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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Jacobs beschreibt ausdrücklich ohne die Absicht einer Beurteilung in einem Brief an Friedrich Kriese in Gotha als Aufgaben für die zukünftigen Rhetoriker in Deutschland mit seiner Hoffnung auf den Geist (ingenium) und die Disziplin (disciplina) dieser Redner (oratores) das Bezwingen (compescere) der Menge von Worten (copia verborum) auf dem Felde der Beredsamkeit (eloquentiae campus): "De hoc re itaque non iudico; sed sperare licet, quum tam amplus eloquentiae campus sit apertus, fore, ut in Germania quoque oratores proveniant, qui ingenium disciplina ad id, quod opus est, dirigant, copiam verborum, quae per se vana et inanis est, impetum naturae sapientia compescant." (159) Auch Reinhold Bechstein, der für eine Bestimmung des Begriffs Kritik des Textes die Bezeichnung Conjecturalkritik benutzt, vermerkt im Jahre 1866 zum Verfahren der Ermittlung des poetischen Werths der Dichtung: "Und diejenigen dramatischen Dichtungen, welchen man jetzt schon poetischen Werth nicht abzusprechen vermag, werden gewiss in noch günstigerem Lichte erscheinen, wenn für sie die Thätigkeit der Textkritik begonnen haben wird, welche auf diesem Felde mit einzelnen wenigen Ausnahmen bis jetzt nur in untergeordneter oder willkürlicher Weise gehandhabt worden ist." (160) Hermann Paul unterscheidet in seinem Werk Grundriss der germanischen Philologie im Jahre 1891 für seine Methodenlehre in die Verfahren der historische Kritik, Textkritik und der Kritik der Zeugnisse. Zu den Verfahren der historischen Kritik, der Kritik der Zeugnisse und Textkritik vermerkt Paul unterschiedliche Methoden der Bearbeitung von ihren Quellen: "So müssen sich historische Kritik und Geschichte der Poesie und Mythologie in die Hände arbeiten. Diese Art der Kritik findet übrigens ihre Anwendung nicht bloss auf die ältesten Überlieferungen. [...] Die Textkritik wird beginnen mit einer Untersuchung über Beschaffenheit und Herkunft der Grundlagen, Drucke und mündlichen Überlieferungen. Ihr Gegenstand ist die Originalaufzeichnung, die Abschriften mit den Verschreibungen und die Drucke." (161)

Von Paul werden auch die mündliche Überlieferung, die Bildung eines Gesamturteils über die Autorität und die Wiederherstellung des Ursprünglichen als Begriffe für Verfahren im Umgang mit dem Werk des Autors erwähnt. (162) Paul erläutert als eine Form der Bearbeitung von Schriften die Methode der Korrektur des sprachlichen Ausdrucks. Eine besondere Form der Bearbeitung wird auch bei Paul mit dem Begriff der Konjekturalkritik beschrieben: "Handelt es sich darum, etwas, was gar keinen oder einen unangemessenen Sinn hat, durch etwas Angemessenes zu ersetzen, so ist dabei die nämliche Operation zu vollziehen wie wenn der noch unbekannte Sinn eines Wortes oder einer Wendung errathen wird." (163) Jakob La Rosche beschreibt in der Vorrede zu seiner Schrift Die Homerische Textkritik im Alterthum vom 15. März des Jahres 1866 in Wien die antike Quelle als das kritische Material der niederen Kritik: "Die niedere Kritik aber hat es nicht damit zu tun, die ursprüngliche Form dieser Gedichte zu ermitteln, sondern, da wir nicht bis über die Alexandriner zurückgehen können, diejenige Gestalt des Textes zu finden, wie die Alexandrinischen Grammatiker, oder besser gesagt Aristarch, denselben festgestellt haben. (164) Die Bearbeitung von Homers Werken im Altertum wird von la Rosche mit einem Anhang über die Handschriften von Homers Werk behandelt. Auch für die Bestimmung des Textes durch die Kritik an seinem Werk weist Jakob la Rosche auf die Rekonstruktion der ursprünglichen Form als Methode der Textkritik: "Eine Geschichte der Homerischen Textkritik hat die Aufgabe, nachzuweisen, wie sich der Text der Homerischen Gedichte seit der ersten schriftlichen Aufzeichnung derselben im Laufe der Zeit gestaltet hat und zugleich darzulegen, welche Mittel uns jetzt noch zu Gebote stehen, um der ursprünglichen Form desselben möglicht nahe zu kommen." (165) Die Grenzen der Textkritik werden in der Moderne von Philologen untersucht. Johann Wilhelm Adolf Kirchhoff vermerkt im Vorwort zu seinen Exkursen (excursi) über die Odyssee Homers im März des Jahres 1879 in Berlin den Verzicht auf Gewissheit und Uebereinstimmung : "Zum Schlusse wiederhole ich mit Bedacht die bereits früher abgegebene Erklärung, dass das Höchste, was ich zu hoffen wage, nie mehr gewesen ist, als dass es mir gelingen werde, vorurtheilslose und selbstthätiger Prüfung gewachsene Köpfe von der ungefähren Richtigkeit der hauptsächlichsten Resultate meiner Aufstellungen zu überzeugen, und dass ich nicht naiv genug bin zu glauben, dass auf dem Boden solcher Untersuchungen, wie die vorliegende, zu völliger Gewissheit und Uebereinstimmung bis zu den Einzelheiten je gelangt werden könne." (166) Friedrich Blass beschreibt in der Einleitung seiner Abhandlung Die Interpolation der Odyssee als Grenzen der Ueberlieferung die eigene Konstruktion und Konjektur: "Ein sehr großer Schaden war, dass allzusehr an die Stelle der Ueberlieferung die eigene Konstruktion und Konjektur gesetzt wurde, oder auch die Lücken der Ueberlieferung frei und zuversichtlich eingefügt, gleich als könne man alles." (167) Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff schreibt in der Einleitung zu seinem Werk Die Ilias und Homer im Jahre 1916 über die Ungerechtigkeit des definitiven Textes folgenden Satz: "So wird bei der Konstituierung des definitiven Textes manches geschehen sein, was wie bedauern; aber es wäre die ärgste Ungerechtigkeit, unsern Dank an die alexandrinischen Kollegen herabzumildern." (168)

Im 20. Jahrhundert werden Grammatiken von Altphilologen in deutscher Sprache verfaßt. Johann M. Stahls Werk Kritisch-historische Syntax des griechischen Verbums der klassischen Zeit behandelt im Jahre 1907 die Lehren von den Wortarten mit den Begriffen Genus, Tempus und Modus für nominale Verbalformen, zu denen er über ihre Prüfung vermerkt: "Für die empirische und historische Betrachtung aber stellt sich, wenn sie den wirklichen Tatbestand genau ermitteln will, noch eine weitere Notwendigkeit ein, die, das überlieferte Tatsachenmaterial kritisch zu prüfen." (169) Ferdinand Sommers Abhandlung Kritische Erläuterungen zur lateinischen Laut- und Formenlehre erscheint im Jahre 1914 in der Indogermanischen Bibliothek als eine Vorarbeit zum Handbuch der lateinischen Laut- und Formenlehre. Sommer erwähnt hier den Wechsel der Schreibung von Cesor zu Censor in neueren lateinischen Inschriften. (170)

Zurück zum Text  159. Jacobs: Reden, litterarische Briefe und zerstreute Blätter. 1844. S. 176-221. Zitat S. 212.

Zurück zum Text  160. Bechstein, Reinhold: Zum Spiel von den zehn Jungfrauen. Insbesondere ein grammatischer und kritischer Nachtrag zu Ludwig Bechsteins Wartburg-Bibliothek I. Dissertation zur Erlangung der venia docendi bei der philosophischen Facultät in Jena welche am XXXI. Januar MDCCCLXVI öffentlich vertheidigen wird Rein-hold Bechstein. Jena 1866. S. 30 und [Vorwort] S. 1-2.

Zurück zum Text  161. Paul, Hermann: Grundriss der germanischen Philologie. Herausgegeben von Hermann Paul. Straßburg 1891. Paul: Grundriss. S. 176, S. 178, S. 176, S. 180; S. 188-191. Zitat S. 190-191.

Zurück zum Text  162. Paul: Grundriss. 1891. S. 181; S. 183; S. 186.

Zurück zum Text  163. Paul: Grundriss. 1891. S. 187.

Zurück zum Text  164. La Rosche, Jakob: Die Homerische Textkritik im Alterthum. Nebst einem An-hange über die Homerhandschriften. Leipzig 1866. S. VII-VIII. Zitat S. VII.

Zurück zum Text  165. La Roche: Die Homerische Textkritik. 1866. S. 1.

Zurück zum Text  166. Kirchhoff, Johann Wilhelm Adolf: Die Homerische Odyssee. Berlin 1879. S. XII.

Zurück zum Text  167. Blass, Friedrich: Die Interpolationen der Odyssee. Eine Untersuchung. Halle 1904. S. 1.

Zurück zum Text  168. Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Die Ilias und Homer. Berlin 1916. S. 13.

Zurück zum Text  169. Stahl, Johann M.: Kritisch-historische Syntax des griechischen Verbums der klassischen Zeit. Heidelberg 1907. (Reprint Hildesheim 1965). S. 6.

Zurück zum Text  170. Sommer, Ferdinand: Handbuch der lateinischen Laut- und Formenlehre. Eine Einführung in das sprachwissenschaftliche Studium des Latein. Bd. 1. Einleitung und Lautlehre. Von Raimund Pfister. Heidelberg 1977. S. 80. 136.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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