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Christian Käselau: Der Kartell-Convent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens als ein Beispiel für jüdische Korporationsverbände im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik


Der Messianismus, der hier als Argument zur Distanzierung von der zionistischen Bewegung angeführt wird, ist ein zentrales Element der jüdischen Religion und Kultur, ohne das das Überleben des Judentums in der Diaspora nicht vollständig zu erklären ist. Im Gegensatz zum christlichen Glauben steht aus jüdischer Sicht das Kommen des Messias noch aus, und in dieser Erwartung behielt die Praxis der jüdischen Religion ihren hohen Stellenwert. Religiöse Pflichten wie das Einhalten des Sabbat wurden zur unabdingbaren Vorbedingung für die Herbeiführung eines idealen messianischen Staates jüdischer Nationalität. Dieser messianische Glaube war, wie Katz schreibt, die entscheidende Kraft, die das Judentum in seiner Existenz bestärkt und das Überleben der jüdischen Religion in der Diaspora gesichert hat.(236)

Begründet liegt dieser tiefe Glaube an eine Führungsrolle des jüdischen Volkes in einer Bibelstelle im Alten Testament, in der der Auszug des israelischen Volkes aus Ägypten beschrieben wird: "Also zogen die Israeliten aus von Ramses nach Sukkot, sechshunderttausend Mann zu Fuß ohne die Frauen und Kinder. Und es zog auch mit ihnen viel fremdes Volk(...)." (237)

Marquardt bezeichnet diese Stelle als ein "Urdokument jüdischen Universalismus".(238)

Der jüdische Messianismus veränderte sich aber auch mit der momentanen Situation der Juden. So verlor er mit der Aussicht auf Emanzipation im Laufe des 19. Jahrhunderts an Anziehungskraft, "aber die Gewährung der Emanzipation und die nachfolgende Enttäuschung über ihr Versagen bei der "Lösung" des Problems der jüdischen Existenz in der Diaspora öffnete den Weg zu einer Wiederbelebung des verborgenen Potentials des Messianismus." (239)

Dieses Wiederbeleben führte gleichzeitig dazu, daß der Messianismus als Instrument gegen den Zionismus benutzt wurde, indem dem Zionismus jeder Zusammenhang mit einem messianischen Glauben abgesprochen wurde. Der oben angeführte Artikel ist ein Beispiel für solche Argumentation, wie Katz schreibt, gab es aber immer wieder solche Versuche. (240)

Gerade die zionistische Vorstellung eines jüdischen Staates in Palästina aber enthielt ein ganz wesentliches Element des jüdischen Messianismus, und Katz führt als zweiten Punkt an, "daß es ihm [dem Zionismus] trotzdem gelang, sich die Treue seiner Anhänger zu erhalten, verdankte er dem weitverbreiteten Glauben an seinen göttlich oder geschichtlich vorherbestimmten Charakter - ein untrügliches Zeichen für seinen genetischen Zusammenhang mit der messianischen Tradition." (241) Diese Verbindung versuchte man aber auch von Seiten des KC immer wieder zu widerlegen.

Ein letztes Beispiel aus dem Jahr 1933 zeigt noch einmal die große Angst, die selbst zu diesem Zeitpunkt von Seiten des KC gegenüber dem Zionismus noch bestand.

In dem Artikel heißt es unter anderem: "Der erhöhte Druck, der von außen her auf das deutsche Judentum einwirkt, darf uns nicht vergessen lassen, daß auch im Innern ein Gegner lebt. Nur zu leicht ist man geneigt, der zionistischen Gefahr gegenüber die Augen zu schließen, von dem Wunschtraum erfüllt, jüdische Solidarität müsse bestehen.(...) Uns ist bekannt, - auch die C.V.-Zeitung berichtete darüber - daß die Zionisten zum Generalangriff auf die nichtzionistischen jüdischen Jugendorganisationen rüsten und ihre "Sprengung" betreiben. Nach zwei Fronten geht unser Kampf! Wenn es gilt, die Seele der jüdischen Jugend im ehrlichen Kampf zu gewinnen, werden wir auf dem Posten sein!" (242)

Die Tatsache, daß selbst zu Beginn des Jahres 1933 noch so offen gegen die zionistische Bewegung Front gemacht wurde, widerspricht der Darstellung Pauckers, der von einem überwiegend harmonischen Verhältnis zwischen beiden jüdischen Richtungen spricht (243), zumindest für die Endphase der Weimarer Republik.

Ein weiteres Argument, daß ebenfalls die Gegensätze zwischen beiden jüdischen Richtungen unterstreicht, wurde von Marquardt angeführt. Er bezeichnet den Zionismus, der in der Tradition Herzls auf der Kritik am bestehenden Antisemitismus basiert, als "ein Nein zur Praxis und Ideologie des bürgerlichen und liberalen Staates." (244)

Damit stellt er sich aber gerade gegen die Werte, für die die Bewegung des KC und des CV eintreten, nämlich die Integration der Juden in eine bürgerlich-liberale deutsche Gesellschaftsordnung.

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Zurück zum Text  236. Jacob Katz: Zwischen Messianismus und Zionismus, Frankfurt a. M. 1993, Seite24-26

Zurück zum Text  237. Deutsche Bibelgesellschaft (Hrsg.): Die Bibel, Das zweite Buch Mose (Exodus), 12,38, Seite 72, Stuttgart 1991

Zurück zum Text  238. Friedrich -Wilhelm Marquardt: Zionismus- Selbstbefreiung und Befreiung anderer, Seite 30, in:
Martin Stöhr (Hrsg.): Zionismus, München 1980, Seite 30 - 43

Zurück zum Text  239. Katz, Seite 32

Zurück zum Text  240. Ebenda, Seite 34

Zurück zum Text  241. Ebenda, Seite 33

Zurück zum Text  242. R.H.: Nach zwei Fronten, in: KC-Blätter, Januar 1933, Seite 14/15

Zurück zum Text  243. Vergleiche dazu: Anmerkung 229 und 230

Zurück zum Text  244. Marquardt, Seite 36

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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