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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


1.3.4 Die Begriffe der Kritik in philologischen Beiträgen zur Grammatik der deutschen Sprache in der Aufklärung und Romantik

In Abhandlungen aus der Epoche der Aufklärung erproben Philologen den Vergleich von antiken und zeitgenössischen Sprachen. Ein Benutzer von Methoden der Kritik von einzelnen Sprachen durch Vergleiche ist im Jahre 1793 Johann Hyacinth Kistemaker mit seiner Schrift Kritik der griechischen, lateinischen, und deutschen Sprache. Im Paragraphen 22 der Schrift Kurzer Begriff aller Wißenschaften bemerkt Johann Georg Sulzer im Jahre 1759 zu den Methoden der Wortcritik und Critik der Künste in der Philologie ihre Regeln: "Die todten Sprachen koennen nicht anders, als aus den Schriften, welche darin geschrieben sind, erlernt werden. Diese Schriften aber sind durch sehr viele Haende und sehr oft wiederholte Abschriften auf uns gekommen. Es ist deshalb natuerlich, daß der Text solcher Schriften an sehr vielen Orten verdorben und verstellt worden. Daher ist noch ein neuer Theil der Philologie entstanden, welcher die Wortcritik kann genennt werden, zum Unterschied der Critik der Künste, wovon wir hernach reden werden. Diese enthaelt die Regeln, nach welchen man von der Richtigkeit der Textes eines in einer todten Sprache geschriebenen Werkes urtheilen soll, und beschreibt die Huelfsmittel, wodurch verdorbene oder verfaelschte Stellen koennen verbessert werden. Der beruehmte le Clerc hat in seinem schoenen Werk, welches unter dem Titel Ars Critica bekannt ist, diese Wortcritik mit vieler Gruendlichkeit abgehandelt." (171)

Definitionen von philologischer Kritik zu Werken in deutscher Sprache werden auch in allgemeinen Wörterbüchern in der Aufklärung zur Erklärung von ihren Methoden eingesetzt. Diese Definitionen von Kritik weisen noch auf ihre Anwendung in den artes liberales und Schönen Künste hin. Das Curieuse und reale Natur-Kunst- Berg- Gewerck- und Handlungs-Lexicon ordnet im Jahre 1731 mit dem Begriff critica diese Disziplin den Sprachlehren zu. Johann Hübner sammelt in seinem Lexikon unter den Arten von Bezeichnungen gebraeuchliche Kunst-Woerter und termini technici aus den Bereichen der Erforschung von Physik, Medizin, Botanik, Chemie, Anatomie, Chirurgie und Apothekerkunst, Mathematik, Astronomie, Mechanik, bürgerlicher und Kriegsbaukunst, Schiffahrt, galanten und ritterlichen Exerzitien, Bergwerk, Jägerei, Fischerei, Gärtnerei, Kauffmannschaft, Buchhaltung, Künstlern, Handwerk, Handel und Jura. Dem Wortfeld der Kritik gehören die Begriffe Crisis, Criterium, Critica und Criticus und critisiren an. So schreibt Hübner im Curieusen und realen Natur-Kunst- Berg- Gewerck- und Handlungs-Lexicon im Jahre 1731 zur Bedeutung des Begriffs Crisis in der Medizin: "Der Wechsel der Krankheit, wenn selbige entweder nachlaesset oder aerger wird, ist entweder Perfecta oder Imperfecta, jene befreyet den Krancken gaentzlich von seiner Kranckheit, entweder zum Leben oder zum Tode, in welchem Fall sie I) aus unfehlbaren Zeichen geurtheilet wird, 2) offenbar, 3) an dem Wechsel-Tagen eintreffend, 4) glaubwuerdig 5) sicher, und 6) mit des Patienten Kranckheit und Natur uebereinkommend ist. Crisis imperfecta wird genennet, aus welcher die Kranckheit noch nicht recht kann beurtheilet werden, sondern nur zum Theil, und zwar so, daß noch eine solche Crisis abzuwarten; sie ist aber ebenfalls zweyerley, als zur Genesung oder Verschlimmerung; jene ist darum keine voellige, denn der Partient befindet sich nur etwas besser; diese macht aber die Kranckheit etwas gefaehrlicher, als sie gewesen, ob wohl nicht gleich toedtlich; Es koemmt aber alle solche Abwechselung von dem Lauff der Gestirne, ihren Influentiis und Aspecten (nach einiger ihrer Meynung) her, wiewohl die wenigsten Physici ihnen beystimmen, sondern vielmehr dafuer halten, (welche denn auch das sicherste) daß, nachdem die boese und die Kranckkeit verursachende Materie in dem Patienten zunimmt, oder ausgetrieben wird, solcher Kranckheits-Wechsel sich auch begeben koenne." (172)

Zurück zum Text  171. Sulzer, Johann Georg: Kurzer Begriff aller Wißenschaften und andern Theile der Gelehrsamkeit, worin jeder nach seinem Inhalt, Nutzen und Vollkommenheit kürzlich beschrieben wird, Zweyte ganz veränderte und sehr vermehrte Auflage. Leipzig 1759. S. 19.

Zurück zum Text  172. Hübner, Johann: Curieuses und reales Natur-Kunst- Berg- Gewerck- und Hand-lungs-Lexicon. Leipzig 1731. Sp. 560.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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