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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Leben bleibt Risiko


Verstärkt wird die Schwerkraft dieser Diskussion noch durch knapper werdende Ressourcen im Gesundheitswesen. In den USA macht der Slogan die Runde: jeder Dollar für die Frühdiagnostik spart 5 Dollar für die Betreuung eines Menschen mit Behinderungen. Ganz allgemein wird die Frage gestellt, ob nicht ein stärker Druck ausgeübt werden muß, damit Schwangere, die zu Risikogruppen gehören, sich der pränatalen Diagnostik unterziehen und möglicherweise geschädigte Embryonen nicht austragen, um die Solidargemeinschaft der Versicherten nicht zu belasten. In den USA wird dieser Druck von den Krankenversicherungen ausgeübt.

Es könnte sein, daß unter gegenwärtigen Bedingunge die Rede von den Balastexistenzen aus den 20er Jahren wieder Bedeutung gewinnt. So schreibt 1920 Dr.med Alfred Hoche: "Die Frage, ob der für diese Kategorien von Ballastexistenzen (sc. Behinderte) notwendige Aufwand nach allen Richtungen berechtigt ist, war in den verflossenen Zeiten des Wohlstandes nicht dringend, jetzt ist es anders geworden, und wir müssen uns endlich mit ihr beschäftigen."

Gegen die Position der radikalen Verfügbarkeit werdenden menschlichen Lebens richtet sich ebenso undifferenziert der Protest der "Lebensschützer", die werdendes menschliches Leben der Verfügung gänzlich entzogen wissen wollen. Beide rigorose "Lösungen" ignorieren die Vielschichtigkeit des Problems, vor das uns der medizinisch-technische Fortschritt stellt, und das einer differenzierten ethischen Reflexion bedarf. Denn genauso wenig wie wir Allmachtsphantasien aufsitzen dürfen, können wir ohnmächtig die Augen vor den Gestaltungsmöglichkeiten verschließen, die uns die Medizintechnik bietet. Das Streben, Grenzen zu verschieben, ist nicht nur negativ. Denn ein beeinträchtigtes Leben ist weder naturgegeben, noch gottgegeben. Und deshalb denke ich, muß es nicht hingenommen werden. Wer beeinträchtigtes Leben als natur- oder gottgegeben hinnimmt, unterliegt dem naturalistischen Fehlschluß. Nur weil das so ist, müssen wir es, und nehmen wir es normalerweise auch nicht hin. Es muß vielmehr alles getan werden, um die Beeinträchtigung von Leben, aus der dann Behinderungen folgen, zu verhindern.

Pränataldiagnostik kann Schwangeren und ihren Partnern bei einem konkreten Risiko (z.B. Erbkrankheiten, Erkrankung während der Schwangerschaft) Auskunft über eine bestehende oder nicht bestehende Schädigung des Embryos geben. Genetische Diagnostik kann auch schon vor dem Eintreten einer Schwangerschaft Paaren, die durch Erbkrankheit belastet sind, Aufklärung über das Risiko einer embryonalen Schädigung geben. Darüber hinaus kann Pränataldiagnostik - etwa beim sogenannten "offenen Rücken" zu Präventivmaßnahmen führen oder zu prä- bzw. postnatalen therapeutischen Eingriffen. Ganz allgemein können Ergebnisse der pränatale Diagnostik der Schwangeren und ihrem Partner helfen, sich auf das zu erwartende Kind vorzubereiten.

Wo aber liegen die Grenzen der Planung und Verfügung über werdendes menschliches Leben in der Pränataldiagnostik?

Gesichtspunkte für eine solche Grenzziehung lassen sich aus dem christlichen Menschenbild gewinnen.Vom christlichen Menschenbild her ist die Würde nicht abgeleitet aus Selbstbewußtsein, Lebenswille, Genußfähigkeit, Nützlichkeit für die Gesellschaft, sondern aus dem Gabecharakter allen Lebens. Würde des Menschen ist deshalb nicht an jugendliche, vitale Lebenskraft, Gesundheit, Leistungs- und Genußfähigkeit gebunden, sondern ist allein mit dem Empfangen von Leben, mit der Empfängnis gegeben. Deshalb sprechen wir auch von der Würde und nicht dem Wert des Menschen. Hätte der Mensch einen bestimmten Wert, so käme es schnell zu Wertungen, also zu einer Wertehierarchie oder sogar zu Gegenwerten, etwa in Form von Geld. Demgegenüber ist die Würde des Menschen absolut und nicht begründbar und ableitbar. Sie ist weder in den Qualitäten des Menschen begründet noch aus seiner gesellschaftlichen Bedeutung ableitbar.

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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