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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


Johann Christoph Gottsched verzeichnet in seinem Werk Handlexicon oder Kurzgefaßtes Woerterbuch der schoenen Wissenschaften und freyen Kuenste für den Gebrauch der Liebhaber im Jahre 1760 die beiden Ausdrücke Critici und Kunstrichter für die Vertreter der freyen Kuenste. Gottsched setzt in seiner Definition der Begriffe Criticus und Kunstrichter hinsichtlich ihrer Aufgaben diese Gelehrten miteinander gleich: "Critici und Kunstrichter sind diejenigen Gelehrten, die sich auf die genauere Kentniß der freyen Kuenste einlassen, ihre geheimsten Regeln inne haben, und daher im Stande sind, das Gute vom Boesen, das Richtige vom Falschen, so scheinbar es auch sein moechte, zu unterscheiden, und zu beurtheilen. Ihr Werk ist es also, die alten Schriftsteller recht zu erklaeren, die verderbten Stellen zu verbessern, und wider herzustellen." Die Bezeichnung Spitze der Critici ist noch in der Beschreibung des Aristoteles durch antike Autoren als princeps von ihm für den Autor aus Griechenland gewählt worden: "An ihrer Spitze steht der große Weltweise Aristoteles." Nach Gottscheds Darstellung hat Aristoteles zuerst die Lehrschriften als Regeln der Dicht und Redekunst geschrieben und bei Homer, tragischen Dichtern und Rednern seiner und vorheriger Zeiten Eigenschaften wie Schoenheiten und Fehler ihrer Schriften untersucht, indem er sie aufs genaueste entdecket und beurtheilet. Auf Aristoteles an der Spitze folgen bei Gottsched die Autoren Aristarchus, Apollodorus, Cratosthenes, Hekateus, Krates, Mallotes und Longin. Unter den lateinischen Autoren der Antike sind Lucian, Varro, Asconius Paedianus, Quintilian, Gellius, Priscianus und Donatus in Gottscheds Werk zu finden. Für die neuern Zeiten werden Joseph Scaliger, Kaspar Barth, Friedrich Taubmann, Claude Saumaise, Isaak Casaubon, Caspar Schoppe, Jakob Gronov, Thomas Reinesius, Daniel Heinse, Gerard Voß, Johann Freinsheim, Heinrich Meybom, Daniel Georg Morhof und Johann Christian Wagenseil in Europa genannt. Unter den deutschen Gelehrten werden Martin Luther, Konrad Gesner, Martin Opitz, August Buchner, Justus Georg Schottel, Johann Boediker und Johann Leonhard Frisch von ihm als Kritiker ausgewiesen. Die Ehrung, sich des ansehnlichen Namens der Kunstrichter nicht unwuerdig zu schaetzen, beschreibt ihre Eigenschaften, mit denen sie sich wie die Affen von den Menschen von den negativen Kritikern, den Kritcastern, unterscheiden. Eine Darstellung dieser Gelehrten unternimmt nach Gottscheds Darstellung Horaz in Form einer Abbildung mit dem Bild eines guten und klugen Mannes, des vir bonus & prudens, in seiner Dichtkunst. Hinsichtlich der Literatur in der Gegenwart vermerkt Gottsched, daß Jean LeClerc und Caspar Schoppe über diese Kunst der Kritik, die ars critica, ein Paar schoene Werkchen geschrieben haben. Auch über Anthony Ashley Shaftesbury bemerkt er, daß dieser Autor einen sehr edlen Begriff von einem Kunstrichter vermittelt. (189)

Gottscheds Werk Versuch einer critischen Dichtkunst mit den Exempeln unserer Dichter wird in Leipzig in dritter Auflage im Jahre 1742 anstelle einer Einleitung zusammen mit seiner Übersetzung der Dichtkunst von Horaz mit dem Emblem eines Bären, der zwischen zwei Bäumen vor einer Landschaft mit Bergen steht, auf dem Titelblatt veröffentlicht. Das 13. Stück des zweiten Teils dieses Werkes ist eine Abhandlung über Korrespondenz in Form von poetischen Sendschreiben oder Briefen. (190) Von Gottsched wird auch ein Schreiben als Mitarbeiter für die Beyträge zur critischen Historie der deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung Vaterländischer Sprache und Alterthümer gedruckt, die von Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft in Leipzig herausgegeben wurden. Sprüche sind als Zitate in Werken aus dem 18. Jahrhundert in den Überschriften von Korrespondenz zu finden. Gottscheds Werk Vernünftige Tadlerinnen setzt sich aus Abhandlungen zusammen, die nach Zitaten von Autoren des Barock wie Andreas Gryphius, Martin Opitz und Friedrich Canitz folgen. Diese Briefe an die Tadlerinnen gehören in Form von Schreiben von Personen mit antiken griechischen Namen, die in Artikeln der wöchentlich erscheinenden Schrift mit der Bezeichnung moralische Blätter zusammengefaßt sind, der Literatur von kritischen Gattungen an. In einem Schreiben im 14. Stück vom 12. April des Jahres 1726 werden Kritiker mit den Bezeichnungen Critici, Kunstrichter und Beurtheiler als eine Gattung von Leuten definiert, die "ueberhaupt in der Republik der Gelehrten sehr noethig" ist. (191) So schreibt eine der Tadlerinnen im 23. Stück am 7. Juni im Jahr 1726:

Daß ich mich aus Verdruß gekruemmet und gewunden,
so oft als der Tyrann zu den gesetzten Stunden,
durch ein verhaßtes Wort mich mit dem Spiel gestoert,
und eh ich teutsch gekonnt, was Roemisches gelehrt.
(192)

Zurück zum Text  189. Gottsched, Johann Christoph: Handlexicon oder Kurzgefaßtes Wörterbuch der schönen Wissenschaften und freyen Kuenste. Leipzig 1760. Sp. 461-462.

Zurück zum Text  190. Gottsched, Johann Christoph: Versuch einer critischen Dichtkunst. Leipzig 41751. S. 669-681.

Zurück zum Text  191. Gottsched, Johann Christoph: Die vernünftigen Tadlerinnen. Der erste Theil. Leipzig und Hamburg 1738. St. XXV. S. 214.

Zurück zum Text  192. Gottsched: Die vernünftigen Tadlerinnen. 1738. St. XIII. S. 214-215.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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