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Christian Käselau: Der Kartell-Convent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens als ein Beispiel für jüdische Korporationsverbände im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik


3.2 Der Ausschluß jüdischer Studenten aus den traditionellen Verbindungen

Das Verhalten der oben skizzierten studentischen Verbindungen in Bezug auf die "Judenfrage" soll in diesem Teilabschnitt erörtert werden.

Kampe unterscheidet hierbei allgemein zwei Phasen, in denen sich der Antisemitismus als soziale Norm in der Studentenschaft durchsetzte: "1. Die Phase des sogenannten "neuen Nationalismus" 1880 - 1893, die eigentliche "Kampfzeit" der antisemitisch-nationalistischen Kyffhäuserbewegung. 2. Die Phase der "Weltpolitik" 1893 - 1914, der Übergang der großen traditionsreichen Korporationen zur antisemitischen und zum Teil völkischen Einstellung (mit der Gegenbewegung der Freistudentischen Bewegung seit 1896)." (95)

3.2.1 Die Korps

Das Selbstverständnis der Korps im Wilhelminischen Deutschland basierte auf zwei grundlegenden Annahmen. Dies waren zum einen das Selbstverständnis als traditionalistische Elite der Studentenschaft, die "Distanz zu tagespolitischen Moden" (96) halten müsse, und zum anderen der "Grundsatz politischer, religiöser und sonstiger weltanschaulicher Toleranz unter ihren Mitgliedern." (97) Diese Grundposition führte dazu, daß es von Seiten des KSC-V bis 1920 keine allgemeine Stellungnahme zur Aufnahme jüdischer Studenten in die Korps gab.

Gleichwohl kam es von Seiten einzelner Korps bereits in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts zum Ausschluß jüdischer Studenten. Als Hauptgründe hierfür sind einerseits ein "sich verfestigendes antisemitisches Weltbild" (98) innerhalb der Studentenschaft und andererseits die steigende Zahl an jüdischen Studenten zu nennen, die in Korps eintreten wollten und dadurch, wie Schindler schreibt, Widerstand gegen zu großen Einfluß der jüdischen Gruppe innerhalb der Korps erzeugten. (99)

Insgesamt waren es besonders die norddeutschen Korps, die in der Tradition Stoeckers und v. Treitschkes dem Antisemitismus gegenüber aufgeschlossen waren und die frühzeitig jüdische Studenten ausschlossen, während die süddeutschen Korps, in antipreußischer und antiprotestantischer Tradition stehend, weiterhin jüdische Studenten aufnahmen. (100)

Während Kampe wie angesprochen den Antisemitismus immer stärker als soziale Norm auch in die Korps eindringen sieht, mißt Studier dem Antisemitismus innerhalb der Korps zu dieser Zeit wenig Bedeutung bei. Er bezeichnet die gängige Praxis innerhalb der Korps wie folgt: "Keine prinzipielle Ablehnung, aber Aufnahme nur solcher Juden, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erwarten ließen, daß es ihretwegen keine unerquicklichen Auseinandersetzungen innerhalb des Corps zur Judenfrage geben würde." (101) In diesem Sinne widerspricht Studier auch der These, der Antisemitismus sei zum zentralen Element der Korps geworden.

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Zurück zum Text  95. Ebenda, Seite 125

Zurück zum Text  96. Ebenda, Seite 192

Zurück zum Text  97. Schindler: Studentischer Antisemitismus und jüdische Studentenverbindungen, Seite 50

Zurück zum Text  98. Kampe, Seite 145

Zurück zum Text  99. Schindler, Studentischer Antisemitismus und jüdische Studentenverbindungen, Seite 51

Zurück zum Text  100. Kampe, Seite 193

Zurück zum Text  101. Manfred Studier: Der Corpsstudent als Idealbild der Wilhelminischen Ära, Schernfeld 1990, Seite 149

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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