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Prof. Dr. Fee-Alexandra Haase: Kritik


2.1.2 Kritische Schriften in Europa in der Frühaufklärung

In England sind Kritiker im Jahrhundert der Aufklärung Heinrich Home und Alexander Pope. Homes Lehre erscheint in den Grundsätzen der Kritik in der Übersetzung von Johann Meinhard im Jahre 1792 in Deutschland nach dem Original mit dem Titel Elements of criticism. Homes Elemente der Kritik gliedern sich nach Gebieten in die Lehre der Empfindungen und Leidenschaften, die Lehre von der Schönheit und Sittenlehre und die Lehre der Dichtung und der Künste. Diese Lehren sind nach Begriffen wie Empfindungen, Ideen, Bewegungen, Leidenschaften, Ursachen von Bewegungen und Leidenschaften, Ursachen der Bewegungen der Freude und der Betrübniß, symptomatische Bewegungen der Tugend, Ursachen der Leidenschaften der Furcht und des Zorns, Bewegungen, die durch Erdichtung verursacht werden, Gewalt der Leidenschaften, Ähnlichkeit von Bewegungen und Ursachen, Endursachen der gewöhnlichen Bewegungen und Leidenschaften untergliedert. Die psychologische Kritik bedient sich der Lehre der Affekte. Home spricht bei den Affekten von den Empfindungen, Leidenschaften und deren Ursachen und Bewegungen. Home unterscheidet bei ihren Begriffen für die Schönheit in das Große und Erhabene, Bewegung und Kraft der Körper, Neues und Unerwartetes, lächerliche Gegenstände, Einförmigkeit und Mannigfaltigkeit. Die Sittenlehre gliedert sich nach Begriffen in das Schickliche, das Anständige, die Würde, die Niederträchtigkeit, das Belachenswerthe, die Gewohnheit und die Fertigkeit, äußerliche Kennzeichen der Bewegungen, Leidenschaften, Gesinnungen, Sprache der Leidenschaften und Schönheiten der Sprache. Die Terminologie der Dichtung gliedert sich in Vergleichungen, Figuren, Erzählung, Beschreibung, epische Werke und dramatische Werke. Die Kunst gliedert sich in Gartenbau, Architektur und bei der Poetik in die Regeln des Geschmacks nach den drei Einheiten der Handlung, der Zeit und des Ortes.

Neben seinem Werk Elements of criticism werden in Frankreich Werke von Home unter dem Titel Essais historiques sur les loix, in Deutschland unter dem Titel Versuche über die ersten Gründe der Sittlichkeit und der natürlichen Religion und in England unter dem Titel Sketches of the history of man und Essays on the principles of morality and natural religion veröffentlicht. Das Werk Elements of criticism wird im Jahre 1763 in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste besprochen. Die Critik wird hier als eine Wissenschaft definiert, die auf richtige Grundsätze gegründet ist. Zu ihrer Terminologie gehören für Home die Elemente Ordnung, Gattungszugehörigkeit, Ähnlichkeit, Kontrast, Einförmigkeit, Mannichfaltigkeit. Empfindungen und Ideen. Die Leidenschaften gelten als Quelle von Handlungen. Der Autor der Besprechung schreibt über Homes Werk: "Wir sehen ueberhaupt dieses vortreffliche Werk als den kuenftigen Codex aller Liebhaber der schoenen Wissenschaften an." (339)

Ein Autor Englands, dessen Werk und Korrespondenz das Thema Kritik behandelt, ist Alexander Pope. Nach Motiven aus dem Brief der Sappho an Phaon, der Epistula Sapphus von Ovid, wird von Pope im Jahre 1707 das Gedicht Sappho to Phaon verfaßt. Pope beschreibt am 26. Dezember des Jahres 1704 William Wycherley mit der Metapher Raubvögel (birds of prey) für die Kritiker (critics) in einem Brief: "You must not therefore imagine, when you told me my own performances were above those critics, I was so vain as to believe it; and yet I may not be humble as to think myself quite belowe their notice. For critics, as they are birds of prey, have ever a natural inclination to carrion." (340) Pope beschreibt im Jahre 1729 im Vorwort To the reader des zweiten Bandes von The Posthumous Works of William Wycherley das Unrecht (injury) gegenüber einem Autor (author), wenn nicht der wahre Status dieses Falles (True State of this Case) für das beste Recht (best Justice) eines Autors herangezogen wird: "There cannot certainly be a greater Injury to a dead or living Author, than to publish such Works, the unfinish´d Parts of which will be ascrib´d to the one, the more finish´d to the other, and yet answerable to the Intent or Character of neither. It was therefore thought, that to represent the True State of this Case, would be doing the best Justice to the Memory of Mr. Wycherley." (341) Episteln (epistles) von Pope sind Briefe, die sich als Dichtung auf Literatur anderer Autoren beziehen. Pope nutzt das Thema Nachahmung für Gedichte des Horaz in seiner Sammlung von Episteln mit den Anreden To Arbuthnot, To Mr. Fortescue, To Mr. Bethel, To Mr. Bolingbroke und To Augustus, die beispielhaft für diese Gattung des Briefes sind.

Zurück zum Text  339. Anonymus: Home, Heinrich: Elements of Criticism: Grundsätze der Critik. In drey Theilen. Aus dem Englischen übersetzt. Erster Theil. In: Bibliothek der schö-nen Wissenschaften und freyen Künste. 1763. Bd. 9. S. 189-209. Zitat S. 209.

Zurück zum Text  340. Pope, Alexander: The works of Alexander Pope. New edition including several hundred unpublished tellers, and other new materials. Collected in Part by the late Rt. Hon. John Wilson Croker. With introduction ans notes by Rev. Whitwell El-win. Vol. VI. Correspondence. Vol. I. With portraits and other illustrations. London 1871. S. 15-16. Zitat S. 16.

Zurück zum Text  341. Pope, Alexander: The posthumous Works of William Wycherley, Esq., Vol. II. (1729). In: The correspondence of William Pope. Edited by George Sherburn. Volume I. Oxford 1957. S. XXXIV -XXXV.

 

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Stand der letzten Aktualisierung: 4. Juli 2001
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