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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Der Begriff Criterium wird für die Bezeichnung einer Sache als Criterium veritatis, "woraus man von der Wahrheit einer Sache urtheilen kann", von Hübner genutzt. In historischer Betrachtung wird der Begriff in der Philosophie definiert: "Die Philosophi suchen dieses Criterium entweder in den Sinnen, oder in dem Verstande; und die Sceptici oder Pyrrhonici glauben, daß gantz und gar kein solches Criterium zu finden sey." (173) Die Begriffe Critica und Criticus werden von Hübner als "die genaue Untersuchung eines Dinges. Daher ist Criticus ein Mensch, der alles sehr genau untersucht. Man verstehet meistens durch die Critic eine Wissenschaft, die verderbten Stellen eines alten Autoris zu verbessern." erläutert (174) Aus dem lateinischen Wortschatz wird der Ausdruck critica signa für die Heilkunde übernommen: "Critica signa sind diejenigen Zeichen, aus welchen der Krankheit-Wechsel abgenommen wird, solche sind nun entweder antecedentia, vorhergehende, welche die Zeit und Art des Wechsels andeuten, oder es sind concomitantia, mitbegleitende Zeichen, welche zugleich mit der Wechselungs-Art ausbrechen, oder es sind subsequentia, welche weisen, ob eine vollkommene Gesundheit, oder ein Wiederkommen der Krankheit zu erwarten." (175) Den Ausdruck Critici dies definiert das Lexikon als "diejenigen Tage, in welchen die Krankheit zum Boesen oder Guten ausschlaegt, schlimmer oder besser wird. Es sind aber solche Dies Critici dreyerley Arten, als 1. vere & perfecte critici, 2) indices. 3) intercidentes. Die ersten, welche auch principes oder radicales genannt werden, haben alle Zeichen einer vollkommenenen Veraenderung zum Leben oder Tod, und sind beschlossen in dreyen sieben Tagen, als da ist der siebende, vierzehrende und ein und zwanzigste Tag. Indices, (welche auch contemplabiles oder internuncii genennet werden) sind diejenigen, welche anzeigen, daß den bevorstehenden siebenden Tag ein Wechsel erfolgen werde, und solcher sind drey an der Zahl, als der vierte, eilffte und siebenzehnende. Intercidentes, sonst auch intercalares seu irrepentes, mit einschleichende, vel provocatorii genannt, sind diejenigen, welche zwischen vorigen beyden einfallen, und mit unvollkommenen Wechselungen allein zu thun haben, der gleichen sind der dritte, fuenffte, neunte, dreyzehende und neunzehende Tag; alle die uebrigen Tage, welche entweder principes, noch iudices, noch intercidentes seyn, werden vacui & Medicinales genannt, und solche sind der sechste, achte, zehende, zwoelffte, sechzehende und achzehende Tag. Den Anfang der Dierum Criticorum rechnet man von der Stunde, in welcher der Krancke sich wuercklich und mercklich unpaß befindet, wobey aber auch zu mercken, daß hiesiger Landen des Hippocratis seine Ausrechnung der Wechsel-Tage nicht eintreffe, sondern sie bestehen vielmehr, nachdem die die Kranckheiten verursachende Materia eher oder spaeter zu ihrer Fermentation und Zeitigung gelanget." (176) Den Vorgang des Critisirens definiert das Lexikon als etwas sehr genau untersuchen. (177) Jakob Thomasius beschreibt im Jahre 1769 zu den Briefen von Paul Manutius in einer Frage, was sich nach einer kritischen Anklage (accusatio Critica) für die Verteidigung des Manutius vorbringen läßt: "Quid nos ad hanc accusationem Criticam respondebimus pro Manutio?" (178)

In der Literatur der Romantik wird die Untersuchung von Begriffen für die Wissenschaft zur Erforschung von Sprachen unternommen. Das Werk Versuch einer Vereinigung aller schönen Künste und Wissenschaften unter dem Begriff des In sich selbst Vollendeten ist eine Schrift, in der Karl Philipp Moritz die Gegensätze durch einen Begriff zu verbinden sucht. Moritz beschreibt im Jahre 1793 im Grammatischen Woerterbuch der deutschen Sprache den Begriff Critik als den fremden Ausdruck für eine Beurtheilungskunst: "Der fremde Ausdruck ist in die deutsche Sprache aufgenommen. Critiker aber laeßt sich durch Kunstrichter in jedem Falle verdeutschen." (179)

In den Publikationen von Sprachlehren und Grammatiken sind Bezeichnungen wie Versuch für Schriften mit Hinweisen auf Begriffe der Kritik zu finden. Der Unterschied von Worten wird durch die Untersuchung ihrer Sprache von Karl Friedrich Aichinger thematisiert, der unter den grammatikalischen Figuren in seinem Versuch einer teutschen Sprachlehre die Crasis nennt, die auftritt, "wenn zwey Wörter also in eins zusammen gezogen werden, daß das eine oder auch andere beide einen Theil ihrer Buchstaben verlieren; wobey doch ein jedes seine eigne Bedeutung behandelt." (180) In der Deutschen Sprachlehre in Briefen, deren dritte Edition im Jahre 1794 gedruckt wird, behandelt Moritz im 8. Brief nach dem Vorbild von Gessners Idyllen eine Theorie für die Entwicklung des Unterschiedes der Woerter in Ansehung der Gegenstaende, welche sie bezeichnen und mit Rücksicht auf ihre Verbindung zu einer zusammmenhaengenden Rede. (181) Im 9. Brief zu dieser Theorie in Ansehung der Gegenstaende, welche sie entweder nur in unserer Vorstellung oder auch außer derselben bezeichnen, sind Licht und Schatten Metaphern für die Bedeutung der Sprache. (182) Ein Stich auf der dem Titelblatt gegenüberliegenden Seite stellt einen Mann inmitten von Bäumen, deren Zweige in das strömende Wasser eines Baches reichen, mit der Unterschrift "Schade! Solltest die Baum in dies wilde Wasser stuerzen!" dar. Das Symbol des Baumes wird hier als Bild der Sprachwissenschaft und der Strom als Zeichen für die Kritik genutzt,- eine ikonographische Gestaltung des Themas Wissenschaft, das von Scaliger in der Philologie des 16. Jahrhunderts eingeführt wurde.

Zurück zum Text  173. Hübner: Curieuses und reales Natur-Kunst- Berg- Gewerck- und Handlungs-Lexicon. 1731. Sp. 561.

Zurück zum Text  174. Hübner: Curieuses und reales Natur-Kunst- Berg- Gewerck- und Handlungs-Lexicon. 1731. Sp. 561.

Zurück zum Text  175. Hübner: Curieuses und reales Natur-Kunst- Berg- Gewerck- und Handlungs-Lexicon. 1731. Sp. 561.

Zurück zum Text  176. Hübner: Curieuses und reales Natur-Kunst- Berg- Gewerck- und Handlungs-Lexicon. 1731. Sp. 561-562.

Zurück zum Text  177. Hübner: Curieuses und reales Natur-Kunst- Berg- Gewerck- und Handlungs-Lexicon. 1731. Sp. 562.

Zurück zum Text  178. Thomasius, Jakob: M. Jac. Thomasius lectori benevolo s. In: Manutius, Paulus: Paulli Manutii epistolarum libri XII. Ejusdem praefationes, cum summariis ac notis Joannis Kirchmanni, & indicibus consuetis. Accesserunt huic primum editioni, M. Jacobi Thomasii ad lectorem praeloquium, praefatio una Manutii antehac deside-rata: & epistolarum ad Manutium appendix. Leipzig 1669. O. S.

Zurück zum Text  179. Moritz, Karl Philipp: Grammatisches Woerterbuch der deutschen Sprache. Er-ster Band [O.O.] 1793. S. 300.

Zurück zum Text  180. Aichinger, Karl Friedrich: Versuch einer teutschen Sprachlehre, anfänglich nur zu eignem Gebrauche unternommen, endlich aber, um den Gelehrten zu fernerer Untersuchung Anlaß zu geben, ans Liecht gestellt von Karl Friedrich Aichinger. Frankfurt und Leipzig 1754. S. 567-568.

Zurück zum Text  181. Moritz, Karl Philipp: Deutsche Sprachlehre in Briefen. Dritte, verbesserte Auf-lage. Berlin 1794. S. 79-98.

Zurück zum Text  182. Moritz: Deutsche Sprachlehre. 1794. S. 98-119.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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