziel hatte, jede Ungleichbehandlung aufgrund religiöser Unterschiede zu unterbinden. Zwar war dieses Gesetz nicht explizit an die deutschen Juden adressiert, diese fielen aber genauso darunter wie andere religiöse Minderheiten.

Das Gesetz wurde nach der Reichsgründung 1871 auf das gesamte Deutsche Kaiserreich übertragen. Die deutschen Juden waren somit ab 1871 de jure völlig gleichberechtigt, und die Emanzipationsbewegung hatte rechtlich gesehen ihr Ziel erreicht.

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Zurück zum Text  10. Nachum T. Gidal: Die Juden in Deutschland, Gütersloh 1988, Seite 144/145

Zurück zum Text  11 Ebenda, Seite 230

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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