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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Jacobs Korrespondenz ist in Briefen mit den Anreden An Herrn Hofrath Böttiger in Dresden und An Herrn Stattsrath von Morgenstern zu Dorpart, sowie Briefen mit den Titeln Epistola ad Fridericum Guilielmum Doeringium gymnasii illustris Gothani directorem senem felicissimum aus dem Jahre 1824 aus Gotha und Epistola ad Fridericum Kriesium Thorunensem an einen Lehrer, der während seiner Tätigkeit in Gotha am Gymnasium seine Feier (solemnia semisaecularia) am 2. November des Jahres 1839 abhält, und der Schrift Friederico Creuzero, professori Universitatis Heidelbergensis meritissimo dokumentiert. (156) In dem Brief des Hofrats Karl August Böttiger in Dresden vom Februar 1828, der als Antwortschreiben zum Briefe des Sendschreibens de varia ratione inscriptiones interpretandi obscuras die Phronesis als Mutter der Philologie bezeichnet, heißt es bei der Behandlung dunkler Inschriften, daß die Kritik an die Züge der Buchstaben zu fesseln ist. (157) In diesem an Jacobs über die diplomatische Kritik und die Conjecturalkritik gerichteten Schreiben werden die Tugenden der Kritiker personifiziert:

"Denn auch diejenigen, die sich in der Ausübung nicht von Willkuer frei erhalten, werden sie doch in der Theorie nicht gestatten; und alle, selbst die vermessensten Conjecturenschoepfer werden ohne Bedenken mit dem Verfasser des Sendschreibens behaupten, daß die Mutter der Philologie die Phronesis sei und daß sie keine andere Fuehrerin als diese anerkennen. Aber so wie das ganze Leben, so ist auch das Gebiet der Wissenschaften mit Daemonen angefüllt, die ihre Gestalt wunderbar zu veraendern verstehen, so daß es auch dem Besonnensten in unbewachten Stunden begegnen kann, daß er an der Hand der sittsamen Phronesis einherzugehen glaubt, waehrend ihn eine vermessene Aphrosyne am Schopfe haelt, und ihm am nahen Ziele ein Irrlicht zeigt, in welchem er die reine Fackel der Wahrheit zu erkennen meint. Die beschraenkenden Zusaetze, mit denen der Verf. des Sendschreibens den eben erwaehnten Grundsatz begleitet hat, sollen uns, denk´ ich, belehren, daß seine Meinung nicht sei, bei der Behandlung dunkler Inschriften die Kritik so an die Zuege der Buchstaben zu fesseln, daß er durchaus jeden Versuch, durch Veraenderung der Schreibelemente Licht in das Dunkel zu bringen, verwerfe; oder, wenn er dasjenige, was man schoene Conjecturen nennt, wegzuscherzen scheint, der Conjekturalkritik den Zugang zu diesem Gebiete gaenzlich versagen wolle. Wie könnte er auch? Denn wie unguenstig man immer im Ganzen von jener Art der Kritik urtheilen mag, die das Rechte durch das Rathen sucht, so viel gesteht auch der eifrigste Verehrer der diplomatischen Kritik unter den Philologen zu, daß bei der Behandlung der alten Denkmaeler, die durch Handschriften auf uns gekommen sind, selbst die beste Handschrift die Anwendung der Conjecturalkritik nicht ueberall entbehrlich mache, und daß diese meist in dem Grade unentbehrlicher werde, in dem sie die Zahl und Mannichfaltigkeit der diplomatischen Zeugen vermindert. Oder waere es in der That moeglich gewesen, den homerischen Hymnus, die Ceres, das Lexikon des Hesychius, die roemische Geschichte des Vellejus, das Gastmal des Athenaeus und noch aehnliche Werke, die sich nur in einer Handschrift, oder in wenigen Copien der Einen erhalten haben, ohne Conjecturalkritik soweit herauszustellen, als es bis jetzt geschehen ist? [...] Ist es nun nicht offenbar, daß von dem einen, wie in dem andern Fall, da die festgehaltenen Buchstaben der Abschrift, so wie sie nun eben vorliegt, keinen Sinn geben, oder den bekannten und sicheren Gesetzen der Sprache widerstreben, die vermuthende Kritik eintreten, die Suenden und Nachlaessigkeit oder Unwissenheit versoehnen, und den verwachsenen und verdunckelten Weg durch Rathen aufspüren müsse?" (158)

Zurück zum Text  156. Jacobs, Friedrich: Reden, litterarische Briefe und zerstreute Blätter. In: Ver-mischte Schriften. Achter und letzter Band. Leipzig 1844. Vgl. die Abschnitte S. 48-71; S. 110-129; S. 176-221; S. 246-248.

Zurück zum Text  157. Jacobs: Reden, litterarische Briefe und zerstreute Blätter. 1844. S. 49 und S. 50.

Zurück zum Text  158. Jacobs: Reden, litterarische Briefe und zerstreute Blätter. 1844. S. 48-71. Zitat S. 48-52.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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