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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik
In Darstellungen aus dem alten Ägypten war der Gott Thot als Schreiber des Totengerichtes und
Urteilsverkünder nach dem Tode des Menschen tätig. Thot fuhr hier in einer Mondbarke, die der des
Sonnenkönigs Re nachfolgt. Die unkommentierte Ausgabe dieses Dialogs des Hermes Trismegistos
im Jahre 1706 ist ein Beispiel für das Interesse an antiken Schriften im Jahrhundert des Barock. (109)
Von den Griechen wurde dieser Gott mit Hermes gleichgesetzt. In einem Dialog des Hermes
Trismegistos mit dem in Form einer Schlange verehrten Gottes der Heilkunde, Asklepius, fragt der
Verkünder den anderen Gott nach den Verhältnissen zwischen einer Sache, die bewegt und dem
Objekt, das bewegt wird.
In Werken spätantiker Autoren und Kirchenväter finden sich Begriffe wie
     und     
bzw. critica und criticus in flektierten grammatikalischen Formen von Worten. In der Antike verweisen bereits
Schriften von Hippokrates und den Kirchenvätern auf das Adjektiv und Substantiv criticus,die in der
Terminologie der Mediziner üblich sind, und ihre Bedeutung für den Vorgang der Heilung. Bei
Hippokrates ist in einem Text das Verbum      
in dem Ausdruck     
           
überliefert. (110) Claudius
Ptolemäus verwendet in seiner Schrift   
         
        die Ausdrücke
      , Kriterium des Wirklichen
(          
     ), Krise (     )
und Gesetz (    ). (111)
Auch Stellen mit der Verwendung von criticus als Substantiv sind aus antiken Werken bekannt. Das Wort
criticus wird in der Sentenz Sia Iove defluens Luna ad Mercurium feratur plena luminibus, facit
criticos, id est boni iudicii des Astronom Julius Firmicus Maternus überliefert. (112)
Theologische Werke der Kirchenväter behandeln Formen der Kritik. Augustinus vermerkt in der
Schrift Confessiones zum Tadel (vituperatio) als Würdigung eines Fehlers (vitium): "Quid dignum
est vituperatione nisi vitium? Ego, ne vituperarer, vitiosior fiebam, et ubi non suberat, quo admisso
aequarer perditis, fingebam me fecisse quod non feceram, ne vederer abiectior, quo eram
innecentior, et ne vilior haberer, quo eram castior." (113) Der Theologe Johann Calvin beschreibt in
seinem Commentarius in epistolam ad Hebraeos den kritischen Spruch
(sermo        ), der den
Geist (mens) des Menschen wie aus einem Labyrinth zum Licht der Erkenntnis (in lucem
cognitionis) führt, und die Hypokrisis (hypocrisis): "Est igitur sermo dei
       , quia mentem
hominis quasi ex labyrintho quo prius tenebatur implicata, in lucem cognitionis educit. Nullae enim
densiores sunt tenebrae, quam infedilitatis; et hypocrisis horrendum in modum nos excaecat.
Tenebras illas discutit sermo Dei, hypocrisin profligat." (114)
109. Hermes Trismegistos: Die XVII Bücher des Hermes Trismegistos. Neuausgabe nach der ersten
deutschen Fassung von 1706. (Reprint München 1964). S. 26.
110. Wittern, Renate: Die Hippokratische Schrift De moribus I. Ausgabe, Über-setzung und Erläuterungen.
Hildesheim und New York 1974. Zeile 15. S. 26.
111. Ptolemäus, Claudius: The Criterion of truth. Essays written in honour of George Kerferd
together with a text and translation (with annotation) of Ptolemy´s On the Kriterion and
Hegemonikon. Edited by Pamela Huby and Gordon Neal. Liverpool 1989. 1.1., 1.4., 1.6. S. 182.
112. Maternus, Julius Firmicus: Matheseos libri VIII. Primus recensuit Carolus Suttl. Pars I. Leipzig
1894. 4, 10, 9. S. 186.
113. Augustinus von Hippo: Confessiones. Ed. Martinus Skutella. Stuttgart und Lei-pzig 1996. II, 3. S. 29.
S. 29.
114. Calvin, Johannes: Opera exegetica. Volumen XIX. Commentarius in epistolam ad Hebraeos.
Edidit Thomas Henry Louis Parker. Genf 1996. S. 68.
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