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Christian Käselau: Der Kartell-Convent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens als ein Beispiel für jüdische Korporationsverbände im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik


6.4 Stellungnahmen innerhalb des KC zu konfessionellen Verbindungen

Die Frage nach der Stellung des KC zu konfessionell-jüdischen Studentenverbindungen muß vor dem Hintergrund des allgemeinen Neutralitäts- und Gesamtvertretungsanspruchs des KC betrachtet werden. Der KC erhob den Anspruch, alle gegensätzlichen Strömungen in sich zu vereinen und zu einer Integration dieser Strömungen unter den Vorzeichen des Verbandes, der schon mehrfach angesprochenen Kombination von Deutschtum und Judentum, zu kommen. Alle Formen von Konfessionalismus wurden somit als Separationsbewegungen abgelehnt. In einem Artikel aus dem Jahr 1913 wird die Haltung des KC bezüglich konfessioneller Verbindungen wie folgt charakterisiert: "Wir können es mit der akademischen Freiheit nicht für vereinbar halten, Studenten durch Zugehörigkeit zu einer Korporation auf ein bestimmtes religiöses Programm festzulegen; wir halten jede ohne Not erfolgte konfessionelle Absonderung für einen schweren Schaden des akademischen wie des bürgerlichen Lebens, die nicht ausdrücklich genug bekämpft werden kann." (214)

Diese Grundhaltung findet ihre Entsprechung auch im Centralverein. Wie Paucker schreibt, lag das Scheitern einer gesamtjüdischen Zentrumspartei, analog zum katholischen Zentrum, in einer allgemeinen Angst vor jeder Form von Konfessionalismus. Insbesondere der Centralverein wehrte sich gegen solche Bestrebungen, weil man hierin eine zu starke Absonderung von der deutschen Gesellschaft sah.(215)

Für den Autor des Artikels ist die Frage nach konfessionellen Studentenverbindungen deshalb von besonderem Interesse, weil auch der KC sich über die Konfession seiner Mitglieder zusammensetzt, ohne dabei eine Absonderung aus Gründen der Konfession zu wollen. Deshalb wird eine Abgrenzung von wirklich konfessionellen Verbindungen notwendig. Hierzu heißt es in dem Artikel: "Tatsächlich aber haben wir uns immer dagegen gesträubt, als konfessioneller Verband zu gelten, und gleichzeitig sogar die konfessionellen Absonderungen aufs entschiedenste bekämpft." (216)

Die Stellung des KC zu religiösen und konfessionellen Fragen wird in einem anderen Artikel aus dem Jahr 1912 behandelt. Der Autor formuliert hier die Gratwanderung, die der KC zwischen konfessioneller Absonderung und Aufgabe der eigenen jüdischen Identität und Kultur bewältigen muß. Danach soll die Religion in der Verbandsarbeit "nicht als dogmatischer Wegweiser, sondern als geistiger Bildungsfaktor" (217)

dienen und lediglich im Sinne der KC-Tendenzerziehung einen Teil neben dem Nationalbewußtsein als zweitem Hauptpfeiler darstellen.

Zur Funktion einer jüdischen Studentenverbindung schreibt der Autor weiter: "Sie soll den ganzen Menschen harmonisch bilden, sie darf darum kein Gebiet einseitig vernachlässigen, und wenn sie auch eine Stellungnahme zur Religion weder erzwingen darf noch soll, die objektiven Grundlagen zu einer Stellungnahme muß sie gewähren." (218)

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Zurück zum Text  214. Alfred Wolff: Die konfessionellen Studentenverbindungen, in: KC-Blätter, Dezember 1913, Seite 61

Zurück zum Text  215. Siehe dazu: Paucker: Zur Problematik einer jüdischen Abwehrstrategie, Seite 505/506

Zurück zum Text  216. Alfred Wolff: Die konfessionellen Studentenverbindungen, in: KC-Blätter, Dezember 1913, Seite 57

Zurück zum Text  217. Felix Goldmann-Oppeln: Die Religion in der jüdischen Studentenverbindung, in: KC-Blätter, Oktober 1912, Seite 9

Zurück zum Text  218. Ebenda, Seite 11

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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