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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik Für die Schriften von Homer werden Verfahren der Kritik genutzt. Kommentare zu Homers Werken in deutscher Sprache sind im 19. Jahrhundert zu finden. Heinrich Rumpfs Beiträge zur Homerischen Worterklärung und Kritik stammen aus dem Jahre 1850. Von einer Kritik der Worte (critica verborum) bei Platon spricht Johannes Binder im Jahre 1791 in seiner Abhandlung Commentatio de Politeia. (218) Wilhelm Wiegands Schrift Das zweite Buch des platonischen Gottesstaates oder: Plato"s eigene Ansicht vom Wesen der Gerechtigkeit, ihre Nachweisungen zunächst im Staate, Jugendbildung der künftigen Kriegs- und Staatsmänner, Kritik der Dichtungen und Mythen vom Standpunkte wird im Jahre 1868 publiziert. Andreas Ludwig Jakob Michelsens Commentatio critica de Pindari carminibus zu Stellen Pindars aus der Ode Olympia stammt aus dem Jahre 1850. Friedrich Haeckers Beiträge zur Erklärung und Kritik des siebenten Buches der Nicomachischen Ethik stammen aus dem Jahre 1869. Alexander F. Garvie schreibt in seinem Preface zu Homers Odyssee über das Verfahren des analytical criticism: "Analytical criticism is mentioned from time to time on the commentary, but, while it is often useful in drawing attention to problems, for the most part it seems to me to be unrewarding in the answers that it attempts to provide. (219) Im 19. Jahrhundert dokumentiert der Briefwechsel in deutscher Sprache zwischen Gelehrten ihre Arbeit. Erich Schmidt schreibt am 4. Januar des Jahres 1892 an Konrad Burdach: "Ich halte eine reiche Xenien-Ernte, voller Garten unbekannter Disticha." (220) Schmidt schreibt am 12. Januar erneut: "Ich mustere jetzt die rapide überreichte Xenien-Ernte. Ihr werdet alle staunen." (221)Abermals schreibt er an Burlach aus Berlin am 6. Februar des Jahres 1893: "Lieber Freund, nimms nicht übel, wenn ich ganz kurz bin, denn ich halte mich mühsam über Wassser und habe schwere Attaken von Schlaflosigkeit, zumal an Tagen wie heute, wo außer 2 Collegien ein Bogen Xenien mit obligatem apparatu critico zu leisten ist." (222) In der philologisch-kritischen Streitschrift (Disputatio philologico-critica) sind Bücher mit Dichtungen und Reden wie den Orationes des Antiphon von Gottfried Heinrich Schäfer, die im Jahre 1874 veröffentlicht werden, Gegenstand der philologischen Kritik. In der Dissertatio de locis quisbusdam Lysiae arte critica persanandis untersucht Johannes Franz im Jahre 1830 drei Reden des Lysias, die dem Verfasser geeignet erscheinen, um an ihnen Kritik auszuüben (ad exercandum artem criticam idonea). (223) Zu den Mitte des Jahrhunderts veröffentlichten Werken zählen Abhandlungen zur Kritik in deutscher Sprache. Hermann Kettners Beitrag Zur Kritik der glossae Placidi erscheint im Jahre 1872. Die Schrift De Theocriti carmine aeolico recens invento ist im Jahre 1865 ein Brief, die epistula critica ad Hermannum Fritzschium von Theodor Fritzsche, beigefügt. Die Schrift Zur Würdigung, Erklärung und Kritik der Idyllen Theokrit"s von Johann Paul Ernst Greverus mit Abhandlungen über das Leben Theokrit"s und die Authentie seiner Werke, das griechische Idyll, das alte und neue Syrakus und über die Knabenliebe der Alten erscheint als Druck im Jahre 1850. Das Werk Kleine Beyträge zur Erklärung und Kritik der Idyllen Theokrits wird von Greverus im Jahre 1830 veröffentlicht. Geschichte wird bei Karl Adolph Cornelius in seiner Schrift Dissertatio historica et critica mit dem Titel De fontibus quibus in historia seditionis Monasteriensis anabaptisticae narranda viri docti huc usque usi sunt im Jahre 1850 behandelt. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sind Verfahren der Erklärung in den literarischen Gattungen der Kritik wie den deutschsprachigen Schulprogrammen vertreten. Die Werke des Horaz werden hier behandelt. Die Schrift Zur Erklärung und Kritik der Horazischen Epoden stammt von Karl August Moritz Axt, der sie im Jahre 1846 publiziert. Heinrich Runges Schrift Zur Kritik und Erklärung einiger Oden des Horaz aus dem Jahre 1871 ist ein Vertreter dieser Schulschriften. Moritz Müllers Beiträge zur Kritik und Erklärung des Livius sind im Jahre 1871 zu nennen. Heinrich Düntzer behandelt antike und deutschsprachige Schriften. Seine Schrift Kritik und Erklärung der horazischen Gedichte mit der Kritik und Erklärung der Satiren des Horaz gehört im Jahre 1841 auch zu diesen Schriften. Düntzer verwendet den Ausdruck ´Geschichte der kritischen Kunst´ (artis criticae historia) im Vorwort zu seiner Abhandlung über Zenodotus. (224) Von den philologischen Arbeiten der antiken Schriften gehen Impulse auf die Bearbeitung deutscher Schriften aus. Düntzer gibt zusammen mit Ferdinand Gottfried von Herder die ungedruckten Briefe von Goethe, Schiller, Klopstock und Lenz im Herders Nachlaß heraus. Düntzer schreibt in seinem Vorwort vom 16. November des Jahres 1856 über das Urtheil: "Ob wir jetzt bereits im Stande seien, ein ungetrübtes Urtheil über den künstlerischen Werth zu fällen, könnte mit Recht zweifelhaft scheinen;" (225) Düntzer schreibt im Vorwort zur Ausgabe von Herders ungedruckten Briefen: "Auch H. Sydow, dem ich für die warme Empfehlung meiner Schrift "Goethe und Karl August" in der Pariser Zeitung (am 19. Januar 1861) der schalen Gleichgültigkeit unserer kritischen Parteiführer und ihrer Schildkappen gegenüber besonders verbunden bin, und alle, die Gediegenes, von welcher Seite es auch geboten werde, nach seinem innern Werthe zu würdigen wissen, seinen hiermit freundlichst begrüßt." (226) Peterson hat in der Ausgabe des Jahres 1891 den Begriff literarischen Kritizismus (literary criticism) auf Quintilian angewandt. In der Gliederung seiner Schrift über den Redner behandelt er in den Abschnitten life of Quintilian, The institutio oratoria, Quintilian´s Literary Criticism, Analysis of the Argument und Critical notes Werk und Person. (227) Die Textkritik der Moderne ist nach der Darstellung des Wörterbuchs der deutschen Gegenwartssprache ein philologisches Verfahren, an überlieferten (literarischen) Texten und Textfassungen mit dem Ziel zu arbeiten, den ursprünglichen Text möglichst genau in textkritischen Ausgaben mit Bemerkungen, Kommentaren und Vergleichen herzustellen. (228) In Italien ist Vittorio Santolis Schrift Philologie und Kritik mit Forschungen und Aufsätze aus dem Jahre 1971 ein Werk über die Kritik an Texten aus der Volksdichtung. Zur Kritik des Textes gehören die Wiederherstellung von Autorentexten, kritische Verfahrensweise, Rezension (recensio), Eleminierung (eleminatio) und die Konstruktion von Stammbäumen. Ziel ist eine relative Chronologie der Texte durch Zeugnisse und räumliche Begebenheiten mit der textinternen Kritik. Zu weiteren Begriffen zählen die schwierige Lesung (lectio difficilior), Normen der Seitenräume (area laterali) und Normen des späteren Raumes (area seriore). Quellen sind gemischte Kodexe (codices mixti) und der einzige Kodex (codex unicus). Bei Texten wird von ihm in den einzigen Text und den besten Text (textus unicus und textus optimus) für die Überlieferung unterschieden. (229) Die Kritik des Text in der Altphilologie ist vertreten durch Textkritiker wie Karl Konrad Polheim, der bemerkt: "Textkritik und Interpretation bedingen einander." (230) In Helmut Schüters Schulbuch Ianua linguae latinae ist über der Richter zu lesen: "Rex erat summus dux militum, summus iudex, summus pontifex." (231)
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