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Christian Käselau: Der Kartell-Convent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens als ein Beispiel für jüdische Korporationsverbände im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik


3.2.4 Die Reformburschenschaften

Am Beispiel der im ADB organisierten Reformburschenschaften läßt sich ein schleichender Antisemitismus und wiederum der starke soziale Druck von außen festmachen.

Die grundsätzliche Position des ADB ist gekennzeichnet durch zwei Faktoren, nämlich zum einen durch eine liberale Haltung und Ablehnung eines übersteigerten Nationalismus und zum anderen durch die Betonung der "Unantastbarkeit der Gleichberechtigung der jüdischen Studenten" .(108)

Gleichwohl entstand auch im ADB ab 1890 eine Diskussion über die eigene Stellung zur J"udenfrage". Diskutiert wurden hier vor allem die Konsequenzen für den Verband bei einer weiterhin liberalen Stellung gegenüber jüdischen Studenten. Kampe bezeichnet die zentralen Diskussionspunkte hierbei wie folgt: "1. Die Frage der Existenzsicherung des Kartells in einer weitgehend bereits antisemitischen studentischen Umwelt. 2. Die Frage, ob überhaupt noch die Möglichkeit eines engen Umgangs von Juden und Nichtjuden, wie ihn das Verbindungsleben mit sich bringt, unter Aufrechterhaltung der nötigen inneren Harmonie möglich sei." (109)

Diese verbandsinterne Diskussion führte dazu, daß auch innerhalb des ADB einige Burschenschaften einen unterschwelligen Antisemitismus entwickelten und aus Angst vor einer Verjudung" nur noch ungern jüdische Studenten aufnahmen. Insgesamt blieb der ADB jedoch seinen liberalen Grundsätzen treu, auch wenn man die Gefahr darin erkannte, gegen gesellschaftliche Normen zu verstoßen und als "Judenverbindung" stigmatisiert zu werden.

3.2.5 Die konfessionellen Korporationsverbände

Der Schwarzburgbund als protestantischer Verband distanzierte sich zwar von einem reinen parteipolitisch-rassischen Antisemitismus, gleichzeitig wurden aber auch hier die Begriffe "christlich" und "deutsch" als unmittelbar zusammengehörig angesehen, so daß man den Antisemitismus als "Wegbereiter zur Wiederherstellung eines rein christlichen Staates" (110)

übernahm.

Für die katholischen Verbände CV und KV gilt, daß hier besonders die alten religiös motivierten, antijüdischen Vorbehalte das Bild bestimmten. Gleichzeitig aber wurde der Antisemitismus von katholischer Seite auch schon sehr früh als politisches Mittel eingesetzt. Noch unter dem Trauma des Kulturkampfes stehend war der Katholizismus in Deutschland zu einer Minorität in einem protestantisch dominierten und geführten Staat geworden, und eine Kampfansage an den Liberalismus und das Judentum wurde zu einem Mittel, sich in dem konfessionellen Machtkampf zu behaupten. (111)

Allgemein gab es im CV und KV keine jüdischen Mitglieder, da statutengemäß nur Katholiken in die Verbände aufgenommen werden konnten.

Insgesamt kommt Schindler in Bezug auf den Antisemitismus unter den konfessionellen Verbänden zu dem Schluß, daß "auch die betont auf theologischer Grundlage beruhende Kritik am Judentum durchaus latente Anlagen zu der von den Kirchen offiziell abgelehnten Rassenlehre" enthält." (112)

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Zurück zum Text  108. Kampe, Seite 197

Zurück zum Text  109. Ebenda, Seite 198

Zurück zum Text  110. Schindler, Studentischer Antisemitismus und jüdische Studentenverbindungen, Seite 80

Zurück zum Text  111. Siehe dazu: Greive, Kapitel: Kulturkampf und Börsenkrach, S. 50-57

Zurück zum Text  112. Schindler, Studentischer Antisemitismus und jüdische Studentenverbindungen, Seite 87

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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