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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


1.3.10 Begriffe der Sprachkritik - Termini zur Erforschung mündlicher Überlieferung seit der Moderne

Die Aufgabe der Kritik als Wissenschaft in der Moderne ist in Stellungnahmen zu den einzelnen Philologien dokumentiert, deren Vertreter mit Verfahren, die unter dem Begriff Sprachkritik zusammengefaßt wurden, forschten und lehrten. Seit der Jahrhundertwende wird in der Epoche der Aufklärung neben der lateinischen Sprache die Nationalsprache für Darstellungen der Kritik an der Sprache genutzt. Die Bezeichnungen Kritik der Sprache und Sprachkritik werden im 19. Jahrhundert von Gelehrten für diese Lehren verwendet. Robert Springers Werk Charakterbilder und Scenerien mit dem Untertitel Darstellungen aus der Litteratur- und Kunstgeschichte erscheint in Minden im Jahre 1886. Springer setzt in seinen Vorbemerkungen Essays mit Gedanken, Meinungen und Vorbemerkungen gleich. (284) Karl Brugmann und August Leskiens Schrift Zur Kritik der künstlichen Weltsprachen erscheint in dem Jahre 1907. Diese Werke setzen die Studien zum Vergleich von Sprachen aus dem 19. Jahrhundert fort.

Ein Vertreter dieser Disziplin im 20. Jahrhundert ist Fritz Mauthner, dessen Roman Die boehmische Handschrift im Jahre 1891 gedruckt wird. Die Beiträge zu einer Kritik der Sprache des Autodidakten erscheinen mit dem im Jahre 1906 verfaßten Vorwort, in dem der Autor mit den Begriffen Systematik und Darstellung seinen Verzicht auf eine Ordnung seiner Methode für das System der Sprachkritik, der Kritik der Sprache, erläutert: "Die saubere Systematik der Darstellung gebe ich also preis. Nicht aber gebe ich die Verpflichtung zu, ein System zu bieten in der Kritik der Sprache." (285) Mauthners Abhandlung, die im Jahre 1923 in einer weiteren Auflage gedruckt wird, behandelt die Themen Wesen der Sprache, Psychologie, und das Verhältnis von Sprache und Grammatik und Sprache und Logik. In seinen Beiträgen zu einer Kritik der Sprache werden die Themen Zur Sprache und zur Psychologie, die Sprachwissenschaft und Grammatik und Logik behandelt. Mauthner nutzt in diesen Themen zur Sprache die Begriffe Psychologie, Sozialismus, Wortkunst, Mißverstehen durch Sprache, Wortaberglaube, Realität, Wert, Macht, Wesen der Sprache, und das Verhältnis von Denken und Sprechen. (286) Hinzu kommen die Begriffe Seele und Leib, Seele und Sinne, Zufallssinne, Parallelismus, psychologische Terminologie, Subjektivität, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Bewußtsein, Verstand, Sprache und Vernunft, Ichgefühl, Erkenntnis und Wirklichkeit und Möglichkeit der Philosophie. (287) Maunthner verwendet für die Frage Was ist Sprachwissenschaft die Begriffe Geschichte der Sprachwissenschaft, Sprachrichtigkeit, Etymologie, Wurzeln, Bedeutungswandel, Klassifikationen, Zufall und Entstehung der Sprache, Tier- und Menschensprache, Metapher, Schrift und Schriftsprache, Sprachwissenschaft und Ethnologie, Ursprung und Geschichte von Vernunft, Sprache und Grammatik und Unbestimmtheit des grammatischen Sinnes. (288) Als Bezeichnungen für die Arten von Worten unterscheidet er in die Bezeichnungen Verbum, Substantivum, Adjektivum, Adverbien für Raum und Zeit, Zahlwort und Syntax, Situation und Sprache. (289) Maunther beruft sich hier auf Humboldts Kritik und Charakteristik. (290) Weitere Begriffe sind Logik, Begriff, Wort, Definition, Urteil, Denkgesetze, Schlußfolgerung, Induktion, Termini technici der induktiven Wissenschaften und Wissen im dritte Band, in dessen Vorwort Mauthner bemerkt: "Reine Kritik ist im Grunde nur ein kultiviertes Lachen." (291) Mauthner Studien in den Beiträgen zu einer Kritik der Sprache setzen sich in seinem Wörterbuch der Philosophie fort, das mit dem Untertitel Neue Beiträge zu einer Kritik der Sprache im Jahre 1910 erscheint. Begriffe wie Erkenntniskritik, philosophische Kritik, philologische Kritik, ästhetische Kritik und Selbstkritik werden hier für die Wissenschaft der Moderne von Autor definiert. (292) Die ästhetische Kritik ist für Mauthner nur eine Abart der philologischen Kritik:

"Man könnte unter dem mitbegreifen, was auch die Philologen höhere Kritik nennen. Sie steht gegenüber historischen Schriftstellern auf die Untersuchung ihrer historischen Zuverlässigkeit, gegenüber Berichten und Dichtungen auf die Untersuchung der Originalität, gegenüber allen Büchern darauf, die Persönlichkeit des Autors kennen zu lernen. Die philosophische Kritik oder der Kritizismus unterscheidet sich ganz wesentlich von der philologischen und ästhetischen Kritik. (293) [...] Denn κρινειν hieß bei den Griechen zunächst nicht richten, vielmehr scheiden, sichten; erst später: sich ein Urteil bilden, ein Urteil fällen (294).[...] Die Erkenntniskritik wurde, wie eigentlich schon Fries erkannt hat, auch zur Elementarlehre der Psychologie; sie darf die Bezeichnung Psychologismus als einen Eigennamen tragen. (295)[...] Die berühmteste Stelle, an welcher Lessing sich die Dichtergabe abspricht, sich nur die Befähigung zum Kritiker zuerkennt, ist so voll von Bitterkeit, daß sie schon darum nicht ganz gerecht sein kann. Sie steht im letzten Stück der Hamburger Dramaturgie, ist Lessings Dramaturgischer Epilog, ist von ebenso erschütternder Tragik wie Ibsens dramatischer Epilog." (296)

Zurück zum Text  284. Springer, Robert: Essays zur Kritik und Philosophie und zur Goethe-Litteratur. Minden 1885. S. V.

Zurück zum Text  285. Mauthner, Fritz: Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Erster Band. Zur Sprache und zur Psychologie. Dritte, um Zusätze vermehrte Auflage. Leipzig 1923. Vorwort S. XIII.

Zurück zum Text  286. Mauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Erster Band. Zur Sprache und zur Psychologie. Dritte, um Zusätze vermehrte Auflage. Leipzig 1923. S. 1-176.

Zurück zum Text  287. Mauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Erster Band. Zur Sprache. Dritte, um Zusätze vermehrte Auflage. Leipzig 1923. S. 235-715.

Zurück zum Text  288. Vgl. zu den Begriffen die Abschnitte in: Maunther: Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Zweiter Band. Zur Sprachwissenschaft. Leipzig 1923. S. 1-657.

Zurück zum Text  289. Vgl. zu den Begriffen die Abschnitte in: Maunther: Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Zweiter Band. Zur Sprachwissenschaft. 1923. S. 1-223.

Zurück zum Text  290. Mauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Zweiter Band. Zur Sprachwissenschaft. 1923. S. 56.

Zurück zum Text  291. Vgl. zu den Begriffen die Abschnitte in: Mauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Dritter Band. Zur Grammatik und Logik. Leipzig 1923. S. 261-642. Zitat S. XI.

Zurück zum Text  292. Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. Neue Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Zweiter Band. München und Leipzig 1910. S. 36.

Zurück zum Text  293. Mauthner: Wörterbuch der Philosophie. 1910. S. 37.

Zurück zum Text  294. Mauthner: Wörterbuch der Philosophie. 1910. S. 38.

Zurück zum Text  295. Mauthner: Wörterbuch der Philosophie. 1910. S. 38.

Zurück zum Text  296. Mauthner: Wörterbuch der Philosophie. 1910. S. 34.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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