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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


1.3.2 Critica als Bezeichnung für Sprachlehren zur lateinischen Grammatik der späten Neuzeit

Im frühen 18. Jahrhundert wird die bildliche Symbolik des Kritikers in den Schriften zu den Quellen und Autoren des Barockzeitalters durch die Sammlung von Begriffen und Vertretern der Kritik erweitert. Zu diesen Schriften über historische Persönlichkeiten gehört Daniel Friderich Janis Werk De doctoribus umbraticis eorumque variis incommodis in republica litteraria commentarius, das im Jahre 1720 gedruckt wird. Dem Kommentar folgt sein Philologisch-Critisches Schul-Lexicon der reinen und zierlichen Latinitaet im Jahre 1753. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden in Lexika mit den seit der Antike bekannten Termini und deren Erweiterungen durch Neologismen des Stammes von Johann Matthias Gesner und Johann Leonhard Frisch Bearbeitungen von Texten nach der neulateinischen Grammatik aufgezeichnet. Vom Begriff Urteil (iudicium) leitet Johann Matthias Gesner in seinem Werk Neu ausgefertigte und zum Gebrauch gedachter Schulen eingerichtete Cellarianische Lateinische Grammatic und Woerterbuch Formen von Verben, Substantiven und Adjektiven in seinen lateinischen Darstellungen im Jahre 1740 ab. Gesner verzeichnet hier für die Begriffe Gericht und Urtheil das Wort iudicium und erweitert das Substantiv um die Nebenbedeutungen das vorhergegangene (unzeitige) Urtheil und Vorurtheil für den lateinischen Ausdruck praeiudicium. Weitere abgeleitete Formen von diesem Wortstamm sind Richter (iudex) und gerichtlich werden (iudiciarius und iudicialis). Bei den Verben unterscheidet Gesner zwischen den deutschen und lateinischen Ausdrücken richten (iudicere), absprechen (abiudicere), zuerkennen (abiudicare), richten und entscheiden (diiudicare) und vor der Zeit richten (praeiudicare). (144) In Johann Leonhard Frischs Werk Teutsch-Lateinisches Woerter-Buch werden im Jahre 1741 Begriffe mit den Bezeichnungen ursprüngliche Wörter, hergeleitete zusammengegesetzte allgemein gebräuchliche Wörter und Teutschen Benennungen aus den Gattungen der Literatur des Mittelalters - den mittlern Zeiten - in Historien, Chroniken, Uebersetzungen, Reimen mit ihren veralteten Woertern und Ausdrueckungen als Quellen für Belegstellen des Wortes Urteil (iudicium) herangezogen. Die neulateinische Schreibweise von Verben für Tätigkeiten wie das Beurteilen als judicare mit der Bedeutung Urtheil fällen anstelle der antiken Schreibung als iudicare ist bei Frisch zu finden. Gesner notiert Komposita für die Tätigkeitsverben eine Steit-Sache richten, entscheiden und deren lateinisches Äquivalent judicare mit den Nebenformen judicium exercere; sententiam dicere, pronunciare, dem Verb vor der Zeit richten mit den Nebenformen controversiam dijudicare, ad leges exigere, rem praejudicare und das Substantiv Richter (iudex). (145)

Der Engländer Eduard Gibbon beschreibt in seinem Werk Versuch über das Studium der Litteratur, das im Jahre 1792 von Johann Joachim Eschenburg in das Deutsche übersetzt wird, Aristoteles als den Vater der Kritik. Gibbon gliedert die Kritik in die Disziplinen Sprachlehre und Sprachkunde, die eine Kenntnis der Handschriften für die Beurtheilung untergeschobener Werke und Wiederherstellung verderbter Stellen erfordern. Weitere Disziplinen der Kritik werden von Gibbon auch als Theorie der Dichtkunst und Beredsamkeit und als Prüfung der Tatsachen bezeichnet. (146) Von den Philologen werden die Bezeichnungen ´kritische Untersuchung´ (disquisitio critica) und ´philologisch-kritische Streitschrift´ (disputatio philologico-critica) als Titel für ihre Schriften verwendet. Die Bezeichnung ´historisch-kritische Abhandlung´ (dissertatio historico-critica) für eine derartige Form der Abhandlung wählen Polykarp Schacher und Johann Schmid als Titel ihrer Dissertatio historico-critica de feminibus, die im Jahre 1738 über die Frau in der Antike gedruckt wird. Die Annalen des Tacitus werden in der Abhandlung mit dem Titel Dissertatio de critica arte in annalibus von Christian Rösler im Jahre 1789 als Schrift über die Kritik (critica ars) behandelt.

Zurück zum Text  144. Gesner, Johann Matthias: Neu ausgefertigte und zum Gebrauch gedachter Schulen eingerichtete Cellarianische Lateinische Grammatic und Woerterbuch. Ueber dasjenige, was sonst in irgend einem Schulbuch dieser Art befindlich, sind auch bequeme Tabellen der Roemischen Gewichte, Maaß und Muenzen hinzu-gefueget worden. Göttingen 1740. S. 97-98.

Zurück zum Text  145. Frisch, Johann Leonhard: Teutsch-Lateinisches Wörter-Buch. Nebst einem Register der lateinischen Woerter. Berlin 1741. S. 117.

Zurück zum Text  146. Gibbon, Edward: Versuch über das Studium der Litteratur in der deutschen Übersetzung von Johann Joachim Eschenburg. Hamburg 1792. S. 32-33.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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