fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Dr. Rainer Hering: Auf dem Weg in die Moderne?


4.3 Kirche und Behörden

Die Zusammenarbeit zwischen kirchlichen Einrichtungen und den staatlichen Behörden gestaltete sich unterschiedlich. Im Bereich der Schule war das Verhältnis, ausgehend von der Aufhebung des Religionsunterrichts zwischen 1918 und 1920, weiterhin indifferent bis gespannt. Noch 1924 gab es Schulen ohne Unterricht in diesem Fach; in anderen Fällen wurde die erteilte Unterweisung von der Kirche als unzureichend angesehen, weil weder die Zehn Gebote noch das Vaterunser memoriert wurden. Teilweise mußten Religionskurse vor dem Konfirmandenunterricht eingerichtet werden. Schwierigkeiten gab es bei der Abstimmung der Zeit für den Konfirmandenunterricht, der morgens vor der Schule oder in den Abendstunden erteilt werden mußte.

Bei der Erstellung der Prüfungsordnung für die Religionslehrerausbildung wurde die Kirche als Institution nicht herangezogen, allein Heinz Beckmann war in seiner Funktion als Mitglied der Behörde beteiligt worden und konnte auch auf die Auswahl der Dozenten Einfluß nehmen. 1926 wurde die Lehrerbildung von den Seminaren an die Universität verlagert, allerdings gab es erst 1931 die Möglichkeit, auch Kurse für das Unterrichtsfach "Religion" zu besuchen. Während die Oberschulbehörde an der Ausbildung von Lehrkräften für dieses Fach aufgrund eines Fachlehrermangels sehr interessiert war, blockierte die Hochschulbehörde vornehmlich aus finanziellen Gründen die Einrichtung entsprechender Veranstaltungen. Die 1919 gegründete Universität verfügte über keine theologische Fakultät; diese wurde erst 1952 eingerichtet. Allerdings gab es im Allgemeinen Vorlesungswesen bis 1933 auch öffentliche Vorlesungen im Bereich der Theologie, die zumeist die Hauptpastoren hielten. Auch die Kurse für die Kandidaten der Theologie und des Predigtamtes wurden hier öffentlich angekündigt. Dagegen galt die Zusammenarbeit mit dem Wohlfahrts- und dem Jugendamt als vortrefflich. Zahlreiche Geistliche und Mitglieder von Kirchenvorständen waren Vorsteher, Pfleger oder Vertrauenspersonen dieser Ämter.(88)

4.4 Kirche und Wirtschaft

Die Hamburger Kirche war als ganzes wie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als einzelne von der wirtschaftlichen Situation des Deutschen Reiches direkt betroffen. Als Kollektiv hat sie sich nicht direkt zu wirtschaftlichen Fragen geäußert. Es ist allerdings bemerkenswert, daß Hauptpastor Simon Schöffel in verschiedenen Schriften sich mit dem Bereich der Wirtschaft auseinandersetzte: Der Protestantismus müsse die Eigengesetzlichkeit der Wirtschaft anerkennen, betone aber besonders den Gedanken der Verantwortung. Das Christentum könne die wirtschaftlichen Probleme nicht lösen - Spannungen gehörten zum Leben dazu -, solle aber auf die maßgeblichen Normen Gottes hinweisen, nach denen sich auch die Wirtschaft zu richten habe. Eine gewisse Offenheit gegenüber dem Sozialismus als proletarischer Freiheitsbewegung bedeutete für ihn die Anerkennung der Solidarität der Arbeiter und ihrer gewerkschaftlichen Zusammenfassung. Koalitions- und Streikrecht gestand er ihnen zu. Als soziale, nicht jedoch als Weltanschauungsbewegung konnte er den Sozialismus akzeptieren.(89)

Seite zurück  Eingangsseite  Inhaltsverzeichnis  Seite vor

Zurück zum Text  88. Kirchlicher Bericht 1923/24 (wie Anm. 60), S. 12-14; Hering, Religionslehrerausbildung (wie Anm. 54).

Zurück zum Text  89. Simon Schöffel, Christentum und Wirtschaft. 2.Aufl. Rothenburg o.d.T. 1928; ders., Die soziale Frage im Lichte der Augsburger Konfession. In: Ders./Adolf Köberle, Luthertum und soziale Frage. Leipzig 1931, S. 5-92; vgl. dazu: Hering, Bischöfe (wie Anm. 55), S. 25.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Inhaltsverzeichnis  Seite vor


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de