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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik
Klopstocks Publikationen zur Poetik in Journalen aus dieser Zeit sind umfangreich. Zu
Klopstocks Verdiensten zählt die Untersuchung der Bedeutungen des Begriffs Kritik in
der deutschen Sprache. An die Autoren des niederhochdeutschen Schrifttums wurde von
ihm im Jahre 1774 in seiner Abhandlung Gelehrtenrepublik die Empfehlung gegeben, die
Substantive Kritelei und Kritler als Ersatz für die Worte Kunstrichterei und Kunstrichter
zu verwenden. Seine sprachgeschichtlichen Untersuchungen zur Wortklauberey leiten
neben der Darstellung der griechischen Worte die Methoden des Vergleichs von Worten
der antiken Sprache und deutschen Sprache in Deutschland ein. Die Ableitung des
Wortes kritisch von dem niederhochdeutschen Wort kriddsk und die zu ersetzenden
Worte zänkisch und kriten mit der Bedeutung ´ein zankendes Geschrey erheben´, sowie
kriddelije mit der Bedeutung ´heftiger Wortwechsel´ und kriddeler als Synonym für die
Worte ´Zänker´ und ´Kritmann´ legen bei Klopstock die Unterscheidungen bei den
Veränderungen von Worten mit gleicher Bedeutung in der deutschen Sprache des
Barockzeitalters und der Aufklärung in der Neuzeit dar. (186) Ein Gedicht Klopstocks mit
dem Titel Die Kritik behandelt das Vermögen der Kritik, gegenüber dem Dichter als
"Meisterwerk, die neuen Wege zu entdecken." Auch Klopstocks Gedicht Der alte
Dichter und der junge Kritikus beschreibt die Kritik aus dem Munde eines Jünglings, der
mit dem Autor des Gedichtes streitet:
Die Kritik
Durch die Kritik, zu zeigen neue Wege,
Die sich der Dichter waehlen würde,
Wenn er nicht lieber eigne ginge,
Das wäre Meisterwerk;
Die neuen Wege zu entdecken,
Die Dichter, welche Erfinder sind, betraten,
Das waer nicht kleines Beyfalls werth;
Doch, Wege hundertmal gewiesen,
Zum hundert erstenmal zu weisen,
Und trifft man auch dabey auf unbemerkte Stege,
Die seitwärts laufen, wiederkehren,
Was ist denn das?
(187)
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Der alte Dichter
und der junge Kritikus
Ein Juengling stritt mit einem Alten
Sehr lebhaft über ein Gedicht.
Der Alte hielt´s für schoen; der Juengling aber nicht,
Und hatte recht, es nicht fuer schoen zu halten.
Er wies dem Alten Schritt für Schritt
Hier bald das Matte, dort das Leere
Und dachte nicht, daß der, mit dem er stritt,
Der Autor des Gedichtes wäre.
"Wie", sprach der Alte ganz erhitzt,
"Sie tadeln Ausdruck und Gedanken?
Mein Herr, Sie sind zu jung, mit einem Mann zu zanken,
Den Fleiß, Geschmack und Alter schützt.
Da man Sie noch im Arm getragen,
Hab´ ich der Kunst schon nachgedacht.
Und kurz: was würden Sie wohl sagen,
Wenn ich die Verse selbst gemacht?"
"Ich", sprach er, "würde, weil Sie fragen,
Ich würde ganz gelassen sagen,
Daß man, Geschmack und Dichtkunst zu entweihn.
Oft nichts mehr braucht, als alt und stolz zu sein."
(188)
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186. Klopstock, Friedrich: Klopstocks sämtliche sprachwissenschaftliche und ästhetische Schriften, nebst
den übrigen bis jetzt noch ungesammelten Abhand-lungen, Gedichten, Briefen etc. Herausgegeben von
August Lebrecht Back. Bd. 2. Leipzig 1830. Klopstocks sämtliche Werke. Vierzehnter Band. Leipzig
1830. S. 151-155.
187. Klopstock: Klopstocks sämtliche sprachwissenschaftliche und ästhetische Schriften. 1830. S. 191.
188. Klopstock: Klopstocks sämtliche sprachwissenschaftliche und ästhetische Schriften. 1830. S. 192-193.
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