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Christian Käselau: Der Kartell-Convent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens als ein Beispiel für jüdische Korporationsverbände im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik


Neben dieser Auseinandersetzung mit dem BJC gab es auch weitere mit anderen zionistischen Verbänden. Erwähnenswert erscheint in diesem Zusammenhang ein Artikel aus dem Jahr 1926, in dem es um eine Auseinandersetzung des KC mit dem KJV ging. Interessant ist dieser Beitrag vor allem deswegen, weil hier zum einen wiederum eine Gleichsetzung von zionistischen und völkisch-antisemitischen Gruppen erfolgt, zum anderen aber auch, weil hier ein weiteres Element eingeführt wird, nämlich das der Verletzung der persönlichen Ehre. Der Autor schreibt zu den Formen der Auseinandersetzung zwischen beiden Verbänden: "Es ist leider eine trübe Erscheinung, in der sich Zionisten und Völkische gern begegnen, daß sie dem anderen nicht das Recht seiner Überzeugung lassen (...). Wir würden es begrüßen, wenn der K.J.V. eine Basis finden würde, auf der auch in studentischen Dingen eine Zusammenarbeit möglich würde, sie kann aber nicht gefunden werden, wenn man sich selbst von jeder Mitarbeit fernhält, aber den Standpunkt des andern und seine Handlungsweise dadurch zu kritisieren sucht, daß man seine persönliche Ehre verletzt." (228)

Das bis hierhin entworfene Bild der Auseinandersetzung des KC mit dem Zionismus muß allerdings in gewisser Weise relativiert werden.

So schreibt auch Paucker, die Konfrontation zwischen beiden innerjüdischen Richtungen sei "markiert durch Überspitzungen und "teutonische" Verstiegenheiten seitens beider jüdischer Kontrahenten." (229) und nur zu verstehen als Resonanz deutscher Engstirnigkeit und Unsicherheit im jüdischen Bereich." (230)

Insgesamt bezeichnet Paucker das gegenseitige Verhältnis trotz manch lautstarker Auseinandersetzung als überwiegend harmonisch. Zionisten waren demnach in der Abwehrarbeit des CV und KC willkommen, solange sie sich für eine Lösung der "Judenfrage" innerhalb Deutschlands einsetzten, und umgekehrt bescheinigte die ZVfD der Abwehrarbeit von CV und KV, daß diese sich "um die Wiedererweckung des Judentums verdient mache." (231)

Ein Beispiel aus den KC-Blättern, das diese Relativierung der Auseinandersetzungen auch unterstützt, ist ein Artikel aus dem Jahr 1919. Hierin äußert sich Max Oppenheimer, ein Zionist aus den Reihen des KC, über die Stellung des Zionismus.

Oppenheimer spricht sich in diesem Artikel für den Gedanken einer eigenen jüdischen Nationalität aus, widerspricht damit also einer Grundidee des KC. Gleichzeitig relativiert er diese Aussage aber in Richtung der KC-Linie, indem er sich für eine Integration der Juden in die deutsche Nation ausspricht. Konkret schreibt Oppenheimer, jede Nationalität soll in Deutschland die Möglichkeit haben, ihre Tradition zu pflegen und ihre Eigenart zum Wohle der gesamten deutschen Bürgerschaft im besten Sinne auszubilden." (232)

Außerdem widerspricht er dem KC-Standpunkt, daß der Zionismus eine Minderheitenbewegung sei und somit keinen Anspruch auf Vertretung der gesamten deutschen Juden habe: "Als Bruchteil dürfte heute schon ihr Kreis nicht mehr zu bezeichnen sein, von Tag zu Tag nimmt ihre Bewegung in Deutschland an Umfang zu, und bald wird sich auch hier ein Umschwung in der natinalen Auffassung der Juden vollzogen haben, der wie in Amerika und in den außerdeutschen Ländern Europas aus der früheren Minorität eine überwältigende Majorität macht." (233)

Schon die Tatsache, daß ein Zionist aus den eigenen Reihen die Möglichkeit erhielt, sich über das Wesen des Zionismus in der Verbandszeitschrift auszulassen, deutet darauf hin, daß der Umgang mit dem Zionismus toleranter war, als dies aus einigen Darstellungen erscheinen mag.

In einer Anmerkung der Redaktion, die dem Beitrag nachgestellt wurde, wird dann auch versucht, die Gegensätze zwischen Oppenheimer und der allgemeinen KC-Tendenz zu relativieren und die Unterschiede auf Begriffe zu reduzieren: "Oppenheimer unterscheidet sich vom echten Zionisten.(...) Wer bestreitet denn, daß die Juden nicht nur Religionsgemeinschaft sind, sondern auch durch Abstammung, Geschick und das gemeinsame Leid eng verbunden sind? Weiter geht ja Oppenheimer nicht!
Für den Zionisten aber ist Volk etwas ganz anderes, für ihn ist es die Gemeinschaft mit eigenem Lande, eigener Sprache, eigener Kultur und eigener Politik! Und national ist für ihn eine Zukunftshoffnung und kein Vergangenheitswert.
Oppenheimer will - auf gut deutsch gesagt - K.C.-Gedanken in die Phraseologie des Nationaljudentums hüllen." (234)

Auch diese Darstellung unterstützt Pauckers Feststellung, daß gemäßigte Zionisten, die für das KC-Ziel "Integration in die deutsche Gesellschaft" einzutreten bereit waren, durchaus in den eigenen Reihen willkommen waren.

Trotz solcher Annäherungen blieben die Gegensätze zwischen dem Zionismus und dem KC unübersehbar. Ein weiteres Feld, auf dem eine klare Abgrenzung vom Zionismus unternommen wurde, war das der Religion. Der zentrale Aspekt hierbei wurde in einem Artikel aus dem Jahr 1926 sehr pointiert zusammengefaßt: "Wenn nun für den Begriff der jüdischen Religion neben dem einzigen Gotte noch ein anderes begriffliches Merkmal besteht, so ist dies die messianische Menschheit. Mit dem Begriff der einen Menschheit, welche den einzigen Gott erkennen wird, vernichten die Propheten Israels das Heidentum und begründen in dieser Botschaft Israels an die Völker der Welt die göttliche Erwählung des jüdischen Volkes als des Boten der Menschheit.
Die zionistische Literatur aber ergeht sich auch in Schriften deutscher Rabbiner in frivoler Verhöhnung dieser höchsten Idee der jüdischen Religion, die sie als eine Ausgeburt der Humanitätsduselei des liberalen Nationalismus herabwürdigt.
Diese Differenz allein ist hinreichend, die religiöse Scheidewand zwischen unserem messianischem Judentum und dem Zionismus aufzurichten."
(235)

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Zurück zum Text  228. Herrmann Berlak: K.C. und K.J.V., in: KC-Blätter, Januar-März 1926, Seite 10/11

Zurück zum Text  229. Paucker: Zur Problematik einer jüdischen Abwehrstrategie, Seite 525

Zurück zum Text  230. Ebenda, Seite 525

Zurück zum Text  231. Ebenda, Seite 522

Zurück zum Text  232. Max Oppenheimer: Der Zionismus und die deutschen Juden, in: KC-Blätter, Januar-Februar 1919, Seite 10

Zurück zum Text  233. Ebenda, Seite 11

Zurück zum Text  234. Ebenda, Seite 11

Zurück zum Text  235. Herrmann Cohen: Zionismus und Religion, in: KC-Blätter, Juli 1926, Seite 38

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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