fachpublikation.de

Hauptseite fachpublikation.de

Verzeichnis aller Publikationen

Verzeichnis aller Autoren

Schlagwortverzeichnis

Dokumente kostenlos publizieren
 

Impressum fachpublikation.de

 

 

Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Voss vermerkt nach dem Hinweis auf Stellen bei Aristoteles die Unterscheidung (discrimen) zwischen Kritik (Critica) und Grammatik (Grammatica). (132) Die Erweiterung der Kritik auf alle Gebiete (ad omnes disciplinas extendi) oder nach Martianus Capellas Vorbild ihre Übertragung auf die Logik (ad Logicam referre) wird als Ziel für die Autoren genannt. Der Führer (princeps) unter den in griechischer und lateinischer Sprache schreibenden Kritikern (Critici enumerati Graeci & Latini) ist Aristoteles. (133) Das Verwenden von Noten beim Zensieren von Büchern (notis usi in libris censendis) wird als Tätigkeit von Vertretern dieser Kunst genannt. (134) Kritiker und Grammatiker weisen bei anonymen Werken dem Schreibenden einen Namen zu (ipsi & Grammatici, Latini, hos secuti, nomen scriptori à se castigato apponebant). (135) Eine weitere Aufgaben (munus) der Kritiker ist das Beurteilen und Emendieren von Werken (criticorum duplex munus, judicium & emendatio). Die Skeptiker verneinen die Existenz von Eigenschaften der Grammatik und Kritik (Sceptici negant, esse aliquem Grammaticum, vel Criticum). (136) Voss führt als eine Hauptschrift für die Kunst der Kritik (ars critica) ein Werk von Pamphilus Alexandrinus an. (137) Tobias Magirus notiert in seinem Werk Eponymologicum criticum aus dem Jahre 1649 neben Zunamen (cognomina) die Beschreibungen (descriptiones), Elogien (elogia), Zensuren (censurae) von scharfsinnigen Personen (personarum arcerum) und die beiden Bezeichnungen ´Führer des kritischen Senats´ (senatus critici princeps) und ´Führer jedweder Schriften´ (omnis litteraturae dictator). Magirus benutzt Beschreibungen (descriptiones) von Führern (principes), unter den neben weltlichen und geistlichen Führern, Kirchenvätern, Philologen, Medizinern, Philosophen, Dichtern, Rednern und Historikern der Kritiker Aristarchus vertreten ist. (138) Magirus behandelt neben zeitgenössischen Kritikern wie Adrian Turnebus und Joseph Scaliger auch die Beschreibung des Biographen Sueton, der als süßer Schüler (dulcis Alumnus) der Weisheit, Musen und Charitinnen bezeichnet wird. Der Titel ´König der Kritiker´ (Rex criticorum) wird von Isaak Casaubon für Sueton gewählt, der in dem Gedicht von Magirus als ein Schüler und Erklärer (interpres) von Lehren (disciplinae) auftritt:

Qui Sophiae & Charitum & Musarum est dulcis Alumnus
Qui nusquam cuiquam nocuit, qui profuit omni.
Quo disciplinarum interprete tota superbit
Gallia, seu docto quondam Attica terra Platone.
Leodegarius à Quercu in eius Catarrhum, vid. & in obitum.
(139)

Für Turnebus sind bei Magirus Anreden wie ´Pfeiler der respublica literaria´ (reipublicae literariae columen), ´nur mit wenigen Vergleichbarer´ (vir in literis non nisi paucissimis, comparabilis), ´höchster Urheber der Schrift´ (summus harum litterarum conditor), ´Führer unter den Gelehrten´ (inter doctissimos princeps) und ´Hohes Licht´ (inclutae Lux alta famae) überliefert. Genutzt wird diese Lichtmetaphorik in der Bezeichnung lux criticorum auch für Thomas Dempster. Zu Plutarchs Tätigkeit als Zensor (censor) mit der Fähigkeit, ein Urteil (iudicium) auszuüben, notiert Magirus den Titel ´Zensor der Fürsten´ (Principum Censor): "Est quod in eo miretur libertum de re quaque judicium, ut non tam historicus, quam Principum Censor esse videatur. Sic tamen existimo, si quis idoneus est earum rerum arbiter, ut Plutarchum esse aut neminem, quid enim tantam sapientiam latere potuit. [...] ubi & censuram illius lege, cui parem habet." (140) Im Vorwort zu seiner Abhandlung Curae philologicae et criticae aus dem Jahre 1736 bemerkt Johann Christoph Wolff über die Erklärung (interpretatio): "Tertium, quod in his Curis propositum mihi habui, eo spectat, ut diversae locorum vexatiorum interpretationes conspecui legentium exhiberentur." (141)

Die Grammatiker behandeln im 19. Jahrhundert Methoden von Kritikern der Neuzeit. In Jakob Bernays Schreiben An Herrn Professor F. Ritschl vom 11. Juli des Jahres 1854 zu seiner Biographie über Scaliger heißt es in der Tradition der Symbolik des Baumes über das Urteil zu diesen Blättern über das Werk von Scaliger: "Nehmen Sie, theurer Lehrer und Freund, diese Blätter als eine wohlgemeinte Festgabe auf und schaffen Sie ihnen durch Ihre Fürsprache eine verstärkte Theilnahme in unserem Kreise. Damit meine ich nicht den weiten Kreis, welcher alle der Philologie Ergebenen verbindet; auch dort feierlich legt man auf Ihre Stimme eines der schwersten Gewichte; aber die pflegen dafür auch Ihr zu jenem Publikum gewendetes Urteil mit grösserer Strenge abzuwägen, als diese anspruchslosen Blätter herausfordern wollen." (142) Auf Christian Karl Bunsens Schrift Hippolytus and his Age aus dem Jahre 1852 nimmt Bernays Brief Ad Chr. Carolum I. Bunsenium de Hippolyti refutatione haeresium epistola critica vom 31. September 1851 Bezug. Veränderungen (mutationes) der Anordnung von Worten (in verborum ordinem) werden an den Stellen der Schrift (scriptura) im Vergleich von Texten von zwei Kodexen aufgezeigt. (143)

Zurück zum Text  132. Voss: Aristarchus. 1662. Buch I. Kap. VI. S. 27.

Zurück zum Text  133. Voss: Aristarchus. 1662. Buch I. Kap. VI. S. 25, S. 26.

Zurück zum Text  134. Voss: Aristarchus. 1662. Buch I. Kap. VI. S. 25.

Zurück zum Text  135. Voss: Aristarchus. 1662. Buch I. Kap. VI. S. 26.

Zurück zum Text  136. Voss: Aristarchus. 1662. Buch I. Kap. III. S. 13.

Zurück zum Text  137. Voss: Aristarchus. 1662. Buch I. Kap. VI. S. 25; Buch II. Kap. V. S. 177; Buch II. Kap. XVII. S. 229.

Zurück zum Text  138. Magirus, Tobias: Eponymologicum criticum ex principum Sacrorum, secula-rium, Virorum Togatorum, Sagatorum, Locorum ingisnium, Patrum, Philologo-rum, Ictorum, Medicorum, Philosophorum, Poetarum, Oratorum, Historicorum descriptionibus, in utramque partem cognomentorum luxta, quibus noti ac notati, varietate delenifica locupletius concinnatum, cuius usum & oclectationem, ante-fatio, cognomentorum titulorum selectiorum apices, index praemissus pandit. Frankfurt am Main 1649. S. 184-185. Magirus: Eponymologicum criticum. S. 105-114. Zitat S. 107.

Zurück zum Text  139. Magirus: Eponymologicum criticum. 1649. S. 200.

Zurück zum Text  140. Magirus: Eponymologicum criticum. 1649. S. 523.

Zurück zum Text  141. Wolf, Johann Christoph: Benevolo lectori S. In: Ders.: Curae philologicae et criticae in IV. SS. evangelia et acrus apostolicos. Editio tertia. Hamburg 1739. S. 7-14. Zitat S. 9.

Zurück zum Text  142. Bernays, Jakob: Joseph Justus Scaliger. Neudruck der Ausgabe von 1855. Osnabrück 1965. O. S. S. 1.

Zurück zum Text  143. Bernays, Jakob: Gesammelte Abhandlungen von Jakob Bernays. Heraus-gegeben von Hermann Usener. Erster Band. Berlin 1885. S. 291-326.

 

Seite zurück  Eingangsseite  Inhaltsverzeichnis  Seite vor  Graphiksonderzeichen-Version


Home | WorldWideBooks | imMEDIAtely


Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
Bei Fragen und Anregungen zu dieser Website wenden Sie sich bitte an: webmaster@fachpublikation.de