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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


1.1.2 Die Terminologie des Urtheils in deutschsprachigen Rhetoriklehren vom Vormärz bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Heyne verband die Erforschung und Lehre von Rhetorik und Poetik mit den Methoden der Kritik und Erklärung von Schriften in Latein. Ludwig Aurbachs Werk Grundlinien der Rhetorik und Poetik, das in zweiter Auflage im Jahre 1838 in München erscheint, weist hingegen Termini in deutscher Sprache auf. In seinem Werk zur deutschsprachigen Terminologie der Rhetorik umschreibt Aurbach in der Einleitung ohne Verweis auf den lateinischen Ausdruck iudicium den Begriff Urtheilskraft mit dem Vermögen, als eine Bildnerin zu wirken, die gegebene Materialien nach einem gewissen Plane wählet, ordnet, verbindet und den Stoff in eine Form bringt. In der Tradition des Begriffs acumen in Werken der antiken Beredsamkeit sind für ihn der Witz und der Scharfsinn eine vorzügliche Urtheilskraft, die jeweils leicht und sicher die nächsten und die entferntesten Verhältnisse entdeckt, die dem gemeinen Menschenverstande -einem Begriff, der zur Bezeichung einer Eigenschaft neben dem Ausdruck sensus communis in der Rhetorik dient,- unbekannt bleiben würden. In Aurbachs Werk sind Begriffe, die den lateinischen Begriffen sensus, ratio, iudicium und ingenium aus der Rhetorik entsprechen, in deutscher Sprache aufgeführt. Ein richtiger Sinn, eine gründliche Vernunft, und eine gewandte Urtheilskraft bilden zusammen das Talent. Unter der Terminologie von Vorbegriffen der Beredsamkeit nennt Aurbach neben dem Urtheil die Begriffe Form der Gedanken, Materie, Denken, Denk- und Redeformen, Begriff, Reden, Wort, Satz, Schluß und Schlußrede. Bei seiner Eintheilung von Urtheilen und Sätzen unterscheidet er nach Categorien, die mit den Begriffen Form, Materie, Thema, Quellen, Gemeinörter, Eigenschaft, Größe, Verhältniß, Gleichheit, Aehnlichkeit und Verschiedenheit gebildet werden.

Nach zwei Konzepten von Begriffen unterscheidet Auerbach die Beredsamkeit. Zur Terminologie für die Allgemeine Rhetorik zählen die Begriffe Qualitat, Richtigkeit, Deutlichkeit, Gründlichkeit, Gewißheit, Quantität, Vollständigkeit, Kürze, Kraft, Relation, Ordnung, Zusammenhang und Maßverhältniß. Zur Terminologie für die Besondere Rhetorik zählen als Ausdrücke für Relationen die Begriffe Angemessenheit, Modalität hinsichtlich der Gegenstände der Vorstellung, Modalitäten hinsichtlich der Zustände der Vorstellungskräfte und Modalitäten hinsichtlich der ob- und subjektiven Standpuncte. Als Gattungsbezeichnungen benutzt er die Begriffe historischer Vortrag, wissenschaftlicher Vortrag, Lehrvortrag, witziger Vortrag, komischer Vortrag, reine Prosa, poetische Prosa, aesthetische Prosa, Selbstgespräch, Anreden und Unterredung. Aurbach gliedert die Poetik in das Dichten und die Dichtkunst des Gedichts. Unter der Terminologie von ihren Begriffen nennt er poetische Formen, bildliche Formen und historische Formen. Die Allgemeine Poetik unterscheidet er nach den Begriffen Qualität, Natur, Kunst, Schule, Mannigfaltigkeit, Einheit, Gehalt, Relation, Ordnung, Zusammenhang und Maß. Zu ihrer besonderen Theorie zählt der Ausdruck Modalität rücksichtlich der Gegenstände der Vorstellungen und die Begriffe historische Poesie, philosophische Poesie und Phantasie. Der Ausdruck Modalitäten rücksichtlich der Zustände der Vorstellungskräfte bezieht sich auf die Begriffe reine Poesie, prosaische (didaktische) Poesie und aesthetische Poesie. Der Ausdruck Modalität der ob- und subjektiven Standpuncte gilt für die Begriffe lyrische Poesie, epische Poesie, dramatische Poesie, witzige, komische und humoristische Poesie. (52)

Aurbachs Werk Vorschule zur Geschichte und Kritik der deutschen Prosa und Poesie, das in Kaufbeuren im Jahre 1837 erscheint, ist eine historische Darstellung von Autoren in Deutschland. Der erste Abschnitt ist gegliedert nach einem grammatischen Zeitraum mit Schriften altdeutscher Literatur. Im ersten Kapitel sind Schriften vor Erfindung des Bücherdruckes wie die Urkunden und Gesetzbücher, Werke von Mystikern, Kanzelrednern, Geschichtsschreibern und Chroniken aufgeführt. Im zweiten Kapitel werden für den Zeitraum nach der Erfindung der Buchdruckerkunst die Schriften von Martin Luther, Albrecht Dürer, Ulrich von Hutten, Götz von Berlichingen sowie Historikern, Kanzelrednern, Mystikern und Humanisten genannt. Im dritten Kapitel mit dem Titel Vom Verfall der deutschen Prosa sind Polyhistoren, Belletristen, Satiriker, Humoristen, Historiker, Theologen und Kanzelredner von Aurbach zusammengestellt worden. Im zweiten Abschnitt definiert der Autor den Begriff neudeutsche (prosaische) Literatur für den Zeiraum der Jahre von 1750 bis zum Jahre 1857 nach vier Kategorien (Classen). Zur ersten Klasse von Dichtern zählen Friedrich Gottlieb Klopstock, Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Jean Paul und Ludwig Tieck. Der zweiten Klasse von Historikern und Philosophen gehören die Historiker Johannes von Müller, der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Naturphilosophen, Pädagogen, Theologen und Kanzelredner an. In der dritten Klasse, den Altphilologen, sind Johann Joachim Winckelmann, Ephraim Lessing, Georg Hamann, Johann Gottfried von Herder, Friedrich Schlegel und Joseph Görres vertreten. In der vierten Klasse sind Geschäftsleute, Schulleute und Weltleute vertreten. Die zweite Abteilung zur Geschichte und Kritik der deutschen Poesie enthält eine Einleitung mit der Epochenbezeichnung Vorfrühling, die durch den Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock vertreten ist. Mit den Nennung von Vertretern einer Epoche, die Aurbach als aeltere Periode bezeichnet, werden in einem Rückblick auf das Zeitalter der Minnesänger mit den Begriffen lyrische Poesie, epische Poesie, Schulpoesie und Volkspoesie Werke dieser Zeit erläutert. Dem darauffolgenden Zeitalter der verschiedenen Bestrebungen und Nachahmungen werden Werke von Autoren, denen die Begriffe weltliche Poesie und geistliche Poesie zugeordnet sind. Die Epoche mit der Bezeichnung Neuere Periode ist durch ihre Koryphäen Lessing, Wieland, Goethe, Herder, Goethe, Schiller, Jean Paul, Ludwig Tieck und die Brüder Schlegel repräsentiert. Lyrische, dramatische Dichter mit ihren Tragödien, Komödien und dramatisierten Dichtungen und epische Dichter, die Epopöien, Romane, Novellen, Märchen und Übersetzungen verfaßten, unterscheidet Aurbach. (53)

Zurück zum Text  52. Vgl. das Inhaltsverzeichnis von: Aurbach, Ludwig: Grundlinien der Rhetorik und Poetik. München 21838.

Zurück zum Text  53. Vgl. die Gliederung von: Aurbach, Ludwig: Vorschule zur Geschichte und Kritik der deutschen Prosa und Poesie. Kaufbeuren 1837.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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