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Dr. Rainer Hering: Auf dem Weg in die Moderne?


Der zeitliche Rahmen wird nicht durch Einschnitte auf der staatlichen Ebene gesetzt, Grundlage sind vielmehr Ereignisse, die für die Hamburger Landeskirche von gravierender Bedeutung gewesen waren. Daß diese nicht unabhängig von der politischen Entwicklung sind, muß nicht besonders betont werden. Am 7. Dezember 1918 hob der Arbeiter- und Soldatenrat für Hamburg, Altona und Umgegend mit Wirkung vom 1. Januar 1919 den Religionsunterricht an den Schulen auf und untersagte Schulandachten. Drei Wochen später, am Heiligen Abend, wurde der Austritt aus einer Religionsgemeinschaft jeder Person ab dem vollendeten 14. Lebensjahr durch Erklärung gegenüber dem Standesamt freigestellt. (11) Damit erfuhr die Kirche in Hamburg drastisch die Auswirkungen der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Die bereits seit 1870 begonnene Trennung von Staat und Kirche wurde jetzt noch weiter geführt: Im März 1919 gaben die lutherischen Senatoren ihr Patronatsrecht auf und mit der neuen Verfassung von 1923 verwaltete die Kirche der Hansestadt als Körperschaft des öffentlichen Rechts ihre Angelegenheiten selbständig. Das Ende des Betrachtungszeitraums bildet nicht der 30. Januar 1933, sondern der 29. Mai 1933, da an diesem Tage Hauptpastor Simon Schöffel (1880-1959) zum ersten Landesbischof Hamburgs gewählt wurde. Die faktische Struktur der Kirche wurde dadurch einschneidend verändert und die Anpassung an die staatlich-politischen Strukturen des "Dritten Reiches" war vollzogen. Innerhalb dieses Rahmens werden in zwei Hauptabschnitten innerkirchliche Entwicklungen dargestellt und die Wechselwirkungen zwischen Kirche und Gesellschaft beschrieben, wobei der Bereich der Kultur hier aus Platzgründen leider ausgeklammert werden muß.

Dabei geht es auch um die Reaktion der Kirche auf die gesellschaftlichen Veränderungen der Moderne. Mit Detlev Peukert wird die Epoche von den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts bis zu den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts als "klassische Moderne" verstanden. Zur Zeit der Weimarer Republik war sie bereits formiert. In ihr entstanden die Züge unserer gegenwärtigen Lebenswelt, setzten sich die moderne Sozialpolitik, Technik, Naturwissenschaft, Kunst, Architektur, Literatur etc. durch. In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatte sich die Industriegesellschaft in Deutschland sozioökonomisch etabliert, die die Voraussetzungen schuf für den soziokulturellen Durchbruch der Moderne.(12) Zu fragen ist daher, wie die Kirche auf die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, auf die Pluralisierung der Lebenswelt reagierte. Neue Partizipationsmöglichkeiten im politischen Bereich und eine Veränderung der geschlechtlichen Rollenfestlegungen sind nur zwei wichtige Faktoren, die sich auch auf die Kirche auswirkten. Öffnete sie sich den neuen Tendenzen und Strömungen oder versuchte sie vielmehr, sich ihnen entgegenzustellen?

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Zurück zum Text  11. Hering: Staat (wie Anm. 9), 192.

Zurück zum Text  12. Peukert (wie Anm. 1), S. 11f, 166 und 266f.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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