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Dr. Rainer Hering: Kutscher und Kanzler.


1.Bericht über den 9.August 1898

Wirtschaft von Eskelson, Kleine Rosenstraße 3, 21.30 bis 22.25 Uhr

[...] daselbst waren ca. 12 Personen anwes[end], die sich an verschiedenen Tischen unterhielten. Das Gespräch von einigen Gästen bezog sich auf den Tod des Fürsten von Bismarck, indem ein Gast sagte: Kaum das Fürst Bismarck tot war, hatte sich hier in H[am]b[ur]g ein Comité gebildet, welches die Frage eines Bismarck Denkmals in Anregung brachte, dem ja auch bald ein Aufruf folgte, um dem einmal aufgetauchten Gedanken durch die Tat Ausdruck zu geben. Wohl selten hat es ein Bundesstaat Preußens so eilig gehabt, für einen durch den Tod dahingegangenen nationalen Helden die Frage betr[effend] Errichtung eines Denkmals in Anregung zu bringen als wie jetzt H[am]b[ur]g beim Tode B[ismarcks]. Ob nun gerade H[am]b[ur]g unter B[ismarcks] Staatsweisheit seinen Aufschwung genommen hat, ist nach seiner Überzeugung sehr zu bezweifeln, im Gegenteil: B[ismarck], welcher mit Neid auf das Aufblühen H[am]b[ur]gs sah, sorgte dafür, das H[am]b[ur]g keine allzu großen Reichtümer sammelte, indem er H[am]b[ur]g zum Zollanschluß zwang, welcher H[am]b[ur]g mehrere Millionen gekostet hat [und] durch diese Entwicklung ist es nur gekommen, daß die Lebensweise hier eine bedeutend teuere geworden ist [und] das soziale Elend in großem Maße Platz griff.

Ein anderer Gast sagte: Der Tod B[ismarcks] erinnert auch wieder an den Tod des alten Kaisers, bei dessen Hinscheiden wurde auch von den Größen H[am]b[ur]gs ein Aufruf zur Errichtung eines Denkmals erlassen [und] heut nach 10 Jahren hat man wohl das Geld, aber noch kein Denkmal zustande gebracht.(9) Die ganze Denkmalsfrage berühre ihn (Red[ner]) aber gar nicht, jedoch gibt eine solche Sache Anlaß, wichtigere Fragen, als [es] die Denkmalserrichtung ist, zu streifen [und] dabei in Erwägung zu ziehen, ob diese nicht dringender sind. Da steht nämlich oben an die Bahnhofsfrage, durch die, wenn H[am]b[ur]g derselben endlich einmal nähertreten wollte, ein Denkmal geschaffen würde, wie es gar nicht besser gewünscht werden könnte. Denn die Bahnverhältnisse, wie sie heut bestehen, können in den kleinsten Städten nicht schlechter sein, [und] wie oft hat man jetzt von den Turnern hören müssen, daß sie sich über die Bahnhofsverhältnisse lustig machten [und] den Bahnhöfen allerhand Bezeichnungen gaben. Und ebenso wichtig wie die Bahnhofsfrage ist die Sanierung der Stadt, durch welche man sich, wenn sie endlich in Angriff genommen werden würde, ein unvergängliches Denkmal setzen möchte.(10) Leider treten aber die wichtigsten Fragen in den Hintergrund, wenn es sich um eine Persönlichkeit handelt, die im Leben für den Kapitalismus eine große Rolle gespielt hat. Weitere Gespräche wurden nicht geführt. [...].

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Zurück zum Text  9. Gemeint ist Wilhelm I. (1797-1888). Fast unmittelbar nach dessen Ableben wurde beschlossen, ein Denkmal für ihn zu errichten, das dann 15 Jahre später am 20.6.1903 in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. auf dem Rathausmarkt enthüllt wurde. Es erhob sich auf einem 6m hohen Unterbau aus schwedischem Granit bis zu einer Höhe von 11,5 m; 1800 Quadratmeter des Platzes wurden erhöht, um seine Bedeutung hervorzuheben. Vgl. dazu Hamburg und seine Bauten (wie Anm. 4), S.595-599; Schiefler (wie Anm. 6), S. 509-510; Tobias von Elsner, Kaisertage. Die Hamburger und das Wilhelminische Deutschland im Spiegel öffentlicher Festkultur (Europäische Hochschulschriften, Reihe 3, Bd. 471). Frankfurt/M-Bern-New York-Paris 1991, bes. S. 462-479.

Zurück zum Text  10. Die Expansion der Hamburger Wirtschaft, insbesondere seit dem Zollanschluß, erforderte einen Ausbau des Verkehrswesens, da zahlreiche Berufstätige täglich in die Innenstadt pendelten und auch viele Auswärtige aus geschäftlichen Interessen in die Hansestadt kamen. Die grundlegende Modernisierung des Schienennetzes erfolgte mit dem Bau des Hauptbahnhofes, der 1906 fertiggestellt wurde. Die alten Pferdebahnen wurden durch elektrische Straßenbahnen ersetzt und 1912 wurde eine erste Untergrundbahnstrecke eingeweiht. Vgl. Werner Jochmann: Handelsmetropole des Deutschen Reiches. In: Ders. (Hg): Vom Kaiserreich bis zur Gegenwart (Hamburg. Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner, Bd.2). Hamburg 1986, S.15-129, hier S.26. Zur sozialen und hygienischen Situation vgl. Richard J. Evans: Tod in Hamburg. Stadt, Gesellschaft und Politik in den Cholera-Jahren 1830-1910. Reinbek 1990.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
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