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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


1.3.9 Der Begriff Kritik im deutschen Wortschatz von der Moderne bis zum Ende des 20. Jahrhunderts

Der Begriff Kritische Grammatik wird als Bezeichnung für die Schriften von Philologen im 20. Jahrhundert verwendet. Dieser Begriff wird so in einem Vorwort vom Juni 1935 zu den Prolegomena zu einer kritischen Grammatik von Josef Schächter verwendet. Schächter bezeichnet als ihre Aufgabe die logische Ergänzung und Verbesserung der traditionellen Grammatik. Dies gilt "überall dort, wo die übliche Sprachlehre es versäumt hat, die in der Sprache geltenden Regeln aus dem Gebrauche abzulesen bzw. richtig abzulesen. [...] Hier soll die kritische Grammatik vervollständigen und korrigieren." (267) Der erster Teil seiner Schrift behandelt das Wesen der Logik, Zeichen und Sprache, das Formale, Logik und Grammatik und Psychologie. Im zweiten Teil untersucht Schlächter die Grammatik der Wörter, Sätze und Satzverbindungen, Allgemeine Konstatierungen, Wortarten, Satzarten und Satzverbindungen. (268) Lexikalische Forschungen im 20. Jahrhundert zum Begriff Kritik untersuchen den Bestand von abgeleiteten Worten. Die beiden Schreibungen des Wortes Kritizismus als Kriticismus und Kriticismus für die Beschreibung eines kritischen Verfahrens in der Philosophie liegen in dieser Zeit vor. Die Worte Krise und Krisis werden für die Ausdrücke ´Entscheidung´ und ´Wendepunkt´ genutzt. Der Begriff Kritik wird vom Duden als eine ´wissenschaftliche Beurteilung´ im Jahre 1902 definiert. (269) Ableitungen des Stammes der Wurzel lassen sich im 20. Jahrhundert auch in den deutschen Dialekten verfolgt. Im Jahre 1966 vermerkt man im Deutschen Wörterbuch zum Wort kritteln, daß es ein ursprünglich volkstümliches Wort war. Im 18. Jahrhundert wurde das Wort von den Schriftstellern an das Wort Kritik angelehnt und danach durch ein Präfix zum Wort bekritteln mit der Bedeutung ´kleinliche Kritik üben´ abgewandelt. Im Wortschatz zu dieser Wurzel kommen die Substantive krittel, Krittler und Krittelei mit pejorativer Bedeutung in der deutschen Sprache im 18. Jahrhundert auf. (270)

Die Erforschung der Geschichte des Wortes in der Moderne setzt mit Belegen von Autoren im 17. Jahrhundert ein. In Trübners deutschem Wörterbuch aus dem Jahre 1943 sind deutsche Formen wie kritteln mit der Bedeutung ´sich verdrießlich, kleinlich, tadelnd äußern´ im 17. Jahrhundert nach dem Überlieferung des Wortes grittelen bei Kaspar Stieler im Jahre 1691 und des Wort gritteln bei Johann Leonard Frisch im Jahre 1741 mit der Bedeutung ´zanken, kleinlich tadeln´ aufgeführt. Von dieser Form leiten sich die Substantive Krittel mit der Bedeutung ´das kleinliche Mäkeln, das im Jahre 1808 bei Goethe im Faust belegt ist, und krittelei in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bei Herder und Lessing ab. Das Wörterbuch vermerkt unter dem Verb kritteln, daß die deutschen Mundarten in vielen Gebieten Belege von leicht wechselnden Formen wie kriddeln mit der Bedeutung ´zanken´, ´sich ärgern´, ´verdrießlich sein´ aufweisen. Das Substantiv kridelije mit der Bedeutung ´Zänkerei´, ´Verdruß´ ist in Quellen aus dem norddeutschen Raum in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert belegt. Die Neologismen Kriddelfax und Krittler sind für die Region Nassau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts belegt. Das Adjektiv crittelig ist im schwäbischen Wortbestand im frühen 19. Jahrhundert belegt. (271) Diese Wortbildungen werden als Bestand deutscher Mundarten auf das westhochdeutsche Verb grüdeln zurückgeführt. Das Pfälzische Wörterbuch bemerkt, im rheinischen Dialekt findet sich kritteln mit der Bedeutung ´unzufrieden sein, etwas auszusetzen haben´ und krittelig (272) neben der Variante Kridik. (273) Diese Variationen im Wortschatz der deutschen Sprache wurden durch Lexika und Wörterbücher schriftlich überliefert.

Zurück zum Text  267. Schächter, Josef: Prolegomena zu einer kritischen Grammatik. Bibliographie und Nachwort von Gerd H. Reitzig. Stuttgart 1978. S. 5.

Zurück zum Text  268. Vgl. die Begrifffe in den Abschnitten: Schächter: Prolegomena. 1978. S. 11-73. und S. 74-256.

Zurück zum Text  269. Duden, Konrad: Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Leipzig und Wien. 7. Auflage. 1902. S. 195.

Zurück zum Text  270. Paul, Hermann: Deutsches Wörterbuch. 5., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage von Werner Betz. 2. Druck. Halle 1935. S. 305.

Zurück zum Text  271. Trübners deutsches Wörterbuch. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft für deut-sche Wortforschung herausgegeben von Alfred Götze. Vierter Band I-N. Berlin. 1943. S. 278-279.

Zurück zum Text  272. Rheinisches Wörterbuch. Im Auftrage der Preußischen Akademie der Wissen-schaften der Ge-sellschaft für Rheinische Geschichtskunde und des Provinzial-verbandes der Rheinprovinz auf Grund der von J. Franck begonnenen, von allen Kreisen des rheinischen Volkes unterstützten Sammlung bearbeitet und heraus-gegeben von Josef Müller. Vierter Band K. Berlin 1938. Sp. 1541.

Zurück zum Text  273. Pfälzisches Wörterbuch. Begründet von Ernst Christmann. Bearbeitet von Julius Krämer unter Mitarbeit von Joseph Schwing. Band IV. Lieferung 26. Wiesbaden 1981-1986. S. 622.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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