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Priv.-Doz. Dr. Udo Krolzik: Leben bleibt Risiko


Ich will nur drei Folgerungen aus der Überzeugung ziehen, daß alles Leben Gabe Gottes ist, die für unsereren Zusammenhang von Bedeutung sind:

(1) Wenn menschliches Leben Geschenk Gottes ist, dann ist es gut. Es ist nicht deshalb gut, weil der Mensch gut ist, sondern vielmehr weil die Lebensmöglichkeiten, die jeder angeboten bekommt, gut sind. Sie sind die guten Gaben Gottes. Das gilt für die inneren Potenzen, die jeder entfalten oder verkümmern lassen kann, und es gilt auch für den Entfaltungsraum, der erschlossen oder verwehrt werden kann. Es darf und kann nicht gewertet werden, ob ein Leben lebenswert oder -unwert ist, ob die Lebensmöglichkeiten etwa eines Menschen mit Behinderungen gut sind, sondern es muß geholfen werden, daß er seine individuellen Lebensmöglichkeiten entdecken und entfalten kann. Deshalb gehören auch Altern, Gebrechlichkeit, Krankheit oder Leiden zur Würde des Menschen. Frühdiagnostik darf aus diesem Grund nicht automatisch bedeuten, daß ein Kind nur dann akzeptiert wird, wenn es gesund ist (negative Eugenik). Wie gefährlich solch ein Vorbehalt für unser Verständnis von Menschenwürde ist, zeigt sich daran, daß jedes gesund geborene Kind von einem Moment auf den anderen zu einem schwerstbehinderten Menschen werden kann. Leben bleibt ein Risiko. Jedes Leben, auch wenn es noch so versehrt ist, hat einen legitimen Anspruch auf gesellschaftliche Solidarität und Unterstützung.

(2) Wenn menschliches Leben Gabe Gottes ist, darf kein Mensch über andere Menschen verfügen. Menschliches Leben ist schlechthin unverfügbar. Deshalb ist auch das Recht auf Leben Gebot und nicht Angebot, das angenommen oder verweigert werden kann. Aus diesem Grund kann und darf kein Mensch über das Leben eines anderen urteilen, ob es sich lohnt und welche Kosten für dessen Erhaltung noch angemessen sind. Wenn das geschieht, muß ein Mensch einem anderen Menschen dankbar sein, daß er sein Leben als lebenswert beurteilt hat. Zur menschlichen Freiheit gehört es aber gerade, daß ein Mensch sich nicht einem anderen Menschen verdankt, sondern im Gegenüber zu Gott sein Leben frei gestaltet.

Besonders weitgehend verfügen Menschen über Menschen, wenn Eltern Embryonen mit bestimmten Eigenschaften - wie z.B. einem bestimmten Geschlecht - auswählen und so ihr Wunschkind schaffen wollen (positive Eugenik). In den USA gaben 62% der Fortpflanzungsmediziner an, daß sie Präimplantationsdiagnostik zur Bestimmung des Geschlechts durchführen. In eine Befragung über pränatale Diagnostik wurde gefragt, ob Frauen abtreiben würden, wenn beim Embryo in einem pränatalen Gentest eine Veranlagung zur Fettleibigkeit festgestellt würde. 20% der Befragten kreuzten "Ja" an.

Es bedeutet auch ein Verfügen der Gesellschaft über Leib und Leben ihrer Glieder, wenn eine genetische Zwangsuntersuchung oder ein Gesetz, das die Abtreibung behinderter Kinder als Normalfall vorschreibt, durchgesetzt würde. Wer in diesen Fällen Solidarität einfordert, indem er etwa fordert, daß die Solidargemeinschaft der Versicherten nicht belastet werden soll, und auf einen Kinderwunsch verzichtet oder das Lebensrecht eines werdenden Menschens genommen werden soll, mißachtet die Würde des Menschen.

(3) Wenn menschliches Leben Gabe Gottes ist, ist es nicht verfügbar und deshalb immer bedroht und endlich. Es geht nicht alles wunsch- und planmäßig, so daß menschliches Leben gekennzeichnet ist durch Leiden. Nur wenn ein Mensch leiden kann, kann er mitleiden, kann er Beziehungen zu anderen Menschen haben und lieben. Wer nicht leiden kann, kann auch nicht lieben. Und wer nicht weiß, daß er endlich ist und sterben muß, verliert das Empfinden für die Einmaligkeit eines jeden Augenblicks seines Lebens. Deshalb ist es keineswegs menschenfreundlich, wenn zu erwartendes Leid durch Früheuthanasie verhindert wird.

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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