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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik 1.3 Die Überlieferung von Begriffen der Kritik in Dokumenten der Grammatik1.3.1 Bezeichnungen der Kritik in griechischen und lateinischen Grammatiken und Sprachlehren in der Spätantike und im BarockzeitalterIn Darstellungen aus dem alten Ägypten war der Gott Thot als Schreiber des Totengerichtes und Urteilsverkünder nach dem Tode des Menschen tätig. Thot fuhr hier in einer Mondbarke, die der des Sonnenkönigs Re nachfolgt. Die unkommentierte Ausgabe dieses Dialogs des Hermes Trismegistos im Jahre 1706 ist ein Beispiel für das Interesse an antiken Schriften im Jahrhundert des Barock. (109) Von den Griechen wurde dieser Gott mit Hermes gleichgesetzt. In einem Dialog des Hermes Trismegistos mit dem in Form einer Schlange verehrten Gottes der Heilkunde, Asklepius, fragt der Verkünder den anderen Gott nach den Verhältnissen zwischen einer Sache, die bewegt und dem Objekt, das bewegt wird. In Werken spätantiker Autoren und Kirchenväter finden sich Begriffe wie κρισις und κριτος bzw. critica und criticus in flektierten grammatikalischen Formen von Worten. In der Antike verweisen bereits Schriften von Hippokrates und den Kirchenvätern auf das Adjektiv und Substantiv criticus,die in der Terminologie der Mediziner üblich sind, und ihre Bedeutung für den Vorgang der Heilung. Bei Hippokrates ist in einem Text das Verbum κρινειν in dem Ausdruck προς της τεχνης κρινεται überliefert. (110) Claudius Ptolemäus verwendet in seiner Schrift περι κριτεριου και ηχεμονιον die Ausdrücke κρινειν, Kriterium des Wirklichen (το κριτηριον των ονττων), Krise (κρισις) und Gesetz (νομος). (111) Auch Stellen mit der Verwendung von criticus als Substantiv sind aus antiken Werken bekannt. Das Wort criticus wird in der Sentenz Sia Iove defluens Luna ad Mercurium feratur plena luminibus, facit criticos, id est boni iudicii des Astronom Julius Firmicus Maternus überliefert. (112) Theologische Werke der Kirchenväter behandeln Formen der Kritik. Augustinus vermerkt in der Schrift Confessiones zum Tadel (vituperatio) als Würdigung eines Fehlers (vitium): "Quid dignum est vituperatione nisi vitium? Ego, ne vituperarer, vitiosior fiebam, et ubi non suberat, quo admisso aequarer perditis, fingebam me fecisse quod non feceram, ne vederer abiectior, quo eram innecentior, et ne vilior haberer, quo eram castior." (113) Der Theologe Johann Calvin beschreibt in seinem Commentarius in epistolam ad Hebraeos den kritischen Spruch (sermo κριτικος), der den Geist (mens) des Menschen wie aus einem Labyrinth zum Licht der Erkenntnis (in lucem cognitionis) führt, und die Hypokrisis (hypocrisis): "Est igitur sermo dei κριτικος, quia mentem hominis quasi ex labyrintho quo prius tenebatur implicata, in lucem cognitionis educit. Nullae enim densiores sunt tenebrae, quam infedilitatis; et hypocrisis horrendum in modum nos excaecat. Tenebras illas discutit sermo Dei, hypocrisin profligat." (114)
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