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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


1.2 Begriffe der Kritik in Dokumenten zur Dialektik

1.2.1 Kritik als Begriff des Dialogs in der Antike und Aufklärung

In der Antike werden die Aufgaben einer wertenden, prüfenden, und streng feststellenden Tätigkeit von den Kritikern als philologisches Verfahren der Textüberprüfung ausgeübt. Die Verwendung des Wortes bei Autoren in der griechischen Polis findet sich in den schriftlichen Dokumenten von Dialogen, die beispielhaft für eine Technik der sprachlichen Auseinandersetzung sind. In Platons Dialog Der Sophist wird die Trennungskunst mit den Bezeichnungen διακριτικη τεχνη und διακρισις im Gespräch mit seinem Gast, dem Sophisten, als ein Mittel zum Unterscheiden von Schlechterem vom Besserem (χειρον απο βελτιονος) und Gleichem von Gleichem (ομοιον) durch die Reinigung (καθαρμος) beschrieben. (84) Agricola spricht in seinen drei Büchern De inventione dialectica von der Unähnlichkeit der Kunst bei den Alten (dissimulatio artis apud veteres) und wendet sich damit gegen den Gedanken der mimesis für die Erkärung von antiken Autoren. (85)

In der Aufklärung greift Herder die Kritik als Allegorie in seinen Schriften auf. In einem Dialog treffen die Allegorien Kritik und Satire aufeinander. Diese beiden Figuren werden in seiner Fabel Kritik und Satyre in einem Gespräch über die Eigenschaften der beiden Gattungen als Personifizierungen zur Veranschaulichung der Begriffe verwendet. In seinem Dialog läßt er die Kritik, die ausgerüstet mit einem Szepter in der Hand auf dem Thron der Wahrheit sitzt, sich selbst als eine Richterinn des Wahren, Guten und Schönen bezeichnen. Die Satyre ist für sie eine Dirne mit der Geißel, die ihr von ihren Eltern Verstand und Wahrheit gegeben wurde. Diese wird auch von der Kritik auch als eine Tadlerinn, Spötterin und Höhnerinn des Vaters Sophron und der Mutter Euphrosyne bezeichnet, deren Onkel der Geschmack ist. (86) Gegenüber ihr beruft sich die Kritik bei der Frage ihrer Gesprächspartnerin nach ihren Urteilen auf eine Methode, die mit Gründen und Proben das Urteil parteilos und angemessen fällt: "Mit Gruenden, die ueberzeugen; mit Proben, die bewaehren; parteilos jederzeit, angemessen dem Gegenstande meines Urtheils und der Wirkung, die es hervorbringen soll. Meine Pfeile treffen und heilen; deine Streiche verwunden und heilen nie. Du verlachst, ich belehre und halte den guten Geschmack aufrecht." Die Belehrung dieser Dienerinn der Kritik verweist auf Vergleiche zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen: "Bemerke stets im Besondern das Allgemeine, das Allgemeine fuehre stets auf das Besondere zurueck." (87)

Zurück zum Text  84. Platon: Der Sophist. Griechisch-deutsch. Einleitung, Übersetzung und Kom-mentar von Helmut Meinhardt. Stuttgart 1990. 226. D. S. 50.

Zurück zum Text  85. Agricola, Rudolph: De inventione dialectica libri tres. Mit einem Vorwort von Wilhelm Rosse. Hildesheim und New York 1976. S. 311.

Zurück zum Text  86. Herder, Johann Gottfried: Werke zur schönen Literatur und Kunst. XI. Anhang. Bemühungen des vergangnen Jahrhunderts in der Kritik. XXXX. Tübingen 1805. S. 177-188. Zitate S. 178 u. S. 188.

Zurück zum Text  87. Herder: Werke zur schönen Literatur. XXXX. 1805. S. 189-201.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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