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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


1.3.11 Die Begriffe der Textkritik - Termini zur Erforschung der schriftlichen Überlieferung im 20. Jahrhundert

Mit Begriffen in wissenschaftlichen Beiträgen wird die Stellung der Kritik nach ihren Gattungen innerhalb der schönen, bildenden und angewandten Künste, aber auch für kritische Methoden in der Philologie, deren Gegenstand der Text und die Sprache sind, in einem geistesgeschichtlichen und kulturgeschichtlichen Zusammenhang dokumentiert. Hermeneutik und Heuristik sind neben der Textkritik in diesen Disziplinen die Bezeichnungen für Methoden der Erklärung von Schriften. Bei kritischen Verfahren im Umgang mit Texten unterscheidet die Forschung in Textzeugen und direkte Überlieferung des Originals. Diese Dokumente behandelt die Textkritik, um die Überlieferung von Schriften zu sichern. Theodor Birts Schrift Kritik und Hermeneutik erscheint mit einem Abriss des antiken Buchwesens im Jahre 1913.

Armin Paul Franks Arbeit Einführung in die britische und amerikanische Literaturkritik und -theorie veranschaulicht im Jahre 1983 die Verfahren von Kritik zur Literatur. Für die philologische Orientierung zum Wortverständnis, zur Worterklärung und Ordnung des Sachgebiets dient Frank das Welleksche Interdependenzmodell. Frank verweist auch auf das institutionelle Modell aus der Literaturwissenschaft. Unterscheidungen werden aus den Begriffen vermittelnde Kritik, Werkstattkritik, informelle Kritik und akademische Kritik bezogen. Die poetische Kritik ist für ihn eine Theorie im Gedicht und Theorie als Gedichte. Textexterne und textinterne Eigenschaften von Kritik sind zusammen mit den Begriffen Grundthese, Vorgehen und Ergebnis dargestellt. Die journalistische Kritik ist durch die Rezensionen und Theoriebildung des Dichters, Kritikers und Rezensenten Edgar Allen Poe repräsentiert. Die Begriffe Imagination und fancy stehen bei Frank für den geistesgeschichtlichen und kritikgeschichtlichen Zusammenhang. Für das poetologische Gedicht werden Beispiel und Gegenbeispiel genannt. Verspoetiken haben eine Tradition, eine Motivation und Merkmale als Eigenschaften aufzuweisen. Die Dichtkunst (ars poetica) wird von Frank als poetologisches Gedicht verstanden. Ihre Textbestimmung besteht aus textexternen Indizien und textinternen Indizien. (315) Den Grundtext und sekundären Text unterscheidet in seiner Schrift Übersetzungskritik als Literaturkritik. (316) Die Interpretation ist ein Teil der Kritik, den James Robert de Jackson behandelt. In seiner Abhandlung Historical criticism and the meaning of textes spricht er im Jahre 1989 vom Dreieck der Interpretation (triangle of interpretation). (317) Axel Sprees Schrift Kritik der Interpretation aus dem Jahre 1995 gliedert nach Begriffen der Interpretationskritik. Spree unterscheidet in folgende Arten von Kritik für die Interpretation:

(1) ästhetisch fundierte Interpretationskritik
(2) wissenschaftstheoretisch fundierte Interpretationskritik der empirischen Literaturwissenschaft
(3) radikal-konstruktivistische Kritik der Interpretation und ihre wissenschaftstheoretische Einschränkung
(4) erkenntnistheoretisch fundierte Interpretationskritik (Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus) (318)

In Amerika verwendet James Thorpes den Begriff textueller Kritizismus (textual criticism) in seiner Schrift Principles of textual criticism aus dem Jahre 1972. Für den Kritizisimus (criticism) gilt ein Ideal des textuellen Kritizismus (ideal of textual criticism). Wissenschaft und textueller Kritizismus (science and textual criticism) verwenden den Computer für literarisches Studium (computer and literary scholarship) bei den genealogischen Methoden der Analyse (genealogical method of analysis) und für ihre literarische Arbeiten (literary work). Bei den verschiedenen Versionen der literarischen Arbeit (multiple versions of literary work) unterscheidet er in die aktuellen und möglichen Versionen ("actual" and "potential" versions) eines Textes. Die textuelle Analyse (textual analysis) besteht aus einer Sammlung von Texten (collecting the texts). Für die Korruption der Texte (corruption of texts) und den eklektischen Text (eclectic text) ist die Methode des "besten Textes" zur Analyse ("best-text" method of analysis) nach seiner Methodologie der Edierung (editing, methodology of) anzuwenden. Zum textuellen Kritizismus (textual criticism) gehören für Thorpe die Verfahren der Emendierung (ementation) von einem Fehler (error) und einem textuellen Fehler (textual error) für die Aufstellung (establishment) und Modernisierung eines Textes (modernisation of text). Zu diesen Verfahren gehören auch die textuelle Analyse (textual analysis) neben der statistischen Analyse (statistical analysis) mit Bemerkungen (notes), Probelesung (proofreading) und authorisierter Revision (authorial revision). Die Verfasserschaft der Verfassers (authorship of author) ist wie der lateinische Begriff für die Urheberschaft in der Antike, der auctoritas, in der Geschichte und Tradition der Bibliographie (bibliography, history and tradition), für die Beziehung von einer Bibliographie zum textuellen Kritizismus (Bibliographie“s relation to textual criticism) und den Ausdruck der Absichten des Autors (intentions of the author) und die ästhetische Erfahrung (aesthetic experience) entscheidend. (319)

Für die Rekonstruktion des Originaltexts finden wir in der Terminologie der Kritik die Begriffe Original und Kopie. Die Redaktion des Textes ist hier für die Erstellung des Originals als Verfahren zu nennen. Hinzu kommt die Anwendung von Kritik als Verfahren neben der Literaturgeschichte in neuen Medien mit den Begriffen literarische Kritik und Literaturkritik, die Eberhard Lammert im Juli 1977 in der Einleitung zur Schrift Literaturkritik - Medienkritik nutzt. (320) Victorino Tejerna vermerkt in seiner Abhandlung Literature, criticism, and the theory of signs aus dem Jahre 1995 den Zusammenhang zwischen dem interpretierenden kritischen Essay (interpretative critical essay) und seinen hypothetischen Begriffen (hypothetical terms), der mit Symbolen (symbols) zu interpretieren ist: "Should the critic develop, or adduce, a theory of literature in connection with his verbally articilated response to the work, that theory will be an argumental symbol or symbolic argument in Pierce“s sense." (321) Die Dokumentation von Schriften in neuen Medien ermöglicht eine allgemeine Verfügbarkeit von Texten in verschiedenen Formen, die der Öffentlichkeit verfügbar sind.

Zurück zum Text  315. Frank, Armin Paul: Einführung in die britische und amerikanische Literaturkritik und -theorie. Darmstadt 1983. S. 160.

Zurück zum Text  316. Frank, Armin Paul: Literarische “Unbestimmtheit“ und sprachliche Anisomor-phie: Zum Thema Übersetzungskritik als Literaturkritik. In: Kunstgriffe. Auskünfte zur Reichweise von Literaturtheorie und Literaturkritik. Festschrift für Herbert Mainusch. Herausgegeben von Ulrich Horstmann und Wolfgang Zach. Frankfurt am Main u.a. 1989. S. 82-91. Vgl. für die Begriffe S. 82.

Zurück zum Text  317. Jackson, James Robert de: Historical criticism and the meaning of texts. London 1989. S. 9-27.

Zurück zum Text  318. Spree, Axel: Kritik der Interpretation. Analytische Untersuchungen zu interpre-tationskritischen Literaturtheorien. Paderborn u.a. 1995.Vgl. die jeweiligen Ab-schnitte S. 59-90, S. 91-103, S. 104-136 und S. 137-194.

Zurück zum Text  319. Vgl. das Inhaltsverzeichnis von: Thorpe, James: Principles of textual criticism. San Marina (Californien) 1972.

Zurück zum Text  320. In: Literaturkritik- Medienkritik. Herausgegeben von Jörg Drews. Heidelberg 1977. S. VI und VIII.

Zurück zum Text  321. Tejerna, Victorino: Literature, criticism, and the theory of signs. Amsterdam und Philadelphia 1995. S. 128.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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