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Christian Käselau: Der Kartell-Convent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens als ein Beispiel für jüdische Korporationsverbände im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik 6.6 Positionen innerhalb des KC zu Formen des studentischen TraditionalismusDie verbandsinternen Diskussionen um die Frage nach der Stellung des KC zu möglichen Reformen des Kommentwesens sind bereits in Abschnitt VI.1. behandelt worden. Dabei waren es vor allem äußere Faktoren, die die Diskussion bestimmten. In diesem Abschnitt nun soll die innere Einstellung von KC-Mitgliedern zu Fragen des Couleur- oder Waffentragens im Mittelpunkt stehen. Schindler kommt in seiner Untersuchung zu Farben und Namen jüdischer Verbindungen zu dem Schluß, daß die KC-Verbindungen schon in diesen äußeren Merkmalen ihre starke Verwurzelung mit deutschnationalen und auch studentisch-deutschen Traditionen zum Ausdruck brachten (245). So erinnerten z.B. die Farben der Breslauer Viadrina (schwarz-rot-gold) direkt an die liberalen Ideale der Burschenschaft, und auch bei weiteren KC-Verbindungen wie der Saxo-Bavaria Leipzig fanden sich die jeweiligen Landesfarben wieder, in diesem Fall eine grün-weiß-blaue Kombination für die Landesfarben Bayerns und Sachsens. Zitate der gemeinsamen jüdischen Kultur und Religion fanden sich dagegen nur sehr selten in den Farben der KC-Verbindungen wieder. Noch deutlicher, so Schindler, wurde diese Verwurzelung in der Namensgebung der Verbindungen: "Nicht nur, daß es sich dabei um der deutschen studentischen Tradition entsprechende, vorwiegend landsmannschaftlich orientierte Bezeichnungen ( Bavaria, Badenia, Friburgia, Hassia, Nassovia, Silesia) handelt; vielmehr war es schon vor dem Ersten Weltkrieg ein ungeschriebener Brauch im KC, neue Verbindungen möglichst nach deutschen Flüssen zu benennen: Viadrina (Oder), Sprevia (Spree), Licaria (Lech), Albingia (Elbe), Visurgia (Weser) und vier Kombinationen mit "Rheno-" (Rhenus, Rhein)." (246) Symptomatisch für die im KC vorherrschende Grundhaltung ist die Tatsache, daß sich in zwei Artikeln der KC-Blätter aus den Jahren 1911 und 1926, die sich mit der Frage des Couleur- und Waffentragens befassen, nahezu identische Argumentationen finden. Beide Autoren bringen hier zum einen ihre uneingeschränkte Befürwortung studentischer Traditionen zum Ausdruck, zum anderen zeugen die beiden Artikel aber auch von der Logik der KC-Apologetik: Über das Festhalten an studentischen Traditionen soll die jüdisch-studentische Ehre verteidigt werden. Dazu aus dem Artikel von 1911: "Warum trägt der Jude Couleur?(...) Die Couleur ist ein Protest gegen die Intoleranz der Andern. Wir schließen uns nicht aus, sondern wir sind ausgeschlossen, und das zeigen wir.(...) Die Couleur macht aus dem in sich abgeschlossenen Individuum einen Vertreter der Gattung.(...) Wer den Couleurstudent kränkt, kränkt die ganze Korporation. Wer den K.C.er beleidigt, vergeht sich aber nicht nur an ihm, an der Verbindung, sondern an der gesamten Judenschaft, dessen Vorkämpfer auf dem äußersten Posten er ist."(247) Und zur Frage der Satisfaktion aus dem Jahr 1926: "Die Satisfaktion mit dem Säbel ist uns die im deutschen Studententum nach seiner Tradition gegebene Waffe für unsere Ehre als deutsche Studenten, für die Ehre des Judentums, für die Fernhaltung von Angriffen auf seine Lehre und Geschichte zu streiten."(248) Es verwundert also nicht, daß als Konsequenz aus dem Gesagten die Grundhaltung des KC
durch ein unbedingtes Festhalten an Formen des Traditionalismus gekennzeichnet war und
daß man einer einseitigen Reform von Seiten des eigenen Verbands sehr kritisch
gegenüberstand: "Eine Reform der studentischen Bräuche anzustreben, kann nicht
Aufgabe des K.C. sein. Wird durch gesetzliche Maßnahmen oder studentische Reformen die
Grundlage, von der aus der K.C. sich zum Waffenstudententum bekennt, verschoben, so wird
er dann zu einer Änderung seiner Prinzipien Stellung nehmen müssen.
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