fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Dr. Rainer Hering: Der Fall "Nieland" und sein Richter.


Enno Buddes nationalsozialistisches Engagement hatte wohl auch zum Ziel, eine feste Planstelle im Staatsdienst zu erlangen. Festzuhalten ist aber, daß er nicht arbeitslos war, sondern sich in einer für einen Juristen durchaus angemessenen und ungekündigten Position als Geschäftsführer einer Handwerkskammer befand. Aber selbst wenn man den Parteieintritt als Mittel sieht, in den Staatsdienst zu gelangen, blieb es doch nicht bei diesem erforderlichen Mindestmaß. Budde publizierte zu einem Zeitpunkt, zu dem er bereits verbeamtet war, Artikel, in denen seine inhaltliche Übereinstimmung zumindest mit Teilen des nationalsozialistischen Ideologiekonglomerats, insbesondere der antisemitischen Rassenlehre, deutlich wurde:

1935 betonte er, daß "die Reinhaltung der Rasse lebensnotwendig zur Erhaltung der Rasse ist" und lobte die ehemaligen welfischen Judengesetze: "Blut und Boden drohen in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Judenemanzipation und durch die Bauernbefreiung eine neue Gefahr. Beiden Gefahren sind in Niedersachsen die Welfen mit einer einzigartigen Gesetzgebung begegnet. Der ewigen Rechtsidee, der Erhaltung der Rasse diente das hannoversche Judengesetz, das den Juden noch viel mehr Beschränkung als unsere heutige Ariergesetzgebung auferlegte. Die Folge war, daß der Zuzug fremder Juden fast unmöglich war. (...) Im großen und ganzen gesehen haben aber Blut und Boden in Niedersachsen den liberalistischen Zeitströmungen getrotzt und sind in ihrer Urart erhalten geblieben, bis der Nationalsozialismus 1933 das Gesetzgebungswerk zur Erhaltung von Blut und Boden in Angriff nahm. (...) Auch in der Ariergesetzgebung und dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses finden wir Gedanken aus altem niedersächsischen Recht wieder." Die Welfen galten ihm als "die Retter von Blut und Boden in Deutschland". Begriffe wie "artfremd", "artzersetzend", "Blutquelle", "Blut und Boden" durchziehen den Text, der mit dem Ausruf "Niedersachsen - Deutschland - Heil!" endet.(19) In einem anderen Aufsatz schrieb er: "Rasse und Blut sind nicht um ihrer selbst willen oder aus sich heraus da. Sie sind uns vielmehr von unserm Herrgott als ein Gnadengeschenk anvertraut. Sie sind die von Gott gegebene Größe".(20)

Auch dem Militarismus huldigte er: In einem Artikel zum 70. Jahrestag der Schlacht bei Langensalza, bei der 1866 die hannoversche Armee der preußischen unterlag und aufgelöst wurde, lobte er den Kampf an sich: "Der gesunde Instinkt läßt es sie fühlen, daß es innerlich nicht das Wichtigste ist, aus dem Kriege siegreich heimzukehren, sondern vielmehr überhaupt zu kämpfen." Die Schlacht sei als Beispiel "opferbereiten Deutschtums" zu feiern. Die nordische Rasse habe in Deutschland vornehmlich in Hannover-Niedersachsen ihre Heimat. Unter Berufung auf den Rasseideologen Hans Friedrich Karl Günther (1891-1968) hob er die Bedeutung der nordischen Rasse und die seit 1866 "nicht immer günstige[n] Einflüsse anderer Rassen im Gebiet der nordischen Rasse" hervor. Er betonte die völkische Ausrichtung der deutschen Geschichte und Gegenwart im "Dritten Reich", wofür er Adolf Hitler explizit dankte. (21) Ebenso lobte er die Wiedereinführung der Wehrhoheit 1935: "Diese Bedeutung der Tat Hitlers kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden." Bedingungsloser Gehorsam, auch wenn ihm dadurch Unrecht geschehe, sei ehrenhaft für einen Soldaten. "Die höchste Ehre aber für einen Soldaten ist es, sein Leben für sein Vaterland hinzugeben. Ohne Befehl gibt es für ihn im Kampf kein Weichen (...) Hart ist das Soldatentum aber schön, weil es ein Ehrendienst für Volk und Vaterland ist."(22)

1947 beschrieb er im Rahmen des Entnazifizierungsverfahrens seine Aktivitäten so: "Etwa Ende 1934 habe ich die Ortsgruppe Harburg der verbotenen und aufgelösten deutsch-hannoverschen Partei wieder ins Leben gerufen und bis zu ihrem Aufgehen 1945 in der von der Militärregierung genehmigten Niedersächsischen Landespartei getarnt unter dem Namen Heimatverein Harburg geführt. (...) Ich gehörte seit 1934 also zur niedersächsischen Freiheitsbewegung."(23)

Seite zurück  Eingangsseite  Seite vor

Zurück zum Text  19. Enno Budde, Die Erhaltung von Blut und Boden in Niedersachsen. In: Alt-Hannoverscher Volkskalender 38 (1935), S. 50-51.

Zurück zum Text  20. Enno Budde, Was sagt uns Langensalza heute? In: Alt-Hannoverscher Volkskalender 39 (1936), S. 58-59, das Zitat S. 58.

Zurück zum Text  21. Ebd., S. 58-59.

Zurück zum Text  22. Enno Budde, Rechte und Pflichten des Soldaten in Alt-Hannover. In: Alt-Hannoverscher Volkskalender 40 (1937), S. 83-85.

Zurück zum Text  23. StA Hbg., 221-11 Staatskommissar für die Entnazifizierung und Kategorisierung, L 2161, Anlage zum Fragebogen vom 19.1.1947.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Seite vor


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 16. August 1999
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de