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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik Die Beiträge der philologischen Arbeiten der Kritik in Europa weisen zur Zeit der Aufklärung einen Reichtum an Begriffen auf. Lateinische Schriften tragen die Bezeichnungen kritische Anmerkungen (animadversationes criticae), kritische Schreiben (litterae criticae), kritische Beobachtungen (observationes critices), historisch-kritischer Kommentar (commentatio historico-critica) oder kritischer Kommentar (commentatio critica). Die Schriften mit Begriffen wie Kritik oder critica erstrecken sich desweiteren in dieser Zeit auf Gattungen wie die kritische Anmerkung (adnotatio critica) oder den kritischen Brief (epistola critica), eine Variante des Gelehrtenbriefes. Als kritische Anmerkung (nota critica) werden von Heyne seine eigenen Anmerkungen zur Bibliothek des Apollodor bezeichnet. (17) Heyne erwähnt auch für das Medium der Literatur die Bezeichnung kritisches Büchlein (libellus criticus). (18) Im 19. Jahrhundert wird von den deutschen Autoren der Romantik der Begriff Kunstkritik genutzt. Eine seiner Quellen sind die Worte des neulateinischen Ausdrucks ars critica im ausgehenden 18. Jahrhundert. Kritik bezeichnet Heyne als kritische Kunst (ars critica) in seinem Schreiben Epistola ad virum doctissimum Raphaelem Fiorillo de finibus critici regundis gegenüber dem Göttinger Kunsthistoriker und Zeichner. (19) In seinen deutschsprachigen Schriften zur Altertumskunde stellt er die gelehrte Kritik neben die Diplomatik. (20) Als eine Form der Publikation nennt er die kritischen Nachrichten. (21) Heyne spricht vom Erfordernis einer aufgeklaerte[n] Kritik als Methode in der Altertumswissenschaft. (22) Von der Gattung Kritik spricht Heyne im Jahre 1803 in seiner Rezension von Jakob Siegesmund Becks Leipziger Schrift Observatio von der hoehern Critik. (23) In seiner von einem Schüler in das Französische übersetzten, die Verdienste seines Zeitgenosssens Winckelmann würdigenden Abhandlung werden die Ausdrücke sorte de critique und critique exacte genutzt, für die er vom Kritiker die Fähigkeit zur Nachahmung einer Idee fordert. (24)"Jedes Teil der Kunst muß mit der gleichen Idee (idée), dem gleichen Geist (esprit) examiniert und beurteilt (examiner, juger) werden, mit dem der Künstler es machte." (25) Unter seine Ausgaben von Schriften antiker Autoren fallen die Schriften der antiken Grammatiker -insbesondere Apollodoros sei hier genannt-, sowie Bearbeitungen der Schriften von römischen und griechischen Dichtern. Diese Tätigkeiten als Herausgeber und philologischer Kommentator erstrecken sich auch auf die von Heyne neben anderen Bearbeitern herausgegebenen Schriften und Schriftenreihen. Heyne betätigte sich in diesen Bereichen der Bearbeitung von Quellen als Kommentator, Übersetzer und Herausgeber in der Zeit zwischen der zweiten Hälfte der Vierziger Jahre des 17. Jahrhunderts bis zum Jahre 1812. Aus seinem Studium zu antiken Quellen mit dem Begriff iudicium seien hier seine Abhandlungen De accusatorum et iudiciorum publicorum ratione et ordine apud Romanos et Graecos, die in Göttingen im Jahre 1789 erscheint, und Iudiciorum de universitatibus litterariis recognitio anläßlich der Protoktoratsübergabe von Henrik August Wrisberg an Luiderus Kulenkamp in Göttingen im Jahre 1792 nicht ungenannt. In den philologischen Schriften zu Pindar und Apollodor erwähnt er Begriffe wie das kritische Studium (criticum studium) (26), kritische Mengen (copiae criticae) (27) und ihren Gegenstand, die kritische Sache (res critica). (28) Auf Kritik als Form der Darstellung verweist er mit dem Begriff kritische Anmerkung (adnotatio critica). (29) Heynes Beitrag zur methodischen Kritik ist mit Lehrveranstaltungen zur Hermeneutic und Critik - so die Bezeichnungen in den Ankündigungen seiner Vorlesungen in den Göttingischen Gelehrten Anzeigen - für die Erforschung der antiken Poetik und Rhetorik mit noch im 19. Jahrhundert vertretenen Begriffen ihrer Terminologie hervorzuheben. Heyne erkennt, daß Methoden wie Kritik und Interpretation Schwierigkeiten bereiten, deren kritischer Nutzen (criticus usus) bei einer philologischen Beschäftigung schließlich aus der Begabung und dem Verfahren (ex ingenio et ratione) des Bearbeiters hervorgeht. (30) Dabei läßt der Philologe auch die Bezeichnungen von antiken Schriften, die Textüberlieferung von Autoren untersuchen, nicht unberücksichtigt. Zu Pindars Schriften nennt der Wissenschaftler aus Göttingen die Kommentare (commentarii) des Eustathius. (31) In dieser Ausgabe von Pindars Werken spricht er auch von der kritischen Gattung (criticus genus). (32) Kritische Beiträge beziehen sich auf die Schriften von Gelehrten (scripta viri docti). (33) Beispiele sind die Schriften von jüngeren Kritikern (scriptum recentiorum criticorum), die in Form von öffentlichen Erzählungen (enarrationes publicae) verfaßt wurden. (34) Der Rhetoriker spricht auch -auf die argutia-Lehre der Redekunst zurückweisend- vom kritischen Witz (acumen criticum) in einer Abhandlung über Philostrats Gemäldebeschreibungen. (35) Den Ausdruck Witz des Urteils (acumen iudicii) nennt Heyne in einer anderen Abhandlung über die Universitätsgeschichte. (36) Die zweite Hälfte des Jahrhunderts ist ein Zeitalter, das für die Veranschaulichung von zeitgenössischer Forschung auf wissenschaftliche Traditionen der Kritik als Methode zur Überlieferung zurückgreift. Die tatsächlich erforderlichen Aufgaben der Rhetorik bei der Behandlung von Motiven der Dichtung stellt Heyne der Vortragskunst (Declamation) gegenüber: "Was nun dem Dichter als Dichter zukoemmt, ist: die Auswahl solcher Begebenheiten und Vorfaelle, die sich poetisch schoen vortragen lassen; der Vortrag ist entweder Erzaehlung, oder Gemaelde, oder Reflexion, die aber aus der Lage und besondern Natur der Sachen erwachsen, nicht ohne Veranlassung entstehen, und im Kreiße allgemeiner Saetze herum schweben muß; sonst wird es frostige Declamation." (37) Heyne erläutert in seiner Definition der historisch-kritischen Kunst (ars critica historica) das Verfahren der Beurteilung: "Hoc est iudicio docto subtiliore in constitudendis historiarum antiquarum monumentis et memoriis; earumque veritate et auctoritate." (38) Als Form für die Darstellung bei einer Auseinandersetzung mit der Geschichte (historia) nennt er das kritische Urteil (iudicium historiarum criticum). (39) Auch bei der Edition von Homers Werken spricht er vom Urteil (iudicium) (40) und der Feinheit von Kritikern (criticorum subtilitas). (41) Eine weitere Anwendung der Kritik (critica) erstreckt sich auf Gedichte (carmina). (42) Als Vertreter der griechischen Textkritik nennt Heyne in einer Abfolge ihres Hervortretens aus der kritischen Disziplin (e Critica disciplina prodiere) bei Werken Homers den Ptolichus, Amphio und Damocritus. (43) Heyne: Éloge de Winckelmann. 1783. S. 32.
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